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Bruck gegen Vach: Albtraum vs. Hoffnung

Nach dem 0:2 gegen Vach

Das Kellerderby in der Bayernliga gegen den ASV Vach sollte eigentlich ein Befreiungsschlag werden für den FSV Erlangen-Bruck im Abstiegskampf. Doch es wurde ein Albtraum. Mit 2:0 gewann der Tabellenletzte Vach - für den ASV ein wichtiger erster Schritt im Abstiegskampf. Maßgeblich zum Sieg trugen zwei Neuzugänge bei.

Ausgerutscht ist der FSV Erlangen-Bruck, hier mit Labeat Ferizi, gegen Schlusslicht ASV Vach.

 / © Giulia Iannicelli

Und dann auch noch das. Als wäre es noch längst nicht genug gewesen mit diesen vergebenen Großchancen, mit dem Nackenschlag unmittelbar nach der Halbzeit und mit dem 0:2 zu Hause gegen den Tabellenletzten.

Was Adem Selmani genau gesagt hat in dieser 88. Spielminute, das wird wohl sein Geheimnis bleiben. Und selbst wenn man es wüsste, es wäre ganz sicher nicht zitierfähig: Der Schiedsrichter jedenfalls zögerte keine Sekunde und zeigte dem Brucker Spielmacher die Rote Karte, nach einem Gerangel und einem Foulspiel war er mit Rico Röder ins Wortgefecht gegangen. „Ich denke, das war der Frust“, sagte Normann Wagner, der Brucker Trainer, später. „Sicher ist Röder auch kein Unschuldslamm, aber als erfahrener Spieler muss ich mich da besser unter Kontrolle haben.“ Es war, immerhin, nicht mehr ausschlaggebend in dieser Partie. Die hatte der FSV Erlangen-Bruck zu Hause gegen den ASV Vach schon vorher mit 0:2 (0:0) verloren.

 Die Derbyniederlage war letztlich aber genauso unnötig eingehandelt wie dieser Platzverweis: „Eigentlich müssen wir es mit diesen drei oder vier Chancen am Ende schon klar machen“, fand auch ein trauriger Oliver Seybold. Allein der Stürmer hatte in der zweiten, der fünften und zehnten Minute gute Möglichkeiten besessen, seine Mannschaft, die losfegte wie ein Herbststurm, in Führung zu bringen. Doch wie sein Mitspieler Firat Cagli nur Sekunden nach dem Anstoß, brachte Seybold entweder den Ball nicht am guten Vacher Schlussmann Jonas Dirr vorbei, oder aber agierte einen Tick zu hektisch.

„Wir machen in dieser Anfangsphase alles richtig“, freute sich Wagner, umso unverständlicher war es für den Trainer aber, weshalb seine Mannschaft den Offensivwind dann schlagartig wieder einstellte.

Schwitzen mit Wägner

Ein Befreiungsschlag sollte es schließlich werden für den FSV im Abstiegskampf, dafür hatte man in den Wintermonaten viel investiert: Die Fitness hatte man nicht mehr freiwillig den Spielern überlassen, sondern Athletiktrainer David Wägner hatte das Schwitzen und Schnaufen überwacht. Anstatt mit viel Rückenwind und einem Satz heraus aus der Abstiegszone ins Stadtderby gegen Eltersdorf am Freitag zu gehen, verlor Bruck die Kontrolle über die Partie. Das aber höchst selbst verschuldet: Gleich mehrere haarsträubende Fehlpässe im Spielaufbau ohne jegliche Not wirkten wie Mut-Injektionen für das Schlusslicht aus Vach. Das durfte seinerseits nun Nicolas Herzig, Brucks Schlussmann, sehr aussichtsreich testen – vor allem aber lernen, dass jenes Sturm-und-Drang-Bruck der ersten Minuten nur noch ein laues Lüftchen nach vorn entwickelte.

„Wir haben alles hergegeben nach 20 Minuten an Vach“, sagte Seybold bitter. Ehe es nach dem Wiederanpfiff noch schlimmer wurde: „Wir waren plötzlich wie von einem anderen Stern.“ Oder auch einfach: Gedanklich noch nicht auf dem Platz. Einen scharf hereingetretenen Freistoß von Rico Röder jedenfalls verwertete Pascal Tischler alleingelassen aus elf Metern per Direktabnahme zur Gästeführung. „Jetzt hatten wir natürlich Druck“, meinte Seybold.

