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Seligenporten: Kapitän Janz verlängert, den Coach nervt der Schnee

Bayernliga Nord

Am Samstag bezwang der Nordbayernligist SV Seligenporten die A-Junioren der SpVgg Greuther Fürth auswärts mit 1:0. Bereits gut eine Woche vorher verlangte man dem Regionalligazweiten VfB Eichstätt beim 1:1-Remis alles ab. Kürzlich verlängerte nun auch Kapitän Marco Janz sein Engagement beim SVS. Trainer Hendrik Baumgarts Stimmung müsste sich eigentlich auf Wolke sieben befinden, würde aus diesen nicht bloß so viel Schnee herunterfallen und dann gefrieren.

Weiß ist derzeit die prägende Farbe in Seligenporten.

 / © Hable

Die Faschingszeit steht vor der Tür. Während man in den Discountern und Bekleidungsgeschäften schon eifrig Kostüme kaufen kann, wird das Nervenkostüm von Seligenportens Trainer Hendrik Baumgart bereits immer dünner. Grund dafür sind die miserablen Witterungsbedingungen, die den Rasenplatz in Seligenporten fast ausnahmslos zu einer Eisdecke verwandeln. „Wir waren erstmal zufrieden, dass wir auf einem schönen Platz spielen durften“, macht Baumgart seinem Ärger Luft.

Vorausgegangen war der freundschaftliche Vergleich mit den A-Junioren der SpVgg Greuther Fürth auf deren einwandfreien Kunstrasenplatz, welchen der Bayernligist knapp mit 1:0 für sich entscheiden konnte. Das Tor des Tages erzielte der US-Amerikaner Ekern Fletscher auf Vorarbeit Bajramis in der 76. Minute. In einem kurzweiligen Spiel am Samstagvormittag sah Baumgart von seinem Team „gute Ansätze“. Man habe gegen die spritzigen Fürther aber auch Schwächen aufgedeckt bekommen.

Im Defensivverhalten und im Umschaltspiel erkannte der 41-Jährige Verbesserungsbedarf. Dennoch lässt sich konstatieren, dass sich die Klosterer bei den bisherigen Testspielen nicht verkehrt verkauft haben. In Eichstätt konnte man vor gut einer Woche einer starken Regionalligamannschaft ein 1:1-Unentschieden abtrotzen, ehe man den U19-Bayernliga-Spitzenreiter am Samstag besiegte. Tests, in denen Trainer gerne auch mal neue Systeme ausprobieren. Hendrik Baumgart macht davon nur bedingt Gebrauch. „Wir spielen ein System, das gut zu uns passt“, sagt Baumgart und meint damit eine Aufstellung, die auf die Stärken des vorhandenen Spielermaterials zugeschnitten ist. Gegen den VfB Eichstätt war dies indes noch ein 4-2-3-1-System mit der Doppelsechs Bindner/Olschewski. Sonst war man in den Ligaspielen des SVS eher ein 4-3-3-System gewohnt. Zu hoch hängen möchte Baumgart diese theoretischen Formationen nicht, schließlich „sind da die Übergänge fließend“. Der Sechser kann dann mal ein offensiver Mittelfeldspieler sein, der Außenstürmer ein Außenverteidiger. 

Die drei Neuzugänge des SV Seligenporten hat der Trainer schon weitestgehend auf ihre Fachgebiete analysiert: „Beim Knorri (Christian Knorr, Anm. d. Red.) ist es noch am klarsten. Seine Positionen sind die offensiven Außenbahnen. Sam Zander wird sich im Zentrum finden. Dort hat er seine größten Stärken, aber auch eine bärenstarke Konkurrenz. Da kann er in den nächsten Jahren viel mitnehmen.“ Die Personalie Armin Bindner ist für Hendrik Baumgart eine solche, die die „taktische Variabilität“ erhöht. Ob auf der Sechserposition oder in der Viererkette, mit ihm hat Baumgart immer eine Überraschung für den Gegner parat.

Fingerzeig von Janz

Eine felsenfeste Größe ist derweil Innenverteidiger und Kapitän Marco Janz. Der 26-Jährige verlängerte vor kurzem seinen Kontrakt beim SVS – bis Sommer 2020. „Es ist wichtig, dass wir nun die ersten Spieler festzurren“, stellt Baumgart klar. Denn nach den beiden letzten Sommern 2017 und 2018 will Hendrik Baumgart im Interesse des Vereins einen erneuten Massenexodus vermeiden: „Dreimal hintereinander wollen wir das nicht mitmachen“, sagt der Übungsleiter deutlich.

