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Judt: "Ich spiele selbst noch viel zu gerne Fußball"

Der Ex-Profi im Interview

Kurz nach Weihnachten stellte Kreisligist SV Burggrafenhof mit Juri Judt (31) seinen neuen Spielertrainer vor. Am Dienstag nun beginnen die abstiegsbedrohten „Hiefer“ ihre Vorbereitung auf die Restsaison unter der Regie des ehemaligen Profis, der ehedem als Mittelfeldspieler und Außenverteidiger für die SpVgg Greuther Fürth, den 1. FC Nürnberg, RB Leipzig, den 1. FC Saarbrücken sowie Rot-Weiß Erfurt am Ball war. Mit den Fürther Nachrichten sprach Judt über sein Engagement in der Kreisliga, ein Missverständnis in der Regionalliga und das Leben nach der Karriere als Berufsfußballer.

Mit dem Abschied von Bayern Kickers beginnt für Juri Judt ein weiteres Kapitel: Er wird erstmals als Trainer eine Mannschaft verantworten.

 / © Zink / AlSch

Herr Judt, der SVB ist Ihre allererste Trainerstation. Wie kam es dazu, dass die ausgerechnet in Burggrafenhof anheuerten?

Juri Judt: Burggrafenhof liegt quasi um die Ecke zu meinem Wohnort. Das ist schon praktisch. Letztlich spielte ich schon länger mit dem Gedanken, Spielertrainer im Amateurbereich zu werden. Eigentlich hatte ich dafür erst den Sommer ins Auge gefasst, nun ist es eben ein halbes Jahr früher soweit. Der Kontakt kam über Johannes Krause (Anm. der Red., bisheriger Interimstrainer des SVB) zustande, den ich noch von meiner Zeit beider SpVgg Greuther Fürther her kenne. Ich bin gespannt auf meine Aufgabe.

Kreisliga – ist das nicht ein großer Abstieg? Immerhin spielten Sie ja bis zum Sommer 2016 mit dem FC Rot-Weiß Erfurt in der 3. Liga …

Judt: Nein, so sehe ich das eigentlich nicht. Auch in der Kreisliga wird teils guter Fußball gespielt und es gibt auch dort einige Kicker, die durchaus das Potenzial für mehr haben, aber aus Verbundenheit zum Verein oder beruflichen Gründen in der Kreisliga spielen. Ich absolviere derzeit eine Ausbildung zum Verwaltungswirt beim Landesamt für Statistik in Fürth. Im Mai habe ich Abschlussprüfung.

Inklusive Ihrer Person geht der SVB mit sechs neuen Akteuren in die restliche Saison. Wie sehen die Zielsetzungen aus?

Judt: Kurzfristig gesehen wollen wir zunächst einmal da hinten rauskommen und mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. Langfristig wird sich noch herauskristallisieren, was alles möglich ist. Wir haben am Dienstag Trainingsauftakt und ich werde die Mannschaft dann nach und nach kennenlernen. Ich bin mir jedoch jetzt schon sicher, dass es mit dem Nichtabstieg klappen wird.

Die Tatsache, dass Sie bis 2020 unterschrieben haben schließt die Rolle eines „Feuerwehrmannes“ ja aus und spricht vielmehr für perspektivisches Arbeiten …

Judt: Wenn’s nach mir geht: Kein Problem. Ich bin blutiger Anfänger im Trainergeschäft, finde in Burggrafenhof jedoch ein absolut intaktes Umfeld und optimale Bedingungen für eine Einstiegsstation. Für eine längere Zusammenarbeit bin ich absolut offen.

"Bislang ist mir die Liga nur auf dem Papier bekannt"

Wie sieht Ihre Idee aus, Fußball spielen zu lassen?

Judt: Generell ist die Ausrichtung von der Qualität der Mannschaft abhängig. Während der Vorbereitung in den kommenden Wochen wird sich letztlich zeigen, ob meine Überlegungen hier eins zu eins realisierbar sind. Ich bin aber guter Dinge, dass uns das gemeinsam gelingen wird.

Wie gut kennen Sie die Nürnberger Kreisliga eigentlich?