Dieser setzte aber nicht etwa neue Kräfte frei, sondern ließ den FSV vollends seinen Kopf verlieren. Anstatt auf besonnenen Kombinationsfußball zu setzen, liefen sich die Spieler immer wieder im Zentrum fest und luden mit weiteren Fehlpässen und verlorenen Zweikämpfen die offensiv starken Vacher zum Kontern ein. Deren Bizeps wuchs mit jeder Torchance, Patrick Schwesinger traf das Außennetz (74.), der fleißige Yuri Meleleo wenig später zur Entscheidung nach einer feinen Einzelleistung samt Vorlage von Julian Konrad (85.).

„Jetzt heißt es: Kämpfen, kämpfen, kämpfen“, meinte Oliver Seybold nur, dabei fehlen weiter Bastian Lunz (Rückenprobleme) und Hayri Özdemir (Reha nach Leisten-OP). „Das darf keine Entschuldigung sein“, sagte Normann Wagner, „klar fehlen uns die beiden, aber das war ja schon länger klar.“ Für sie rückten die jungen Florian Fromholzer und Samet Güler in die Partie – „ihnen kann man keinerlei Vorwürfe machen“, so Wagner. „Die Fehler haben heute die Erfahrenen gemacht.“ CHRISTOPH BENESCH

Die Neuen treffen

Hoffnung haben sie beim ASV immer gehabt, egal wie aussichtslos die Lage schien. „Sonst hätten wir ja im Winter gar nicht mehr reagieren müssen“, sagt Jürgen Walthier, Leiter der Fußball-Abteilung. Mit einem ernüchternden 1:6 zuhause gegen die U23 der Würzburger Kickers hatten sich die Vacher in die Winterpause verabschiedet – als Tabellenletzter der Bayernliga.

In den vergangenen spielfreien drei Monaten kamen fünf neue Spieler, fünf haben den Verein verlassen, darunter Ex-Kapitän Daniel Eich, der ausgerechnet zum FSV Erlangen Bruck ging: dem Gegner zum Auftakt der restlichen Rückrunde und direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Es war klar, dass der ASV dieses Spiel gewinnen musste. „Wir wussten alle, wenn wir eine Chance auf den Relegationsplatz haben wollen, müssen wir punkten“, sagt Walthier. Er konnte sich hinterher bestätigt fühlen – sowohl darin, dass er immer noch Hoffnung gehabt hatte, als auch darin, dass der Verein in der Winterpause personell reagiert hatte.

Der 2:0-Auswärtssieg in Bruck (16.) bedeutet mehr als einen Hoffnungsschimmer. Der ASV (18.) hat wieder Anschluss an die Relegationsplätze und mit dem Heimspiel gegen Jahn Forchheim (15.) das nächste Sechs-Punkte-Spiel vor der Brust. „Uns ist schon ein gewaltiger Stein vom Herzen gefallen“, gibt Walthier zu. Yuri Meleleo, der fünf Minuten vor Ende die Entscheidung besorgte, gefiel bei seinem Debüt: Die Nummer neun der Vacher wurde in Italien unter anderem in der U19 des AC Mailand ausgebildet und hat früher für den SV Seligenporten gespielt. Zuletzt war er privat ein halbes Jahr in England und nach seiner Rückkehr auf der Suche nach einem Verein. „Ich hatte Glück, ihn von uns zu überzeugen“, sagt Walthier.

Auch wenn die Neuen für die beiden Tore sorgten, allein an ihnen habe der Sieg natürlich nicht gelegen, sagt der Fußball-Leiter: „Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung, bei der jeder für jeden gekämpft hat.“ Nur in den ersten zwanzig Minuten hatten den Vachern noch merklich die Knie gezittert. „Man hat ihnen die Nervosität angemerkt, jeder wusste, worum es in diesem Spiel geht.“ Torwart Jonas Dirr hielt den ASV in dieser Phase im Spiel. „Er hat zwei, drei hundertprozentige Chancen vereitelt“, lobt Walthier.

Dirr, schon in den letzten Spielen vor der Winterpause neue Nummer eins in Vach, hat ebenfalls Konkurrenz bekommen – die ihn scheinbar beflügelt. Der 22 Jahre alte Sven Gordzielik kam vom ATSV Erlangen, nachdem Marcus Kredel zur SG Quelle Fürth gegangen war. „Beide liefern sich einen gesunden Konkurrenzkampf und sind stark, es liegen nur Nuancen zwischen ihnen“, berichtet Walthier. Gordzielik ist momentan aber noch durch eine Fingersehnenverletzung gehandicapt.

Noch immer steht der ASV auf dem letzten Tabellenplatz, der Abstand auf einen Relegationsplatz ist aber auf zwei Punkte geschmolzen. Und könnte bei einem Sieg gegen Forchheim weiter schrumpfen. Die Situation bleibt in Vach also ähnlich wie vor dem Sieg in Bruck: „Wir müssen punkten“, sagt Walthier. ALEXANDER PFAEHLER

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