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Derby 2.0 am Deininger Weg

Vorschau Bayernliga Nord 30. Spieltag

Der Spieltag startet mit dem Derby zwischen Neumarkt und Seligenporten, anschließend geht's dann auf anderen Plätzen weiter mit Kellerkampf: Bruck muss nach Ammerthal, Forchheim nach Aubstadt. Der ATSV Erlangen bekommt es mit der SpVgg Ansbach zu tun.

Im Hinspiel gab es keinen Sieger zwischen Neumarkt und Seligenporten.

 / © Zink

Im Hinspiel haben ASV Neumarkt und SV Seligenporten ihren Fans bei feucht-fröhlichem Wetter ein trockenes 0:0 serviert. Das soll diesmal anders werden, nicht nur wegen der sonnigen Aussichten. Auf der einen Seite steht der Gastgeber, der als Tabellenschlusslicht zum Punkten verdammt ist. Auf der anderen der SV Seligenporten auf Rang sechs, der im Grunde weder auf- noch absteigen kann. Auf dem Papier scheint die Favoritenrolle also klar verteilt. 

Das Hinspiel war ein feucht-fröhliches Vergnügen. Mehr aus Sicht des Wetters als aus Sicht der Spannung. Ein 0:0-Remis war nicht gerade ein Kracher. Was erwarten Sie diesmal?

Benedikt Thier: Wir erwarten einen Gast, der nach zwei Niederlagen alles dafür tun wird, drei Punkte aus Neumarkt mitzunehmen. Ich vermute, dass Seligenporten von Anfang an enormen Druck aufbauen will, um schnell ein Tor zu erzielen. Tabellarisch geht es zwar um nichts mehr für den SVS, doch gewinnen lassen werden Sie uns definitiv nicht. Vach und Abtswind haben es vorgemacht, wie man gegen so eine Truppe bestehen kann. Wir werden mit unserer etwas „älteren A-Jugend“ versuchen, den Zuschauern ein packendes Derby zu bieten. Am Ende des Tages wird der Wille, die Leidenschaft und die Entschlossenheit entscheidend sein, wer als Sieger vom Platz geht.

Hendrik Baumgart: Wir haben das Hinspiel klar dominiert, aber konnten selbst beste Chancen nicht verwerten, so dass es bis zum Schluss ein schweres Spiel war. Beide Mannschaften müssen nun erst recht gewinnen, es wird sicher kein Fußball-Leckerbissen, sondern ein Kampfspiel.

Der ASV Neumarkt ist das Tabellenschlusslicht, der SV Seligenporten steht auf Rang sechs, mit jüngst zwei Niederlagen in Folge. Ist die Favoritenrolle klar verteilt?

Thier: Für uns ist Seligenporten klar der Favorit. Alleine die Erfahrung von einigen SVS-Spielern, die zum Beispiel schon Regionalliga gespielt haben, ist enorm, davon können wir aktuell nur träumen. Wir haben am Samstag insgesamt sechs Spieler vom Jahrgang 2000 im Kader. Die Jungs sind fußballerisch Riesentalente, wir bauen auf sie und trauen ihnen natürlich auch einiges zu. Und wie es so schön heißt: Im Derby gelten oft andere Gesetze. Wir hoffen, dass das auch am Samstag zutrifft.

Baumgart: Die letzten Ergebnisse in der Liga zeigen, dass alle unteren Mannschaften auffällig punkten. Aktuell ist das Spiel ein 50:50-Match.

Wie groß wiegt der Heimvorteil für den ASV?

Thier: Natürlich spielen wir zu Hause deutlich lieber und haben dort auch deutlich mehr Punkte geholt als auswärts. Die Jungs fühlen sich hier schon deutlich wohler.

Baumgart: Das sollte keine Rolle spielen, zumal auch einige Fans aus Seligenporten sich auf den Weg nach Neumarkt machen werden. Das freut uns als Mannschaft natürlich besonders.

Wie ist die Personalsituation? Steht am Samstag eine Derby-taugliche Mannschaft auf dem Platz?

Thier: Derbytauglich ist jeder, der die Einstellung hat, 90 Minuten zu kämpfen, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen. Aktuell haben wir nur zehn fitte Feldspieler aus dem eigenen Kader und dazu werden vier U19-Spieler mit auf der Bank sitzen. Auch die letzten zwei Trainingswochen hatten wir nur meist zehn bis elf Feldspieler im Training. Konkurrenzkampf herrscht deshalb intern nicht, aber die Jungs geben immer alles und lassen den Kopf nicht hängen.

Baumgart: Die steht auf dem Platz, auch wenn wir weiterhin auf feste Größen verzichten müssen, was man unserem Spiel einfach anmerkt.

Ihre Einschätzung: Dürfen sich die Fans auch kommende Saison auf ein Derby zwischen Neumarkt und Seligenporten freuen?

Thier: Wir hoffen es natürlich sehr, auch wenn wir wissen, dass es brutal schwer wird. Solange ein Relegationsplatz möglich ist, geben wir nicht auf und tun alles dafür.

Baumgart: Über die Relegation besteht mit ein wenig Losglück eine sehr gute Chance für den ASV Neumarkt. Ich denke, ein weiteres Derby im kommenden Jahr würde der Liga gut tun.

