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Neunsinger: "Bei etlichen stand das Ich über dem Wir"

Bezirksliga Süd

Nach starkem Start sieht Burgfarrnbach-Coach Uwe Neunsinger sein Team inzwischen im Abstiegskampf. Schuld sei der Winterpausen-Aderlass auf der Tulpe, zu dem der Trainer eine gewohnt klare Meinung hat.

Uwe Neunsingers Laune dürfte sich im Winter nicht gebessert haben. Ein personeller Aderlass bereitet ihm Sorgen.

 / © Zink

Im Fußball kann es manchmal schnell gehen - wer wüsste das besser als Uwe Neunsinger: Von Mitte September datiert das letzte Gespräch mit dem Trainerroutinier, für viele überraschend war der TSV Burgfarrnbach als Aufsteiger bockstark in die Saison gestartet und grüßte von der Spitze. Damals sprach Neunsinger also als Coach eines Tabellenführers.

Und er ahnte schon damals etwas, als er sagte, "man sollte in der Situation nicht so dumm sein, zu glauben, du bist schon wer und solltest irgendetwas an deinen Zielen ändern". Einen Sieg gegen Ansbach/Eyb und ein Remis gegen Ornbau später geriet der TSV tatsächlich in einen herbstlichen Sog, verlor fünf Spiele in Folge und rutschte auf Rang zehn ab. Plötzlich erschien das ausgegebene Ziel Klassenerhalt gar nicht mehr als Understatement. Nun gingen diese fünf Partien freilich nicht gegen irgendwelche Teams in die Binsen, sondern gegen die fünf Teams, die inzwischen in der Tabelle ganz oben stehen. Da drängt sich natürlich die Frage an Neunsinger auf, ob es eine Schwächephase seiner Elf war - oder letztlich ein Zurechtrücken der wahren Kräfteverhältnisse in der Liga. "Weißenburg, Roth und Woffenbach waren tatsächlich besser als wir", so der 47-Jährige, "aber viele Probleme haben wir uns in dieser Phase schon selber gemacht." Glücklicherweise habe man in den letzten Spielen vor der Winterpause mit Siegen gegen Dinkelsbühl und Freystadt noch wichtige Punkte gesammelt: 30 sind es aktuell, gleichbedeutend mit Rang sieben.

Ein solider Mittelfeldplatz also für den Aufsteiger, der Abstand auf den Relegationsrang beträgt neun Punkte - Neunsinger aber ist dennoch schwer alarmiert. Schuld daran ist vor allem der personelle Aderlass, den der TSV Burgfarrnbach in der Winterpause hinnehmen musste. Zählt man die Abgänge, kommt man auf elf, darunter mit Fabian Schreiner (zum TSV Buch) und Diego Lopez Silva (zurück in die USA) die beiden besten Torschützen. Neu im Team sind mit Alper Yildirim (Türkspor) und Kim Scheller (FC Herzogenaurach) lediglich zwei Akteure. "Wir haben eine große Ausdünnung - vor allem offensiv - und werden uns damit in der Tabelle hinten einreihen", prognostiziert Neunsinger. Die bislang hinter seinem TSV Burgfarrnbach liegende Konkurrenz hätte teils aufgerüstet, Neunsinger nennt als Beispiel die Sportfreunde Dinkelsbühl, die Pascal Haltmayer zurückgeholt hätten, und den FC Holzheim, der sich mit Jonas Grunner aus der Bayernliga bediente. "Ich gehe davon aus, dass am Ende 42 Punkte nicht reichen; mit 43 bis 45 kommt man in die Relegation. Wir brauchen also vier Siege aus 14 Spielen - und die Vorderen haben wir alle noch. Es wird schwer, die Klasse zu halten."

"Bei etlichen stand das Ich über dem Wir"

Stichwort Ausdünnung: Neunsinger, gewohnt meinungsstark, geht dabei mit einem Teil seiner ehemaligen Schützlinge hart ins Gericht: "Es spielt keine Rolle mehr, wie du spielst, dass du als Aufsteiger in der Bezirksliga Tabellenführer bist, weil viele eh machen, was sie wollen. Bei etlichen stand das Ich über dem Wir. Wenn ich aus dem Urlaub komme, muss ich mich hinten einreihen", das aber hätten einige nicht akzeptiert. "Das Problem ist, dass einige Spieler Ansprüche haben, die völlig überzogen sind." Einige hätten sich auch, als sie den Verein im Winter nun verlassen hätten, "charakterlich grenzwertig verhalten." Viele seien in untere Ligen gegangen, hätten sich sportlich verschlechtert, "weil sie da vielleicht nicht mehr trainieren müssen." Aber das sei eine "Generationenfrage, das kennen andere Trainer auch. Das kannst du nicht mehr ändern."

Die Spieler, die ihm geblieben seien, arbeiteten ordentlich, zögen gut mit. "Wir müssen uns jetzt keinen Strick nehmen und auf den Stuhl stellen. Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren im Verein einen Top-Job gemacht, gehen den Weg weiter, und wer mitgehen will, ist eingeladen." Sein Vertrag bei Burgfarrnbach habe sich bereits automatisch für eine weitere Saison verlängert, so der gut vernetzte Coach, der einst regionale Größen wie Vach, Schwabach und Seligenporten coachte und in Burgfarrnbach ins dritte Jahr gehen wird.

Die Amtszeiten der Trainer der Bezirksliga Süd:

Die Vorbereitung auf der Tulpe lief bislang durchwachsen, Tests fielen aus, nur einmal, bei der 0:2-Niederlage in Herzogenaurach, habe man bislang eine Mannschaft stellen können, so Neunsinger. Weitere Testspiele sind gegen Weisendorf, Poppenreuth und den Landesligisten Rimpar angedacht. Für den Fall, dass die Auftaktpartie in Marienstein am 3. März wetterbedingt nicht stattfindet, ist noch ein Vergleich mit dem KSD Hajduk geplant.

An der nun fernen Bezirksliga Süd-Tabellenspitze geht er übrigens von einem engen Dreikampf aus: "Roth spielt den attraktivsten Fußball, Woffenbach ist mannschaftlich geschlossen, Weißenburg sehr effektiv. Da ist ein Favorit schwer auszumachen." Für den zwischenzeitlichen Primus Burgfarrnbach ist das Meisterrennen inzwischen weit weg, doch ein Gespräch mit Neunsinger wäre kein Gespräch mit Neunsinger, hätte er nicht noch eine abschließende Metapher im Köcher: "Wir sind nicht mehr der größte Fisch im Teich, aber verschlucken kann man sich an uns dennoch." 

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