Judt: Bislang ist mir die Liga, ehrlich gesagt, nur auf dem Papier bekannt. Den Amateurfußball in der Region als solches habe ich allerdings bereits in den letzten Monaten beim FC Bayern Kickers in der Bezirksliga kennen gelernt. Ich erlebte einige Teams, die durchaus Potenzial haben. Wie bereits erwähnt: Auch im Amateurbereich wird guter Fußball gespielt.

Immer mehr Amateurklubs setzen dabei auf einen sogenannten Spielertrainer. Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile einer solchen Lösung?

Judt: Zunächst einmal war für mich stets klar, dass ich als Spielertrainer agieren möchte. Ich spiele selbst noch viel zu gerne Fußball, um nur jenseits der Außenlinie zu stehen. Freilich sieht man nicht alle Details, wenn man selbst auf dem Feld steht. Andererseits bin ich mittendrin im Geschehen. Mal sehen, wie sich das gestaltet, aus dieser Warte heraus die Kommandos zu geben.

Im August 2016 haben Sie Ihre Profilaufbahn nach insgesamt 11 Jahren beendet. Aus Seligenporten verabschiedeten Sie sich nach nur drei Spielen. Was waren die Beweggründe zu diesem abrupten Schritt?

Judt: Meine Karriere als Berufsfußballer hatte ich ja schon einige Monate zuvor in Erfurt beendet, auch aus familiären Gründen. Auch war es an der Zeit, „was Gescheites“ zu lernen. Eine Beamtenlaufbahn strebte sich schon länger an und es ergab sich die Möglichkeit, ab 2016 eine diesbezügliche Ausbildung zu beginnen. Im Nachhinein war es der richtige Entschluss, der auch in Rücksprache mit der Familie erfolgte. Im Nachhinein sind wir immer noch zufrieden mit unserem Entschluss.

0:12? - "Das wird mich noch lange begleiten"

Am 30. Juli 2016 machten Sie Ihr letztes Spiel in einer höheren Spielklasse und verloren vor den leeren Rängen der Augsburger Rosenau mit Seligenporten 0:12 beim FC Augsburg II. Wie fad war der Beigeschmack damals?

Judt: Dieses Spiel wird mich noch lange begleiten (lacht). Mein Abschied aus Seligenporten stand jedoch bereits vorher fest. Es hatte sich relativ rasch herausgestellt, dass Familie und Ausbildung zeitlich nicht zu vereinbaren waren mit Regionalligafußball. Auch die Schule und das Lernen fielen mit nicht mehr so leicht wie mit 16. Da musste ich erst wieder reinfinden. Außerdem ist Seligenporten, von meinem Wohnort im Landkreis Fürth aus gesehen, auch nicht gerade um die Ecke. Die Abfuhr in Augsburg hat mir meine Entscheidung letztlich erleichtert. Wenn es mir nur um den Fußball gegangen wäre, hätte ich weiterhin in Erfurt in der 3. Liga spielen können. Dort bemühte man sich sehr, mich zum Bleiben zu überreden. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile entschied ich mich dazu, den Blick auf das Leben nach der Profilaufbahn zu richten.

Nach kurzer fußballloser schlossen Sie sich ja im Frühjahr 2017 zunächst Ihrem Stammverein, dem Bezirksligisten FC Bayern Kickers, an um mit Weggefährten aus Jugendtagen zu kicken. War dort Ihr Ambition, Trainer zu werden eigentlich nicht realisierbar.

Judt: Ja, so ist es. Zwar bot mir „BaKi“ den Posten des Co-Trainers an, was für mich aber nicht in Frage kam. Wenn, dann möchte ich schon das Sagen haben. Ursprünglich plante ich, die laufende Saison bei Bayern Kickers zu Ende zu spielen, doch dann ergab sich kurzerhand das Engagement in Burggrafenhof.

Dorthin bringen Sie nun einen unbandigen Erfahrungsschatz mit. Welche Profistation war für Sie im Nachhinein am prägendsten?

Judt: Eigentlich habe ich überall positive Eindrücke sammeln dürfen. Lediglich das halbe Jahr in Saarbrücken lief nicht wirklich glücklich. Letztlich fühlte ich mich in Erfurt am wohlsten, obwohl wir „nur“ 3. Liga spielten. Dort ging es äußerst familiär zu und aus minimalen Mitteln wurde stets maximales herausgeholt.

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