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"Mir tat er einfach nur leid"

Torhüter aus der Region über den bitter enttäuschten Loris Karius

Im bislang wichtigsten Spiel seiner Karriere, dem Champions-League Finale, sind Keeper Loris Karius zwei krasse Fehler passiert, die zur Niederlage gegen Real Madrid führten. Auch Amateurfußballer aus Erlangen und Umgebung haben Samstagabend mit dem deutschen Torwart des FC Liverpool mitgelitten.

Schlimmer geht es nicht: Liverpools Keeper Loris Karius macht im Champions–League-Finale zwei schwere Fehler. 

 / © Ina Fassbender/dpa

Christopher Teuber (19, Torwart beim Baiersdorfer SV)

Ich kann mich auf jeden Fall in ihn hineinversetzen. Er hat überhaupt keinen guten Tag erwischt, alles Schlechte kam bei ihm zusammen. So einen Tag erlebt er sicher nicht noch einmal. Das Problem ist auch: Wenn er den ersten Fehler nicht macht, dann macht er den zweiten auch nicht. Der Kopf beschäftigt sich noch weiter mit dem Patzer, dann kommt der Ball und rutscht ihm durch. Ich habe auch schon in dem ein oder anderen Spiel ein Tor kassiert, das nicht hätte sein müssen. Klar, ist der Tag dann im Arsch, egal, wie man weiter hält. Ich denke mir dann aber immer: Es kann nicht mehr schlimmer werden. Doch Champions League ist etwas anderes. Dass Karius nicht das Niveau dafür hat, würde ich nicht behaupten. Er ist es vielleicht noch nicht gewohnt, in dieser Situation zu sein. Auch für Liverpool ist ein Champions- League-Finale nicht alltäglich, er hatte noch nicht so viele Riesenspiele. Bei mir zieht sich das dann schon nach. Ich mache mir Gedanken, woran es lag. War ich nicht schnell genug im Kopf oder nicht konzentriert genug? In meinem Fall kommt hinzu: Mein Vater ist unser Torwarttrainer. Egal, welcher Keeper bei uns gespielt hat, wir analysieren das immer im Training, gute und schlechte Aktionen. Doch wenn ich mit meinem Vater nach dem Spiel nach Hause fahre, ist es schon komisch. Ich sitze neben ihm im Auto — und ich weiß natürlich selbst, dass ich Mist gebaut habe.

Tugay Akbakla (21, Torwart beim SC Eltersdorf)

Ganz ehrlich, ich war so traurig, mir tat er einfach nur leid. Ich habe das Spiel mit Kumpels zusammen gesehen, die haben sich über ihn lustig gemacht. Doch als Torwart weiß man: Solche Tage hat man eben. Das Schlimmste ist das Mitleid, das danach von allen Seiten kommt. Ich habe das auch erlebt, diese Saison im Hinspiel gegen den TSV Aubstadt. Ich habe einen Fehler gemacht, wir haben 1:2 verloren. Danach habe ich mich furchtbar gefühlt. Und das war in der Bayernliga im Kampf um den Aufstieg in die Regionalliga. Bei Karius geht es ums Champions-League-Finale. Das ist schon etwas anderes, ob vor 600 Zuschauern oder vor einer Milliarde. Dass Karius nun ein schlechter Torwart ist? So kann man das nicht werten. Dann wären auch Manuel Neuer oder Marc-André ter Stegen nicht gut genug, oder Oli Kahn, der hat im WM-Finale auch einen Fehler gemacht. Wer sagt, dass der Spieler dem Druck halt nicht stand gehalten hat, der hat keine Ahnung von Fußball.

Fabian Gebhardt (23, Torwart beim TSV Frauenaurach)

Kein Sportsmann wünscht jemandem so etwas. Als Torwart hat man eben auch immer niemanden, der die eigenen Fehler wieder ausbügelt. Passiert ein Fehler, ist es meist ein Gegentor. Karius sieht in den Situationen natürlich doof aus, doch er ist noch relativ jung. Im Champions- League-Finale hat man viel Druck. An sich ist er ein guter Keeper. Jeder hat schon einmal ein Spiel gehabt, in dem es nicht richtig läuft. Doch es ist nicht immer alles schlecht. Fehler gehören dazu, niemand macht sie mit Absicht. Danach muss man sich vielleicht einen dummen Spruch der Kollegen anhören, da muss man drüber stehen. Für uns ist es ja auch nur ein Hobby. Ich versuche, Fehler immer schnell abzuhaken. Fehler passieren auch in Spielen, in denen es quasi um nichts mehr geht. Wir haben gestern den Aufstieg in die Kreisklasse auch rechnerisch geschafft. Doch vor dem Spiel hatte ich nicht mehr Druck als sonst. Ich war nur fokussierter.

Christian Manicki (22, Torwart bei der Spielvereinigung Erlangen)

Jeder Torwart hatte schon einmal so einen rabenschwarzen Tag. Jeder macht mal Fehler. Dass es einem Profi in so einem Spiel passiert, tut schon weh. Ich hätte Liverpool den Sieg gegönnt. Doch wenn einem so etwas passiert, muss man trotzdem wieder ins Tor. Die Mannschaft und die Familie helfen einem, die trösten einen. Ich selbst kann mich in diese Situation nicht so gut hineinversetzen, in einem Finale, in einem so wichtigen Spiel, ist mir das noch nicht passiert. Ich denke aber, es ist gleich schlimm, ob im Profi- oder im Amateurfußball. Für uns ist es ein Hobby, es ist sehr wichtig für uns. Für einen Profi ist es ein Job. Doch wir alle machen das aus Leidenschaft. Daher ist es für alle gleich schlimm. Dass die Mannschaft deshalb nachtragend ist, glaube ich aber nicht. Eine Mannschaft muss zusammenhalten. Sicher ist die Mannschaft enttäuscht, doch ihm richtig böse, nein, das denke ich nicht.

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