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Der ATSV Erlangen ist erlöst

Nach dem 4:1-Sieg gegen Vach

In einem packenden Saisonfinale hat der ATSV den ASV Vach mit 4:1 niedergerungen. Damit feiert das Team von Trainer Shqipran Skeraj den Klassenverbleib in der Bayernliga. Die riesengroße Party aber blieb aus. Stattdessen gab es jubelnde St.-Pauli-Fans, Akrobatik und Abschiedstränen.

Irgendwo da drin ist der Torschütze.

 / © Zink / MeZi

Das Vorspiel

Mehr geht nicht am letzten Spieltag. Die einen euphorisch, zu Weihnachten noch abgeschlagener Letzter, dann aber mit sechs Siegen im neuen Jahr bis zum oberen Rand der Abstiegszone geklettert. Die anderen am Boden, nach nur einem Dreier seit Mitte November. Am 18. Spieltag war der ATSV Erlangen Neunter. Das Saisonziel, ein einstelliger Tabellenplatz, schien greifbar. In der Rückrunde aber regelmäßig ausgekontert, vermöbelt oder einfach an der eigenen Abschlussschwäche gescheitert, rutschten die Erlanger immer tiefer in den Keller. Mit einem hohen Sieg hätte Vach direkt die Klasse halten und den ATSV in die Relegation schicken können. Die Erlanger hätten dann alles verspielt. Entsprechend angespannt begannen die Hausherren am Samstag die Partie.

Der Fanclub

Auf Vacher Seite fehlte zwar Rico Röder, der im Winter angesichts der aussichtslosen Lage für den letzten Spieltag einen Urlaub gebucht hatte, um dann für die Relegation wieder zurück zu sein. Doch auch ohne den Top-Torjäger war der ASV an der Paul-Gossen-Straße zu Beginn das aktivere Team. Nach einem Angriff über rechts vollstreckte Michael Gambel zum 1:0. „Wir wollten defensiv stehen in der ersten Halbzeit“, sagt ATSV-Trainer Shqipran Skeraj. „Beim Gegentor haben sie uns auf dem falschen Fuß erwischt. Danach waren die Jungs so still.“ Es drohte das Zitterspiel, die Abstiegsrelegation. „Nach dem 0:1 waren wir traurig“, sagt Ahment Kulabas. Viele der 310 Zuschauer machten sich nun ernsthaft Sorgen um ihren ATSV. Andere nutzten das Spiel einfach für eine gute Zeit am Fußballplatz. Ein Fanclub des FC St. Pauli war zum Bayernliga-Spiel gekommen. In der Sonne genossen die Hamburger fränkisches Bier, in der Halbzeitpause und während der Pressekonferenz nach dem Abpfiff besangen die Mitglieder des „Unter Linden FC St. Pauli Fanclub v. 2006“ süffisant den HSV. Schon am Freitag waren sie für die Zweitliga-Partie bei der Spielvereinigung Greuther Fürth angereist, traditionell, wie sie erklärten, gehöre zur letzten Auswärtsfahrt der Saison der Besuch bei einem Amateurfußball-Klub. Diesmal also Erlangen.

Das Abschiedstor

So gab es auch für Ahment Kulabas’ Abschiedstor eine würdige Kulisse. Das Tor an sich hingegen war einfach nur Glück. Der 31-jährige Angreifer sorgte mit einem abgefälschten Freistoß für den Ausgleich. „Es war das erste Mal in dieser Saison, dass wir ein Glückstor geschossen haben“, sagt Skeraj. Und meint damit auch: Dass sein Team so lange im Abstiegskampf steckte, war mindestens zu einem Teil schlichtweg Pech. Im letzten Saisonspiel aber erarbeiteten sich die Erlanger das Glück. In der zweiten Halbzeit stand Rene Vargas goldrichtig und drückte die Kugel aus drei Metern zum 2:1 über die Linie. „So kam das Selbstvertrauen zurück“, sagt Ferdinand List. Doch auch die Nickeligkeiten nahmen zu. In Minute 72 behinderte Christopher Uwadia die Erlanger bei einem Freistoß, dafür gab es für ihn die zweite Gelbe Karte. Der Verteidiger stapfte wütend vom Feld. Vach musste in Unterzahl spielen. „Das“, meint List, „spielte uns in die Karten.“

