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Lea Paulick: Jenseits des Rampenlichts

HEIMSPIEL

Lea Paulick ist der starke Rückhalt der Club-Frauen. Die 19-jährige Torhüterin braucht als Profifußballerin vom großen Geld nicht zu träumen, das Ziel ist trotzdem die Bundesliga. In Jena war sie schon nah dran. Doch ohne das Scheitern wäre sie nicht beim 1. FC Nürnberg.

Lea Paulick ist die Torhüterin des 1. FC Nürnbergin der Regionalliga. Angefangen mit Fußball hatte sie als Stürmerin.

 / © Daniel Mahr/Zink

Illusionen sind nicht ihr Ding. Lea Paulick (19), seit drei Jahren beim 1. FC Nürnberg Frauen- und Mädchenfußball im Regionalliga-Team unumstritten die Nummer eins und wichtiger Rückhalt, hat nicht nur mit Blick auf ihre sportliche Karriere großen Ehrgeiz und klare Vorstellungen. Platz drei mit den FCN-Frauen und die Bilanz von nur 1,15 Gegentoren pro Spiel und damit die wenigsten in den 26 Ligaspielen der Saison 2018/19 zwar wieder ein Schritt vorwärts. Wichtiger jedoch war ihr der gute Notendurchschnitt von 1,9 beim Abitur an der Bertolt Brecht Schule. Studium ist angesagt, zumindest vorerst in Nürnberg. Grundschullehrerin ist das Berufsziel, ein sicheres Standbein.

Denn die Realität im deutschen Frauenfußball ist ihr durchaus bewusst: „Das große Geld ist bei uns im Gegensatz zu den Männern nicht zu verdienen. Selbst in der Bundesliga kann bei den Frauen nur eine Minderheit vom Sport leben.“ Dass die Fußball-Leidenschaft dennoch längst weit mehr als ein Hobby geworden ist, das mit rund 15 Stunden intensivem Training auf durchaus professionellem Niveau wöchentlich einen Großteil der Freizeit beansprucht, ist dem Nachmach-Effekt geschuldet. Als Cousin Max in ihrer Heimatstadt Suhl im Verein dem Ball nachjagte, „da musste ich das unbedingt auch“.

Zuerst als Stürmerin bei den Jungs, aber schon bald stand Lea Paulick im Tor, „irgendwie durch Zufall“, aber offensichtlich mit Talent für diese besondere Position ausgestattet. 2012, also schon als 13-Jährige, wechselte sie zum USV Jena, besuchte vier Jahre das Sportinternat, stand in den U15-, U16- und U17-Nationalkadern; kam allerdings nur sporadisch zum Einsatz, „weil ich oft im ungünstigen Moment verletzt war“. Ein Manko, das sie im Rückblick nicht nur der hohen körperlichen Belastung, sondern mehr noch „dem großen Erfolgsdruck, den ich mir selbst gemacht habe“, zuschreibt. Und das letztlich die geplante Übernahme nach der U17-Bundesliga in den Kader des Jenaer der Frauen-Bundesligateams verhinderte. Das negative Erlebnis erwies sich als Positivum für die Clubfrauen — und letztlich auch für die Torhüterin.

Sie fand ein intaktes Umfeld mit leistungssportlichen Strukturen vor. Dank der Kooperation mit der Bertolt Brecht Schule, einer Eliteschule des Sports in Nürnberg, waren Ausbildung und Fußball gut zu verbinden; eine wichtige Voraussetzung für die Eltern, die die sportlichen Ambitionen ihrer Tochter generell und auch finanziell unterstützen. „Anders wäre es gar nicht machbar“, weiß diese. In Nürnberg ging es in der Folge für sie „viel entspannter“ zu. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Verletzungsanfälligkeit kein Thema mehr war, die Leistungskonstanz passte und Trainer Osman Cankaya ihre Präsenz im Tor „als wichtig für die eigene Entwicklung und die unserer jungen Spielerinnen“ einstuft. So war nach dem Abitur schnell klar, dass der nächste Schritt in ihrer Karriere trotz Angeboten von höherklassigen Vereinen zumindest in der Saison 2019/20 in der gewohnten Umgebung erfolgt; Option auf Vertragsverlängerung inbegriffen.

 „Ich sehe noch eine Menge Potenzial in unserem Kader“, macht Lea Paulick kein Hehl aus ihrem Ziel, sich möglichst schnell in der 2. oder gar in der 1. Bundesliga für einen Platz im Tor zu qualifizieren: „Am liebsten natürlich mit und beim 1. FCN…“ Zumindest was Liga zwei betrifft, mit einer punktuell verstärkten Mannschaft nicht abwegig, „denn da gehört der Verein hin. Und ich will meinen Anteil dazu beitragen, ihn dahin zu bringen.“

Ziel ist die Aufstiegs-Relegation, festlegen auf einen Tipp lässt sie sich allerdings nicht — angesichts starker Konkurrenten mit den beiden Zweitliga-Absteigern SV Weinberg und Hessen Wetzlar an der Spitze. Bundesliga eins jedoch scheint für den kleinen eigenständigen Verein, der vom namhaften Männer-Club keinerlei finanzielle Unterstützung erhält, derzeit weiter weg zu sein als ein WM-Titel für die Frauen-Nationalmannschaft. Zwar hat sie trotz Nach-Abitur-Stress etliche WM-Spiele am TV verfolgt, hat sich besonders über die Auftritte der Neu-Münchnerin Giulia Gwinn gefreut, stand sie mit ihr doch in den Nachwuchs-Nationalkadern. Die eigene Konzentration gilt jedoch dem Club, Gedanken an Länderspiele oder WM „sind für mich in der Regionalliga momentan unvorstellbar weit weg.“ Denn Illusionen sind ja nicht ihr Ding…

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