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Dotterweich: "Jeder muss sich überlegen, ob er alles dafür getan hat"

Nach dem 1:1 im Derby

Der FSV Bruck hat sich im Erlanger Bayernliga-Derby ein 1:1 erkämpft. Erschreckend leidenschaftslos verspielte der SC Eltersdorf die eigene Führung.

Thomas Dotterweich (rechts) war nach dem Spiel bedient.

 / © Zink/WoZi

Thomas Dotterweich verzog keine Miene. Wie versteinert saß er auf der Eltersdorfer Bank, tief in die kalte Sitzschale zurückgelehnt, den Kopf an der Wand. Eine dicke Winterjacke hatte er sich übergezogen, von Kopf und Nacken stieg Rauch auf, wie immer, wenn die Spieler in der kalten Abendluft schwitzen. Doch hier, so wirkte es zumindest, war es mehr. Thomas Dotterweich rauchte vor Zorn. 

Er hatte gekämpft. Seit sieben Jahren spielt er für den SC Eltersdorf, er hält die Knochen für den Verein hin, und das ist in diesem Fall mal keine leere Floskel. Auf seiner Stirn klebte noch ein wenig Erde, auch am Trikot war etwas zu sehen vom Derby-Kampf, den an diesem Freitagabend allerdings nicht alle Eltersdorfer angenommen hatten.

„Ich bin sehr enttäuscht, gerade aufgrund der zweiten Halbzeit“, sagte Dotterweich ein wenig später, als zumindest die Gesichtszüge wieder etwas weicher waren, die Erde aber immer noch an der Stirn pappte und der Zorn, so nennen wir es mal, noch nicht verraucht war. „Wir wollten einen Dreier, haben in der Woche zuvor auch dementsprechend gearbeitet. Doch es hat leider nicht geklappt.“ Warum das so war, warum der Tabellenfünfte gegen den Fünfzehnten nicht gewinnen konnte, am Ende des Spiel sogar noch um das Remis bangen musste – Thomas Dotterweich war in seiner Analyse schonungslos. „Jeder Einzelne muss sich vielleicht mal überlegen, ob er alles dafür getan hat, damit wir im Derby drei Punkte einfahren.“ Der SCE wollte eigentlich „oben angreifen“, noch einmal mitmischen im Kampf um den Aufstiegsrelegationsplatz zwei.

Schon in der Vorsaison hatten die Quecken die Aufstiegschance durch schlechte Leistungen nachder Winterpause vergeben. „Wir wollten das dieses Jahr ändern.“ Schon nach zwei Spielen, zwei mageren Unentschieden aber ist klar: Gelungen ist es nicht. Und das, obwohl die Eltersdorfer am Freitagabend vor 350 Zuschauern in der ersten Halbzeit absolut überlegen waren. Direkt einschüchtern wollten sie die Gäste aus der Nachbarschaft.

Die Brucker, ersatzgeschwächt mit vier Jugendspielern in der ersten Elf, hielten tapfer, doch ohne viel Ballbesitz, dagegen. Die erste dicke Chance der Hausherren vergab Tobias Herzner, dessen Bruder erkrankt fehlte. Sebastian Schäferlein traf zum 1:0 — etwas glücklich, da sein Flachschuss vom linken Innenpfosten über die Linie rollte, dennoch absolut verdient. Mehr aber erreichten die Quecken nicht mit ihrer Überlegenheit. Damit haderte auch Thomas Dotterweich: „Wir müssen das 2:0 und das 3:0 machen.“ Der FSV fand offensiv kaum statt. „Ich hatte drei oder vier Ballkontakte“, monierte Oliver Seybold. Das 0:1 war schmeichelhaft für die Gäste. „In der ersten Halbzeit müssen wir eigentlich tot sein“, sagte Normann Wagner, der Brucker Trainer. „Nach dem Gegentor waren wir geschockt.“ Nutzen konnten es die Quecken nicht. „Wahrscheinlich waren wir in der ersten Halbzeit zu überlegen, dann dachten alle, wir fahren das locker heim“, meinte SCE-Coach Bernd Eigner.

Derby-Stimmung suchte man lange vergebens. Zu eindeutig schien die Angelegenheit. Widerworte gab es zunächst nur von der Seitenlinie, nachdem Keeper Tugay Akbakla mit einem Abschlag ins Aus die Brucker Bank erwischt hatte. Dort saßen ungewöhnlich viele Fußballer in Jeanshosen, neben Bastian Lunz waren unter anderem auch Labeat Ferizi, die beiden Rotgesperrten Adem Selmani und Jan Sperber sowie Vignon Amegan dabei — ohne wirklich helfen zu können. Ferizi stand aus „disziplinarischen Gründen“, wie Normann Wagner sagte, nicht auf dem Feld. Daneben aber litt der Angreifer genauso mit. Außerdem engagierte er sich höchst konsequent darin, die Winterjacken durch eigene Körperwärme anzuheizen und sie dann den ausgewechselten Spielern zu übergeben.

Nach dem Seitenwechsel zeigte Eltersdorf nur noch das Nötigste. Es fehlte an Lauffreude und Schnelligkeit. Die Brucker hingegen kamen wacher aus der Kabine. Und das zahlte sich aus. Das 1:1 durch Oliver Seybold bejubelten sie, als wäre es das Tor zum Klassenverbleib, auch alle Jeanshosen- Träger waren von der Bank aufgesprungen. „Wir haben noch einmal unsere Teamgeist herausgelassen“, sagte der Torschütze. „Wenn wir die Konter noch konsequenter ausspielen, drehen wir vielleicht sogar noch das Spiel.“ Die Brucker glaubten nach dem Ausgleich wieder an sich, sie glaubten sogar an den Sieg.

Kurz vor einem Freistoß in der Schlussphase diktierte Normann Wagner: „Jetzt notieren, 2:1.“ Es war möglich. Brandon Lala hatte die Chance, scheiterte aber an Akbakla. Dennoch: „Der Punkt war enorm wichtig für uns“, sagte Oliver Seybold. „Ein Sieg wäre besser gewesen, doch wir wissen um die Stärke der Eltersdorfer.“ Trainer Normann Wagner war zufrieden. „Wir waren körperlich top, der Gegner gab nicht sein letztes Hemd, das merkt man als Spieler auch.“ Das Unentschieden sei verdient. „Es war das richtige Zeichen nach dem Vach-Spiel (0:2, d. Red.). Wir leben noch, wir sind nicht am Boden.“ Die Eltersdorfer hingegen haben mit ihrer Derby-Leistung ein falsches Signal ausgesandt. „Mich enttäuscht die Körpersprache nach dem 1:1“, sagte Bernd Eigner. „Die Köpfe waren unten. Da muss ich mehr von unseren Spielern erwarten.“ Zur Strafe strich der SCE-Coach seinen Fußballern das freie Wochenende, bereits am Samstag trafen sich die Spieler wieder — zum Lauftraining.

„Für mich“, sagte Thomas Dotterweich noch, „ist es ein Derby, man will immer alles reinhauen. Das habe ich beim ein oder anderen vermisst.“ Dementsprechend, meinte der Kapitän, „ist keiner heiß aufs Derby. Früher war das nicht so.“ Mehr Ehrgeiz, das sagte auch Oliver Seybold, sei früher dabei gewesen. Seine Mannschaft aber hatte auch diesmal hart gekämpft. Beim SC Eltersdorf konnte man das nicht bei jedem Spieler sehen.

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