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Zietsch-Zukunft in Feucht ist offen

Vertragsverlängerung keine Formsache

Jetzt ist es amtlich: Der SC Feucht hat aktuell einen Trainer aller erster Güte. Zeidler-Coach Rainer Zietsch konnte in dieser Woche seine Ausbildung beim DFB erfolgreich abschließen und darf sich nun ganz offiziell Fußballlehrer nennen. Für seine Mannschaft wird sich vor dem Spiel bei Schlusslicht VfL Frohnlach (Freitag, 19 Uhr) freilich nicht viel ändern. Sagt doch Zietsch selbst: „Ich werde deshalb nicht anders trainieren als letzte Woche.“

Rainer Zietsch' Zukunft beim SCF ist offen.

 / © Zink / DaMa

Direkte Auswirkungen hat Zietschs Erfolg also nicht, mittelfristige womöglich schon. Denn mit der Fußballlehrer-Lizenz, Deutschlands höchstem Trainerschein, ist Zietsch nun theoretisch auch zu Höherem berufen: Er dürfte jetzt einen Bundesligisten trainieren. Davon ist die Landesliga Nord Ost natürlich ziemlich weit entfernt, weshalb ein Verbleib des 53-jährigen Ex-Profis in Feucht über die Saison hinaus alles andere als sicher ist.

Zietsch ist ein großer Fan des SC und vor allem von seiner Mannschaft, die sich in den Monaten unter seiner Führung spielerisch prächtig entwickelt hat. Aber klar ist auch, dass die Landesliga für ihn nur einen Zwischenschritt bedeuten kann, sonst hätte er sich seine zehnmonatige Ausbildung auch sparen können.

890 Fußballlehrer mit gültiger Lizenz zählte der DFB vor rund einem Jahr, nun sind mit dem aktuellen Jahrgang noch einmal 25 potenzielle Bundesliga-Coaches dazugekommen. Alle Teilnehmer haben die Prüfung bestanden und sind nun Inhaber der Fußballlehrer-Lizenz, die gleichbedeutend mit der UEFA-Pro-Lizenz ist. Der Kurs begann im Juni 2017 und endete mit der Prüfungsphase im März 2018. Eingeteilt war der Lehrgang in 22 Wochen Präsenzausbildung, zwölf Wochen Praktikum und sechs Wochen Selbststudium. Zu den Fachbereichen des Lehrgangs gehören Fußball-Lehre, Psychologie und Physiologie. Im Modul Spitzenfußball-Analyse hospitierten die Teilnehmer im vergangenen Jahr bei der U 21-EM in Polen. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem die ehemaligen Bundesligaspieler Francisco Copado, Markus Daun, Dimitrios Grammozis und Matthias Heidrich, mit Antonio Di Salvo (U 21), Arne Janssen (U 20) und Zietsch (U 17) waren zudem drei Coaches dabei, die als Co-Trainer von Auswahlmannschaften des DFB arbeiten.

Ausbildung kostet 15.000 Euro

Leistungsbester war diesmal Robert Klauß, der beim Bundesligisten RB Leipzig die U19 anleitet. Allerdings sagt die Note wenig über den Trainer aus – so sieht es jedenfalls Zietsch. Für ihn ging es hauptsächlich darum, am Ende der mit rund 15.000 Euro auch nicht ganz billigen Ausbildung den begehrten Schein in der Hand zu halten: „Man will die Lizenz, da ist es egal, ob man mit 1,6 oder 3,4 besteht. Es bewirbt sich ja kein Trainer hinterher mit seiner Note.“ Da hat Zietsch vermutlich recht, auch wenn man beim derzeitigen Hype um den Schalker Jungcoach Domenico Tedesco vielleicht auf eine andere Idee kommen könnte. Bei ihm dürfte das Prädikat Jahrgangsbester sicher ein Türöffner gewesen sein.

