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Seligenporten scheitert vom Punkt

Toto-Pokal Viertelfinale

Aus im Viertelfinale: Lange hielt der SV Seligenporten gegen den klassenhöheren SV Viktoria Aschaffenburg die Führung, nach einem späten Ausgleich folgte das K.O. im Elfmeterschießen.

Hängende Köpfe, tanzende Leiber: Das ist Elfmeterschießen.

 / © Zink /WoZi

Ein Elfmeterschießen musste dieses Mal herhalten. In den letzten vier Jahren verabschiedete sich der SV Seligenporten ganze drei Mal im Viertelfinale des bayerischen Totopokals. 2015/16 verlor man unglücklich 0:1 gegen die SpVgg Unterhaching, vor einem Jahr jubelten am Ende die Memminger mit 2:1 in Seligenporten. Schön langsam bildet sich der Viertelfinal-Fluch für die Klosterer heraus. Denn gegen den klassenhöheren SV Viktoria Aschaffenburg gab es am Tag der deutschen Einheit im Elfmeterschießen eine 5:6-Pleite. Dabei lagen die Hausherren zumindest streckenweise nicht unverdient über 70 Minuten in Front. Seligenportens Chefanweiser Hendrik Baumgart tauschte auf zwei Positionen. Dominic Dachs durfte wieder einmal im Tor für Simon Kunze starten, der US-Amerikaner Kamron Crow ersetzte Landmann Ekern Fletscher. Von Anfang an machten die Gastgeber klar, dass es kein Feiertags-Spaziergang für die Unterfranken werden würde. Neuerers Sololauf und sein Abschluss waren nicht Welten von einer SVS-Führung entfernt (3.). Beflügelt aufgrund diverser Erfolgserlebnisse der letzten Wochen, bestimmte Seligenporten die Anfangsphase. Marco Wiedmann, auf rechts freigespielt, flankte in den SVA-Sechzehner, Ugurtan Kizilyar klärte in höchster Not vor dem einschussbereiten Sebastian Glasner zur Ecke fürs Kloster (6.). Der Regionalligist hatte Probleme, vor allem im Defensivverhalten wackelte die Elf von Viktoria-Übungsleiter Jochen Seitz deutlich. Raffael Kobrowski kam im Mittelfeld an den Ball und zeigte dann seine Klasse. Mit einem sensationellen Flachpass hebelte er die komplette Aschaffenburger Defensivabteilung aus, Wiedmann war durchgebrochen. Gewohnt cool ließ er im Face-to-Face-Duell Gästekeeper Peter Neuberger keine Chance und schoss aus 16 Metern halbrechter Position ins linke Toreck zur zu diesem Zeitpunkt verdienten 1:0 für den SVS ein (12.). In der Folge beruhigte sich das Spiel zunehmend. Die Klosterer hatten die frühe Führung erzwungen, die Gäste waren zu einer Reaktion aufgerufen. Im Sechzehner behauptete sich Lucas Oppermann stark, rutschte beim Schuss aus neun Meter aber aus, sodass die Kugel mehr als zwei Meter drüber ins Fangnetz schnellte (28.). Die Offensivbemühungen des Favoriten waren dennoch eher überschaubar. Genauso die Schiedsrichterleistung von Herrn Schwarzmann, der mal so eben die kochenden Gemüter nur mit vier gelben Karten für den SVS beruhigen konnte – ein Foulspiel war bei jenen vier Verwarnungen nicht beinhaltet. Autorität sieht anders aus. Doch warum kochte die MARena samt Spieler? In der 42. Minute schlug Marco Wiedmann einen Freistoß von der rechten Seite in den Sechzehner. Die Ein-Mann-Mauer Aschaffenburgs war deren Kapitän Simon Schmidt, der, als der Ball kam, das Knie hochnahm und den rechten Arm zum Knie bewegte. Eine absichtliche Bewegung – zumal der Arm in solchen Regionen schon gar nichts zu suchen hat und Schmidt den Ball mit dem Arm spielte und nur so den Ball klären konnte. Der Assistent hatte freies Sichtfeld. Es hätte Elfmeter für den SVS geben müssen, da waren sich fast alle Zuschauer in der Pause einig.