Der Salto

Kulabas ließ kurz darauf die Chance zum 3:1 liegen. Der gerade eingewechselte Ferdinand List machte es in der 81. Minute besser. Danach rannte er Richtung Eckfahne, schlug ein Rad und sogar einen Salto, alles, was die alten Fußballerknochen hergaben. Niemand zweifelte mehr am Sieg. In der Nachspielzeit erhöhte Ismail Yüce noch auf 4:1. Vach war geschlagen. Auf Erlanger Seite also hätte nach Schlusspfiff großer Jubel ausbrechen können. Doch die Stimmung blieb verhalten, alle klatschten sich ab, die Anspannung entwich nur langsam dem dampfenden Abstiegskampf- Kessel. Bald hatten alle Fußballer rote Sieger-Shirts an. „Ein geiles Team“ stand nun auf ihren Rücken. Auf die sonst im Frühsommer so obligatorische Bierdusche aber wartete man vergebens. Nur Sebastian Marx verspritzte einen halben Liter Bier über dem Rasen, Bless Fiebig trug zwei Gläser Colaweizen herum. „Es war einfach nur Erleichterung“, sagt Kulabas. Wenn auch nicht für alle sofort sichtbar, „die Emotionen waren bei jedem Spieler da.“ Auch bei ihm natürlich.

Für den Stürmer war es das letzte Spiel im ATSV-Trikot, nun wechselt er zur SG Quelle Fürth. „Deswegen konnte ich mich nicht so richtig freuen, ich war ein bisschen traurig. Beim Schlusspfiff sind mir die Tränen gekommen, doch ich habe sie zurückgehalten.“ Dreieinhalb Jahre war Kulabas Teil des Vereins, zwei Aufstiege hat er mitgefeiert. „Ich habe alles für den Verein gegeben und meine Erfahrung mit den jungen Spielern geteilt“, sagt er. „Jetzt ist die Zeit gekommen, etwas Neues zu machen.“ Auch wegen der kürzeren Fahrt zum Sportplatz, Kulabas wohnt in Schwabach. „Ich habe einen kleinen Sohn, den sehe ich, wenn überhaupt, nur am Wochenende. Meine Frau ist ein schwanger. Ich möchte mehr auf die Familie schauen.“

Die Zukunft

Für Ferdinand List beginnt in der kommenden Saison ebenfalls ein neues Kapitel. Der 30-Jährige wird spielender Co-Trainer. „Der Schritt fühlt sich richtig an. Ich hoffe, dass ich meine Erfahrung weitergeben kann. Wir haben viele junge Spieler, die schon viel Qualität mitbringen“, sagt List. „Irgendwann muss ein Wechsel kommen.“ Auch wenn das für einen erfahrenen Spieler nicht leicht sei. „Objektiv betrachtet kann man sich selbst eingestehen, dass die jungen nachkommen. Die werden stärker und wir bauen ab“, auch, wie Kulabas anfügt, „wenn es uns wehtut“. Ferdinand List weiß: „Die Mannschaft wird sich verjüngen.“ Dazu kommen starke Spieler wie die beiden Eltersdorfer Bastian Herzner und Sebastian Lindner. Das alleine aber sei keine Garantie für eine entspanntere, bessere neue Runde. „Es muss funktionieren“, auch innerhalb des Teams, sagt List. „Taktisch müssen wir viel arbeiten, damit auch die jungen Spieler die Mannschaft mit führen können.“ Cheftrainer bleibt Shqipran Skeraj, der nach Jahren des Erfolgs seine erste schwere Saison als Coach erlebt hat. Das nagt natürlich an ihm. „Ich bin noch ein junger Trainer“, sagt der 33-Jährige, „und muss auch diese Erfahrung sammeln. Man kann nicht erwarten, immer oben mitzuspielen. Es war eine harte Saison, auch mental.“ Vor allem in der Rückrunde will sich der ATSV verbessern. An diesem Samstag aber war das alle kein Thema mehr. „Die Nacht wird sehr lange“, versprach Ahmet Kulabas nach dem Abpfiff noch, und klang dabei sogar ein bisschen euphorisch.

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