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Fuchsbauer: Ärger über Halbzeit eins - und unzuverlässige Spieler

Auf Schnee folgt gegen Neudrossenfeld eine erste Halbzeit zum Fürchten

Im Waldsportpark haben Helfer schon am Sonntagmorgen den Platz von Schnee und Eis befreit, damit die Landesliga-Partie gegen Neudrossenfeld stattfinden konnte. Angetreten war die Spielvereinigung Erlangen dann auch. Allerdings wenig erfolgreich.

Drei Schuss, dreimal ohne Chance: Tobias Radiske, der neue Mann im Spieli-Tor (ganz rechts), erlebte keinen Einstand nach Maß.

 / © Klaus Dieter Schreiter

Am Morgen dürften einige nach dem Aufwachsen ihren Augen nicht getraut haben: Schnee. Schon wieder Schnee. Auch den Waldsportpark zierte eine weiße Schicht wie Zuckerguss. Doch während viele noch schliefen oder am Fenster an die Heizung gekuschelt überlegten, ob an diesem Sonntag wohl Fußball gespielt werden kann, waren Peter Grundl und Markus Müller schon am Sportplatz.

„Einfach mit Besen, wir wollten nur die Linien frei räumen“, sagt Markus Müller. „Damit wir einen Spielbetrieb zustande bekommen. Wir haben so schon viele Nachholspiele. Es geht auch darum, den Jungs ein wenig den Druck zu nehmen.“ Um 8 Uhr hat der stellvertretende Abteilungsleiter angefangen, eineinhalb Stunden später war der Platz geräumt. „Es war spontan, ich habe angefangen, dann kam der Kollege dazu. Wenn man lange genug dabei ist, macht man das, damit die Jungs kicken können.“ Markus Müller hat in der Jugend schon das Spieli-Trikot getragen, jetzt sind seine Kinder dabei, die Wohnung ist ganz in der Nähe des Vereins. Also war es auch kein weiter Weg, am Nachmittag wieder zum Spiel zu kommen. Der Schnee war mittlerweile fast überall verschwunden, nur auf den Treppen der Holztribüne war es noch weiß. Das Spiel gegen den TSV Neudrossenfeld konnte stattfinden. Und es ging gleich furios los, wenn auch nicht zur Freude der Erlanger.

Louis Engelbrecht brachte die Gäste bereits nach zwei Minuten in Führung. Zwar glich Johannes Winkelmann nur vier Minuten später per Flachschuss aus, nach weniger als einer halben Stunde lag die Spieli dennoch deutlich zurück. Erst Levin Pauli, dann wieder Engelbrecht trafen für den TSV, der mit einem Sieg noch mitspielen kann um den Aufstieg in die Bayernliga.

Die Erlanger hingegen kämpfen um den Klassenverbleib, zur Pause waren sie sogar zwischenzeitlich auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht. „Das Spiel haben wir in der ersten Halbzeit hergeschenkt“, sagt Bernd Fuchsbauer. Seit Oktober soll der Trainer die Spieli aus dem Tabellenkeller führen, bislang ohne Erfolg. Nur ein Sieg gab es seither, zu Hause gegen den 1. SC Feucht (3:1).

"So kann man nicht auftreten"

Dieser Sieg sollte Mut machen, denn auch Feucht gehört zu den Spitzenteams der Liga. Gegen Neudrossenfeld aber war der Aufsteiger in den ersten 45 Minuten chancenlos. „So kann man nicht auftreten, wenn man unten drin steckt“, sagt Fuchsbauer. „Das hatten wir ganz anders besprochen. Der Wille und die Leidenschaft haben gefehlt, auch gegen eine gute Mannschaft konsequent zu verteidigen. Das haben wir nicht hingebracht. Deswegen sind wir verdient in Rückstand geraten.“ Ein deutliches Fazit, das in der Pause auch die Spieler zu hören bekamen. Während auf der Tribüne der Glühwein- Duft waberte, gab es in der Kabine Stunk — mit dem Ergebnis, dass im zweiten Durchgang alle Erlanger wieder mehr Spaß am Fußball hatten. Zunächst ging ein Kopfball von Levin Pauli 30 Zentimeter links am Spieli-Tor vorbei (57.). Auf der Gegenseite setzte sich Dominik Beier am linken Pfosten nach einer Flanke von Kay Zollhöfer stark durch, nickte den Ball knapp neben den linken Pfosten.

Insgesamt waren die Hausherren nun besser, aktiver, über die Flügel schoben die Spieler an. Neudrossenfeld wirkte plötzlich verunsichert, Keeper Tobias Grüner bekam zittrige Finger, zweimal rutschte ihm der Ball beinahe durch. In der 73. Minute aber parierte der Schlussmann gegen einen flachen Schuss von Yannick Diederichs mit der linken Hand. „Die zweite Halbzeit ist okay. Wir konnten dem Gegner Paroli bieten. Nur so wird es funktionieren“, sagt Fuchsbauer. Auch der Torwart der Spielvereinigung bekam endlich Chancen, sich auszuzeichnen. Für Tobias Radiske war es die erste Landesliga-Partie überhaupt. Ebenso wie Michael Ulrich war der 25-Jährige erst zur Winterpause an den Waldsportpark gewechselt, vorher spielte Radiske für den ASV Habach in der Kreisliga. Gegen Neudrossenfeld hatte er gute Aktionen, unter anderem parierte er einen Kopfball von Daniel Gareis.

Spieler aus dem Kader gestrichen

„Auf der Torwartposition hatten wir ein Vakuum“, sagt Fuchsbauer. Der etatmäßige Keeper Lukas Mehlig fehlte mit einem Bänderriss in der Schulter. „Aber auch weil wir Spieler haben, die nicht verlässlich sind. Spieler, die nicht ins Training kommen. Christian Manicki (Torwart der Aufstiegssaison, d. Red.) als Beispiel, Marco Müller (Top-Torschütze, d. Red.). Das sind zu viele Unwägbarkeiten“, die im Abstiegskampf eine Mannschaft nur zusätzlich belasten.

„Es geht Qualität verloren“, weiß der Trainer. „Doch jeder Spieler muss in dieser Situation bereit sein, etwas durchzuziehen. Wenn Spieler die anderen hängen lassen, ist das auch nicht gut für eine Mannschaft.“ "Bernd Fuchsbauer, ein erfahrener Trainer, greift durch, streicht die Akteure, solange sie nicht richtig mittrainieren, aus dem Kader. „Es ist wie ein Virus, das sich fortsetzt.“ Dass Tobias Radiske vorher keine Landesliga-Erfahrung hatte, stört den Coach nicht. „Das muss man sich alles erarbeiten. Irgendwann fängt man an, jetzt hat er mal angefangen und hat es nicht so schlecht gemacht.“ Nach den drei Gegentoren „hat er sich gesteigert und eine ordentliche Partie gemacht“, sagt Fuchsbauer. Sorgen um den Klassenverbleib macht sich der Trainer nicht. „Eng ist es schon, die Situation ist bekannt. Wir müssen es schaffen, vom Kopf her, dass es nicht reicht, wenn wir Halbzeiten haben wie die erste.“ Die Standpauke dafür gab es bereits in der Pause, nun will der Trainer seine Mannschaft wieder aufbauen.

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