Zum sportlichen, zur zweiten Hälfte: Viktoria-Coach Jochen Seitz wechselte Philipp Beinenz für den enttäuschenden Daniele Toch ein. Dies sollte sich fast postwendend bewähren. Seine Eckenvorlage konnte Kopfballspezialist Luca Dähn aus sechs Metern aber nur in die Arme von SVS-Torhüter Dachs drücken (48.). Aschaffenburg kam wie ausgewechselt aus der Pause, deren Spielweise wirkte um einiges zielstrebiger. Björn Schnitzer, Dreh-und Angelpunkt im Viktoria-Spiel, narrte Nico Moos auf links, bedient per Flankenball Oppermann, der sich regelwidrig per Ellenbogen durchsetzte und einnetzte. Doch Schwarzmann pfiff das Tor zurecht zurück (50.). Der Pausenwechsel der Gäste brachte auf jeden Fall Schwung ins Angriffsspiel. So war es Beinenz, der mit Geschwindigkeit Kai Neuerer abhängte und sich aus spitzem Winkel gegen Dominic Dachs versucht. Letzterer vereitelte die goldene Gelegenheit sehr aufmerksam (53.). Von den zu Beginn so gut auftretenden Klosterern war ein Haufen nur noch verschiebender Akteure geblieben, denn Aschaffenburg schnürte den SVS ein. Ein Konter der Viktoria hätte eigentlich sitzen müssen. Über Stürmer Clay Verkay gelangte das Spielgerät in die feinen Füße Schnitzers, der blitzgescheit Moos per Flachpass tunnelte – Destination Lucas Oppermann. Der wuchtige Angreifer scheiterte zunächst an Dachs rechter Hand, die der Torhüter instinktiv herunterriss. Der Ball prallte nochmals in den freien Raum, doch Dachs war schnell wieder oben und schnappte sich die Kugel vor dem Einschuss Oppermanns. Eine hundertprozentige Chance und kein entstandenes Gegentor, weil Dachs hundert Prozent in die Torvereitelung dieser Szene steckte (63.). Weiter war das Spiel recht hitzig, Schiedsrichter Schwarzmann schaffte es nicht, Ruhe ins Spiel zu bringen und sorgte dagegen für erhöhte Hektik. Es spielte weiterhin nur eine Mannschaft – und zwar die in weiß-blauer Kleidung. Gegen eingeigelten Klosterer hatte Schnitzer genug vom handballähnlichem Passspiel rund um den Sechzehner des SVS. So nahm er seinen Mut zusammen und zündete aus 25 Metern Richtung Kloster-Tor. Dachs bekam die Hände hoch und wehrte erneut super ab (70.). Den Gästen lief die Zeit davon, es wurde nochmal einen Gang höher geschaltet. Der SVS schien ausgepowert, obwohl man ja am letzten Wochenende kein Spiel bestritten hatte. Fast die einzige nennenswerte Chance der Klosterer in Durchgang zwei ereignete sich in der 74. Minute. Wiedmann hatte auf den eingewechselten Katidis zurückgelegt, dieser den Ball aber so überhaupt nicht getroffen. Hatte SVS-Trainer Hendrik Baumgart vor der Partie vor zu viel Passivität ausdrücklich gewarnt, verhielt sich seine Equipe genau wie nicht gewünscht. Erst stand Verkaj der Pfosten im Wege (75.), dann fand Daniel Cheron nach einer Eckenvariante per Direktabnahme aus 16 Metern seinen Meister am sehr gut aufgelegten Dominic Dachs. In einer Phase, als die lange Druckphase der Aschaffenburger ein wenig abschwächte, fiel dann das hochverdiente Ausgleichstor. Schnitzers Ecke fand erneut Cheron, der aber diesmal deutlich weiter vorne am Fünfer stand und makellos den Ball zum 1:1 ins lange Eck köpfte (85.). Für die Moral des SVS ein harter Wirkungstreffer, denn wenig später sah Kai Neuerer zurecht die Ampelkarte (87.). Verkaj (88.), Oppermann (90.+1) und Schnitzer (90.+3) vergaben noch eine Reihe an guten Gelegenheiten, sodass sich der SVS mit den letzten Kräften ins Elfmeterschießen schleppte.

Olschewski eröffnete das Penaltyschießen und traf ganz souverän rechts unten. Aschaffenburg war durch Schnitzer vertreten, der mit vielleicht zwei Schrittchen Anlauf Dachs in die falsche Ecke schickte – 2:2. Artan Selmani übernahm Verantwortung fürs Kloster und traf. Kizilyar zog aber erneut gleich. SVS-Kapitän Marco Janz verwandelte zur erneuten Führung, SVA-Keeper Neuberger war im Eck, aber dennoch machtlos. Aber Aschaffenburg schien seinen Stiefel durchzuziehen, denn Verkaj verwandelte routiniert – 3:3. Zum siebten Elfmeter trat nun Fotios Katidis an – der personifizierte Unglücksrabe in dieser Saison mit einer Schaffenskrise im Toreschießen. Katidis schoss, Neuberger parierte, das Drama des Katidis nahm nun seinen Lauf. Boutakhrit traf erneut kühl für die Viktoria. Als letzter Schütze der Klosterer übernahm Marco Wiedmann die Verantwortung und verlud Neuberger zum 4:4-Ausgleich. Doch den längeren Atem hatten eben die nachziehenden Aschaffenburger in persona Simon Schmidt, der ebenfalls kaltschnäuzig einnetzte und die mitgereisten Fans der Viktoria jubelnd aufspringen ließ. Ausgerechnet Schmidt, der noch in der ersten Halbzeit die Hand regelwidrig im eigenen Strafraum benutzte.

(Video) Die Entscheidung im Elfmeterschießen:

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