Nachdem der erhoffte Befreiungsschlag auch zu Hause im Derby gegen den ATSV Erlangen (1:1) ausblieb und der Rückstand auf den direkten Klassenverbleib bei neun Zählern festhängt, erreichte die Ernüchterung über eine missratene Spielzeit einen neuen Höhepunkt. „Ganz ehrlich — das Unentschieden hat sich schon eher wie eine Niederlage angefühlt. Man muss jetzt kein Fußballexperte sein, um zu sehen, dass uns die Relegation nicht erspart bleiben wird. Jetzt gilt es, so viele Punkte wie möglich zu sammeln, um sich vom letzten Tabellenplatz abzusetzen“, fasst Jahn-Kapitän Patrick Hagen die Situation zusammen. Dabei stimmt den 26-Jährigen, der die zusätzlichen Partien aufgrund der eigenen Hochzeit samt Flitterwochen verpassen und ab Sommer als Spielertrainer beim Kreisligisten SV Langensendelbach einsteigen wird, der ungebrochene Zusammenhalt der Gruppe zuversichtlich. „Wir müssen auch weiter positiv bleiben.“ Am ganz großen taktischen oder spielerischen Rad können sie zu diesem Zeitpunkt schließlich kaum mehr drehen, müssen sich schon seit Jahresbeginn vor allem in der Defensive auf Fehlervermeidung ausrichten und über Lauffreude die eine oder andere Torchance erarbeiten. Das offensive Potenzial von 47 Treffern übertrifft ja immerhin auf dem Papier die halbe Liga. Allein gegen Sand reichte das zum einzigen Dreier in 2019, während bei der Pleite in Vach mehr Verunsicherung und Ungläubigkeit statt Entschlossenheit zu spüren war. Nun dürfen sich die Jahn-Kicker zum Auftakt in eine zweiwöchige Belastungsphase mit zwei Nachholspielen unter der Woche einmal wieder in der Rolle des absoluten Außenseiters versuchen. Vor dem Gastspiel beim Tabellenzweiten aus dem unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld erklärt Patrick Hagen: „Aubstadt ist meiner Meinung nach die beste Mannschaft der Liga und verfügt über sehr starke Spieler — vor allem in der Offensive. Doch genau weil jeder damit rechnet, dass wir in Aubstadt untergehen, können wir ganz befreit aufspielen.“ In der Hinrunde, als der Jahn einen zarten herbstlichen Aufwind erwischte, unterlag Forchheim zu Hause im Rahmen seiner Möglichkeiten 0:2. Aubstadt lehrte der gesamten Konkurrenz das Fürchten und katapultierte sich in der Folge mit sieben Siegen am Stück an die Spitze, zeigt sich aktuell jedoch nach zwei Patzern — der FSV Bruck ergatterte unter anderem ein Remis — nicht in Bestform. Auch hier täte ein Befreiungsschlag Not. gu

Der FSV Erlangen-Bruck trifft am Samstag (15:00 Uhr) auf die DJK Ammerthal - und beide Teams dürften mit unterschiedlichen Stimmungslagen in die Partie gehen. Die 13. Saisonniederlage setzte es am letzten Spieltag für die DJK Ammerthal gegen den FC Würzburger Kickers II. Gegen den TSV Aubstadt sprang derweil für den FSV Erlangen-Bruck eine überraschende Punkteteilung heraus (1:1). Die passable Form des Gastes belegen acht Zähler aus den letzten fünf Begegnungen - es besteht Brucker Hoffnung also, die Relegation noch zu umgehen. Im Hinspiel hatte die DJK die Nase vorn und verbuchte einen 3:2-Sieg.

Noch kein Sieg im Jahr 2019 bringen den ATSV Erlangen nicht dazu, jetzt verrückt zu werden. Trainer Shqipran Skeraj sitzt fest im Sattel, wie Abteilungsleiter Jörg Markert unlängst unterstrich: "Der Trainer macht einen super Job, sein Posten bleibt definitiv unangetastet." Skeraj selbst war beim 1:1 gegen Forchheim nicht unzufrieden mit seinen Schützlingen, macht aber folgendes Defizit aus: "Sobald wir unbedingt gewinnen müssen, streikt bei uns der Kopf. Mit dem Druck kann die Mannschaft derzeit wohl nicht umgehen. Es schwingt in vielen Situationen ein Gedanke zu viel mit."  In der Tabelle rutscht der Aufsteiger den Abstiegsplätzen entgegen. Vach, das am Donnerstag in Eltersdorf gewann, hat nur noch drei Punkte Rückstand. Damit es wieder mehr werden, braucht der ATSV an Ostersamstag (16 Uhr) einen Sieg gegen die Spielvereinigung Ansbach. Die hat mit 60 Gegentoren mit die meisten der Liga, nur die Keller-Teams aus Vach, Forchheim und Neumarkt haben mehr kassiert. Gut für die Erlanger, bei denen es zuletzt im Angriff haperte. Extra Torschuss-Übungen gab es dennoch nicht. „Daran liegt es nicht“, sagt Trainer Skeraj, „die Jungs brauchen einen klaren Kopf. Wenn du unten drin stehst, machst du die Dinger eben nicht.“ Das Team soll weiter „Fußball spielen, dann kommt auch der Spaß wieder“. Denn „Wille, Laufbereitschaft und auch Chancen“ hat der Coach bei seiner Mannschaft zuletzt schon gesehen. Wenig Gedanken macht sich derweil die Mannschaft der SpVgg Ansbach um den Trainerwechsel im Sommer. Seit bekannt wurde, dass ab kommender Saison Robert Kovacic anstatt Duane-Carl Collins an der Seitenlinie steht, haben die Residenzstädter sowohl beim Würzburger FV (1:0) als auch gegen Bayern Hof (2:1) gewonnen. Die Maßnahmen von Collins und seinem Kompagnon Marco Schülein fruchten. Sah auch Schülein nach dem Sieg gegen Hof so, wie er der Fränkischen Landeszeitung - angesprochen auf taktische Umstellungen in der Halbzeitpause - in den Block diktierte: "Es ist schön zu sehen, wenn eine taktische Maßnahme so schnell zum Erfolg führt." ton/stw

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