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Mintal: "Jungs sollen sich etablieren und entwickeln im Männerbereich"

Regionalliga

In der U21 des 1. FC Nürnberg wollen sich die Spieler für höhere Aufgaben bewerben, auch für den Trainer und Vereinslegende Marek Mintal ist es der nächste Karriereschritt.

„Die Spieler sollen zielstrebig und flexibel sein“, sagt Marek Mintal über die Herangehensweise.

 / © Sportfoto Zink

Philipp Wollscheid, Marvin Plattenhardt, Timothy Chandler, Patrick Erras, Lukas Mühl, Dennis Lippert, Abdelhamid Sabiri, Eduard Löwen, Simon Rhein. Diese unvollständige Liste derer, die über die zweite Mannschaft des 1. FC Nürnberg zum Profi wurden, kann durchaus als beeindruckend bezeichnet werden. Seit Samstag läuft die Saison für den „kleinen Club“ wieder und neben der Frage, wer als Nächstes zu den Profis aufrückt, steht vor allem einer im Vordergrund: Trainer Marek Mintal.

Der Bundesligatorschützenkönig von 2005 übernimmt erstmals in seiner Trainerkarriere die Verantwortung für eine Mannschaft im Seniorenbereich, auch wenn die Seniorität des Kaders mit einem Durchschnittsalter von 19,3 Jahren doch sehr begrenzt ist. Dennoch sieht Mintal eine Umstellung im Vergleich zu seinen bisherigen Chefposten bei der U16 und U17: „Das ist schon anders. In der Jugend spielt man gegen Gleichaltrige und Kumpels. Im Männerbereich spielen 18-Jährige gegen 30-Jährige. Man trifft dort auch auf Mannschaften, die fußballerisch oder körperlich besser sind als man selbst.“ Da ist es für Mintals Arbeit sicherlich von Vorteil, dass Ergebnisse nur zweitrangig sind. Obwohl der Meister der Regionalliga Bayern in dieser Saison direkt aufsteigt und der FCN II in den vergangenen Spielzeiten stets vorne mitspielte, besteht auch derzeit weiterhin kein Plan, in die Dritte Liga vorzustoßen. Zu viel finanzieller Aufwand und zu wenig sportlicher Ertrag für die Spieler sei dies, heißt es aus dem Verein.

Fehler machen bleibt erlaubt

Gestartet ist die U21, der Mintal „Charakter, positive Energie und fußballerische Qualität auf dem Platz“ attestiert, am Samstag mit einem Sieg beim VfR Garching. Drei Tore binnen zehn Minuten sorgten für das 3:1 in Oberbayern. Aufgestellt hatte Mintal seine Mannen im 4-2-3-1, das soll aber kein Dogma für die nächsten Spiele sein: „Wir haben zwar die ganze Vorbereitung in dieser Formation absolviert, aber man kann nicht sagen, dass das jetzt das feste System ist. Die Spieler sollen zielstrebig und flexibel sein. Sie sollen sich an Gegner, Tag und Moment anpassen. Sie sollen nicht nur wissen, wie sie auf einer bestimmten Position zu spielen haben.“ Zentral in der Herangehensweise von Mintal bleibt das, was sein Vor-Vorgänger Reiner Geyer mit „Entwicklung ist unser wichtigstes Ziel“ beschrieben hat: „Die Jungs sollen sich so schnell wie möglich etablieren und entwickeln im Männerbereich. Sie sollen aber auch genießen, was sie machen. Sie dürfen Fehler machen und sollen dann aber aus diesen lernen. Gleichzeitig sollen sie aber auch das verbessern, was sie schon können.“ Die Spieler sollen ans Profigeschäft herangeführt und in ihrer Ausbildung so gestärkt werden, dass sie ihren Weg auch dann gehen, wenn er beim 1. FC Nürnberg zu Ende ist. Spieler wie Michael Ngadeu Ngadjui (Slavia Prag), Besar Halimi (Bröndby) oder Jonas Carls (Schalke 04) zeigen, dass die Ausbildung beim Club sich auch lohnt, wenn man hier nicht Profi wird.

Dennoch bleibt natürlich für alle im Kader das Ziel zunächst einmal der direkte Aufstieg zu den Profis. Mit Fabian Nürnberger, Jakov Medic und Dominik Steczyk haben dies in der Sommerpause auch gleich drei Spieler geschafft. Medic (Wehen Wiesbaden) und Steczyk (Piast Gilwice) wurden jedoch gleich zu anderen Vereinen weiterverliehen, nur Nürnberger durfte zu Damir Canadis Profis vorstoßen. Im Trainingslager jener Profis waren mit Torwart Jonas Wendlinger, Verteidiger Ekin Celebi und Angreifer Paul-Philipp Besong drei Spieler dabei, die in der U21 zum Einsatz kommen sollen. Alle besitzen bereits einen Lizenzspielervertrag, naheliegenderweise zählen sie auch zu denjenigen, denen man am Valznerweiher am schnellsten den Sprung in die erste Mannschaft zutraut.

Dass die drei das erste Saisonspiel und große Teile der Vorbereitung mit ihrer eigentlichen Mannschaft verpasst haben, ficht Mintal dabei nicht an: „Wenn drei Spieler bei den Profis trainieren, ist das ein positives Zeichen für die Jungs, weil sie spüren, dass man in der U21 die Chance hat, nach oben zu kommen. Dass Spieler fehlen, gehört zum Los einer zweiten Mannschaft, das muss man im Fußball akzeptieren.“ Die anderen im Kader machten dies auch ohne Hilfe der drei „Profis“ in Garching phasenweise schon sehr gut. Schließlich standen auch dort einige auf dem Platz, denen man den Sprung zutrauen kann: Innenverteidiger Tobias Kraulich, der auch Teile der Vorbereitung bei den Profis absolvierte, unter anderem die Tests in Bayreuth und gegen Basel. Außenstürmer Emre Aslan, der mit der Jugend von RB Leipzig U19-Champions League spielte. Die beiden zentralen Mittelfeldspieler Philipp Harlaß und Robin Heußer, die in ihre dritte Spielzeit beim FCN II gehen.

Weitere Lehrgänge in der Slowakei

Nicht alle werden den Sprung schaffen, dazu gehört immer auch eine Portion Glück – oder Pech bei einem Spieler im Profikader – doch durch die Erweiterung der Anzahl der Ersatzspieler durch die DFL von sieben auf neun dürften zumindest öfter Nachwuchsspieler im Profikader stehen. Dann werden diese Spieler natürlich Marek Mintal fehlen.

Mintal selbst wird aber auch ab und zu fehlen, zumindest auf dem Trainingsplatz. Er wird in der Slowakei weiter an den Lehrgängen zum Fußballlehrer teilnehmen. Dann vertritt ihn Ahmet Koc auf dem Trainingsplatz. Den 43-Jährigen hat Mintal persönlich ausgewählt. „Wir passen menschlich gut zusammen. Wir reden immer ehrlich und offen miteinander. Ich kann ihm komplett vertrauen.“ Bei den Spielen steht Mintal aber stets an der Seitenlinie. Erstmals am Samstag daheim um 14 Uhr gegen den FC Memmingen. Mintal und der ganze Verein hoffen, dass dort dann auch der nächste Löwen oder Wollscheid spielt.

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