Der 32-Jährige schloss die Ausbildung an der Hennes-Weisweiler-Akademie seinerzeit mit einer Gesamtnote von 1,0 ab und darf nun nach einem kurzem Intermezzo beim Zweitligisten Erzgebirge Aue seit dieser Saison die Stars des FC Schalke 04 anleiten. Mit großem Erfolg. Unter dem italo-schwäbischen Taktik-Tüftler belegen die Knappen aktuell Platz zwei in der Bundesligatabelle und dürfen sich große Hoffnungen machen, nächste Saison wieder in der Champions League zu spielen.

Im Vergleich dazu ist Zietsch sicher eine Art Gegenmodell. Der Wahlfranke ist über 20 Jahre älter als sein junger Schalker Trainerkollege, hat aber anders als Tedesco als ehemaliger Bundesliga-Profi (FCN, VfB Stuttgart) viel Erfahrung auf allerhöchster Ebene sammeln können und dazu noch über Jahre ein Nachwuchsleistungszentrum eines Profivereins (FCN) geleitet. Deshalb findet Zietsch die aktuelle Euphorie um die vermeintlichen jungen Trainergenies a la Tedesco, Nagelsmann und Co auch ein wenig überbewertet. „Das Alter“, betont Zietsch, „spielt doch gar keine Rolle, ob man ein guter Trainer ist oder nicht.

„Man muss abwarten, wie es grundsätzlich bei mir weitergeht“

In Feucht sind die Verantwortlichen überzeugt, dass sie einen guten Trainer haben, weshalb sie den Vertrag des frischgebackenes Lizenzinhabers auch gerne sobald wie möglich verlängern würden. Aber bis dahin, so scheint es, wird es noch ein langer Weg, beziehungsweise ist es alles andere als ausgemacht, dass ihr Wunschkandidat über den Sommer hinaus den Feuchtern erhalten bleibt. „Man muss abwarten, wie es grundsätzlich bei mir weitergeht“, hält sich Zietsch im Moment alle Optionen offen.

Sein Engagement als Co-Trainer der deutschen U17-Auswahl will er auf jeden Fall weiterführen und dann wird sich zeigen, welche Angebote dem ehemaligen Abwehr- und Mittelfeldspieler in der nächsten Zeit ins Haus flattern.Bislang gab es laut Zietsch nur „lose Kontakte“, aber natürlich hofft er auf die Möglichkeit, sich demnächst in höheren Gefilden beweisen zu dürfen.

„Es wäre einfach unseriös, wenn ich jetzt Feucht für die nächste Saison zusagen würde und dann bekomme ich in den nächsten Wochen und Monaten ein passendes Angebot und müsste dann Feucht doch wieder absagen“, erklärt Zietsch offen. Für seinen bisherigen Arbeitgeber ist das natürlich eine komplizierte Situation. Denn mit Blick auf den bisherigen Saisonverlauf und die gezeigten Leistungen wären die SC-Bosse gut beraten, mit ihrem Erfolgstrainer weiterzuarbeiten.

Gleichzeitig können sie sich aber auch nicht auf eine ewige Hängepartie einlassen, schließlich muss die neue Saison – egal ob in der Landesliga oder Bayernliga – geplant und im Zweifel dann eben ein passender Nachfolger für Zietsch gefunden werden. Das ist auch Zietsch klar: „Wir sprechen darüber ganz offen und ehrlich. Natürlich muss sich Feucht auch anderweitig umsehen.“

Ernsthafte Gespräche konnten und wollten Zietsch und die SC-Vorstände um Ralf Stephan nicht führen, solange die Ausbildung nicht abgeschlossen war. Nun aber drängt schon ein bisschen die Zeit. Eine Deadline gibt es laut Zietsch nicht. Aber in den nächsten Wochen soll das Thema Vertragsverlängerung final geklärt sein. Egal wie. Zumindest mit Blick auf eine Sorge der Feuchter kann Zietsch aber schon Entwarnung geben. Dass er im Waldstadion vorzeitig die Segel streicht, ist nicht zu erwarteten. „Mein Ziel ist es, die Saison in Feucht zu Ende zu spielen.“

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