Durch die Vertragsverlängerung des erfahrenen Kapitäns hofft man im Lager des SVS insgeheim, dass man das Grundgerüst der derzeitigen Mannschaft halten kann und dann womöglich im nächsten Jahr auf Mission Regionalligaaufstieg gehen kann. Bei verbleibenden zwölf Partien und dreizehn Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze scheint ein diesjähriger Aufstieg eher unwahrscheinlich. Einen gestandenen Regionalligaspieler in seinen Reihen zu haben, macht die Aufstiegsambition realistischer – vor allem wenn man das Charisma von Marco Janz hat. „Er ist ein absolutes Vorbild in allen Bereichen“, beschreibt Baumgart seinen verlängerten Arm auf dem Feld. Sein Umgang mit jungen, aber auch mit den erfahrenen Spielern sei optimal. „Auf dem Platz steuert er die Mannschaft von hinten und zeigt dazu selbst noch eine hundertprozentige Leistung“, weiß Hendrik Baumgart gar nicht so recht, wie Janz stets beide Aufgaben gleichzeitig unter einen Hut bringt.

„Natürlich freut es mich, so etwas zu hören“, gibt der 26-Jährige zu. Als Kapitän sehe er sich in der Pflicht, alles zu geben – in jeglichen Bereichen. „In der Jugend war ich auch froh, Spieler neben mir zu haben, die mich geführt haben.“ Im selben Atemzug betont Janz, dass beim Dirigieren des Teams und der Erbringung der eigenen Leistung trotz des Trainerlobes noch Lernbedarf für ihn existiert. Seine Vertragsverlängerung sieht er als Fingerzeig: „Ich hoffe dadurch einerseits, dass Spieler hier beim SVS ihre Verträge genauso verlängern. Andererseits sehen dann auch Spieler von anderen Vereinen, wie ernst wir es in Seligenporten mit dem Aufstieg meinen.“

Janz, der in Erlangen Realschullehramt für Sport und Wirtschaft studiert und nur etwa zwanzig Minuten Anfahrtsweg hat, fühlt sich im Klosterdorf pudelwohl: „Ich verstehe mich gut mit den Verantwortlichen und wir haben eine talentierte Mannschaft mit tollem Teamgeist. Ich bin stolz auf die Entwicklung, die die Mannschaft genommen hat.“

Nicht so flexibel wie ein Marco Janz zeigt sich der Tabellendritte der Bayernliga Nord. „Die Großbardorfer haben sich nicht bereit erklärt, am Freitag zu spielen“, erzählt Baumgart. Deswegen müssen die Fans des SV Seligenporten noch einen Tag länger als geplant auf das Auftaktmatch gegen den TSV Großbardorf warten. Statt am Freitagabend des 1. März geht die Partie planmäßig nun am darauffolgenden Samstag, den 2. März ab 13 Uhr über die Bühne. Auf einen grünen Zweig ist man mit den Grabfeld-Galliern also nicht gekommen. „Wir hätten gerne am Freitagabend gespielt“, sagt Hendrik Baumgart.

Fehlender Räumdienst

Dafür hofft der Trainer des SVS am Dienstag umso mehr, auf ein paar grüne Grasbüschel zu kommen. Dann soll auf dem Kunstrasenplatz in Ochenbruck um 18.45 Uhr ein Test gegen den Nordostlandesligisten SC Feucht angepfiffen werden. Eigentlich war dieses Duell schon zum 24. Januar geplant, allerdings scheiterte das Vorhaben der beiden Vereine. Hendrik Baumgart erklärt im Nachgang: „Ochenbruck hat damals den Platz gesperrt, warum auch immer. Es lag kein Schnee drauf, und wir haben einen Tag vorher dort problemlos trainiert.“

Jetzt hofft er, dass es dieses Mal klappt. Doch der schneereiche Sonntag in der Region könnte ihm, der am Sonntag noch an der deutsch-österreichischen Grenze unterwegs war, einen Strich durch die Rechnung machen. „In Ochenbruck ist das Problem, dass keiner den Platz räumt.“ Im Falle einer weiteren Absage muss sich das Team des SV Seligenporten weiter auf schneebedecktes Trainingsterrain einstellen. Am Anfang der Vorbereitung mutete die Laune bei Baumgart in dieser Sicht noch besser an: „Da muss man manchmal bisschen improvisieren, da fällt mir schon was ein.“ Mittlerweile spricht der 41-Jährige von „katastrophalen Bedingungen“ während des Trainings. Natürlich geschuldet auch dem Fehlen von „gewarteten“ Kunstrasenplätzen in der Neumarkter Region. So bleibt schließlich nur zu hoffen, dass Hendrik Baumgart am zweiten März noch ein Nervenkostüm zur Verfügung hat. Schließlich fällt das Auftaktmatch auf den Faschingssamstag.

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