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SV Schwaig: Wie ein großes Puzzle

Nach dem 0:2 über Herzogenaurach

Für den SV Schwaig ist in der Landesliga vieles neu. Das 0:2 gegen Herzogenaurach zeigt der Mannschaft, dass sie noch viel lernen muss, um dauerhaft bestehen zu können. Der Trainer setzt dabei vor allem auf einen Faktor.

„Wir können uns entwickeln“: Der SV Schwaig (in Gelb) hatte gegen den FC Herzogenaurach das Nachsehen. 

 / © Jürgen Petzoldt

Der Gegentreffer, der sie zusammenbrechen lässt, fällt im Moment der größten Hoffnung. 15 Minuten lang ist der SV Schwaig angelaufen, hat gepasst, geflankt, gehofft. Auf diesen einen Ball, der vielleicht durchrutscht. Auf das Tor, das den Punkt doch noch sichert. Doch stattdessen landet der Ball auf der anderen Seite beim Herzogenauracher Eric Stübing. Der ehemalige U19-Nationalspieler dribbelt und dribbelt und dribbelt. Er denkt gar nicht daran zu passen, zu flanken oder zu hoffen, sondern knallt die Kugel aus 20 Metern in die Maschen: 0:2.

Im Moment der besiegelten Niederlage steht Helmut Rahner auf dem Rasen, während die beiden Mannschaften bereits den Platz verlassen, die eine mit Grinsen im Gesicht, die andere mit hängendem Kopf. Und während der Trainer des SV Schwaig über diese Partie so nachdenkt, kommt er immer wieder auf diesen Stübing-Gegentreffer zurück. „Das ist eben Qualität, das müssen wir einfach anerkennen“, sagt Rahner. „Solche Traumtore werden wir dieses Jahr noch öfters sehen. Das läuft alles wie erwartet.“

In der Entdeckungsphase

Für den SV Schwaig ist es derzeit keine einfache Situation, weil jahrelange Routinen aus der Bezirksliga-Zeit plötzlich nicht mehr funktionieren. Sie müssen neu ausgerichtet werden. Nur das braucht Zeit. Und Zeit haben Aufsteiger im Englische-Wochen-Rhythmus meist am allerwenigsten. Als klassischer Aufsteiger, wie Rahner seine Mannschaft nennt, kämpft der Verein von Beginn an um den Klassenerhalt in einer Liga, die vielen Spielern unbekannt ist. Nach der 0:2-Auftaktpleite gegen den Ligafavoriten SC Feucht, gelang beim 1:0 gegen den ASV Vach der erste Landesliga- Sieg.

Dennoch befindet sich das Team immer noch in der Entdeckungsphase. Zwei Hauptfragen spielen bei praktisch jeder Schwaiger Landesliga-Partie mit: Wie gut sind wir wirklich? Und wie gut sind eigentlich die Gegner? Wie die Antworten darauf ausfallen und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen – das dürfte darüber entscheiden, ob Schwaig am Ende die Klasse hält oder nicht.

Die Begegnung gegen den FC Herzogenaurach sendet widersprüchliche Signale. Da ist die erste Hälfte, in der die Schwaiger viel hinterherlaufen. „Da hat man gemerkt, dass wir bereits am Mittwoch spielen mussten“, sagt Rahner. „Wir hätten mit 0:0 in die Pause kommen müssen.“ Stattdessen fällt das 0:1 durch Marco Amling. Da ist die zweite Hälfte, in der sich die Schwaiger gegen die Niederlage stemmen: „In der Drangphase hätten wir den Ausgleich machen müssen.“ Und da ist ein Team, dessen Feldspieler zur Hälfte Neuzugänge sind.

„Wir sind in dieser Form doch erst seit sechs Wochen zusammen“, erklärt der Schwaiger Trainer. Und tatsächlich: Seine Mannschaft wirkt an diesem Tag vor allem in der Offensive wie ein Puzzle. Alle Teile sind da. Aber noch sind sie unsortiert. Noch muss sie jemand zusammensetzen, damit das große Ganze sichtbar wird. „Ich muss noch den richtigen Mix finden“, erklärt Rahner. „Ich muss hier unterschiedliche Fähigkeiten zusammenbekommen.“ Bis dahin setzt der Trainer vor allem auf den Lernprozess. Jedes Landesliga- Spiel sieht er als eine Möglichkeit, sich an das neue Niveau anzupassen. Und gibt sich ganz als Lerntheoretiker: „Wir machen jede Woche unsere Erfahrungen“, erklärt Rahner. „Die Zweikampfführung, das Vollgas-Tempo, die zweiten Bälle – all das lernt man, wenn man ein Jahr auf Landesliga-Niveau spielt. Wir können uns entwickeln.“ Rahner ist sich sicher: Irgendwann dreht sich das, irgendwann sind die entscheidenden Prozente da, um Teams wie dem FC Herzogenaurach konstant Punkte abzuknöpfen.

Ein paar Erfolgserlebnisse braucht es zwischendurch trotzdem, damit das Team nicht zu früh den Anschluss und die Lust am Lernen verliert. Am kommenden Samstag wartet auf den SV Schwaig das noch punktlose Schlusslicht aus Großschwarzenlohe. Endlich wieder eine ganze Woche zur Vorbereitung – das gefällt Helmut Rahner. „Und wenn wir jedes zweite Spiel gewinnen, dann reicht das doch.“

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