Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Mintal: "Lassen wir uns überraschen, wann, wer, wie viel"

Regionalliga

Beim 1:1 gegen Bayreuth beweist der 1. FC Nürnberg, dass er in der U21 viele Talente versammelt hat. Ob diese demnächst helfen können, den Verein in der 2. Bundesliga voranzubringen, bleibt aber abzuwarten.

Marek Mintal (Mitte) kümmert sich um die Club-U21 - was bedeutet, ab und an auch mal auf einen Profispieler zurückgreifen zu dürfen.

 / © Fengler

Die Schlussphase ließ sich auch Damir Canadi nicht entgehen. Dass der Cheftrainer des 1. FC Nürnberg an diesem Tag aber besonders aufnahmefähig war, durfte man nach den zurückliegenden Stunden eher bezweifeln. Am Freitagabend hatte er mit den Profis in Sandhausen einen ziemlich schrecklichen Abend erlebt, am Samstagvormittag musste er bei der Einweihung des neuen Fanshops in der Innenstadt ein weiteres Mal über diesen schrecklichen Abend reden, am frühen Nachmittag schaute er am Valznerweiher dann noch dem Nachwuchs beim Fußballspielen zu.

Falls er mit den Gedanken nicht noch bei der Analyse der Dienstreise am Vorabend war, dürfte die Partie der U 21 gegen die Spielvereinigung Bayreuth als Beruhigungstherapie gedient haben. Zwar kam die Mannschaft von Marek Mintal nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus und verlor in der Regionalliga Bayern den Anschluss an den Fürther Nachwuchs, der nach sieben Spieltagen die Liga anführt, dennoch war auf dem Platz so ziemlich alles zu sehen, was die Profis am Abend zuvor zwei Spielklassen weiter oben hatten vermissen lassen: Spielwitz, Geschwindigkeit, Genauigkeit, Leidenschaft.

Weil am Samstag beide Seiten diese Zutaten mit auf den Max-Morlock-Platz gebracht hatten, ging das Unentschieden in Ordnung und durfte Timo Rost, der Trainer der Gäste, in der anschließenden Pressekonferenz zu Recht ein bisschen Werbung für die Spielklasse machen. „Ich denke, dass wir heute wirklich ein Top-Top-Regionalligaspiel gesehen haben“, sagte der frühere Clubspieler. Mintal, immer noch Clublegende, wollte da nicht widersprechen: „Dafür spielen wir Fußball“, sagte er über abwechslungsreiche 90 Minuten, „die Zuschauer können zufrieden sein.“ Das konnten die knapp 500 Besucher tatsächlich sein, sofern sie sich nicht lieber mit sich selbst und den Unterschieden zwischen der Bayreuther und der Nürnberger „Oldschdod“ beschäftigten. „Tempo, Passspiel, Torchancen“ – so zählte Rost noch einmal die Vorzüge der Begegnung auf, bei der jede Mannschaft Werbung in eigener Sache betreiben durfte.

Die erste Halbzeit nutzten dafür vor allem die Gastgeber, bei denen Federico Palacios Spielpraxis sammeln durfte, wahlweise musste. „Es ist nicht einfach, wenn man von oben nach unten kommt“, sagte Mintal danach über den Gastspieler von den Profis: „Man hat nur eine Chance: Man muss Vorbild sein und zeigen, wo der Unterschied zwischen Amateur- und Profispielern liegt.“ Dass der Unterschied im Moment am Valznerweiher gar nicht so groß ist, wäre eine etwas leichtfertige Annahme, auch wenn die U21 im direkten Vergleich nun tatsächlich besser aussah. In der Vorbereitung hatten die Clubprofis in Bayreuth mit 1:2 verloren – allerdings mit arg schweren Beinen und dem Wissen, dass es nicht um Punkte geht.

Mit etwas mehr Konsequenz vor dem Tor der Spielvereinigung wäre für den Nachwuchs durchaus auch ein Sieg drin gewesen. Vor dem Seitenwechsel waren es immer wieder die pfeilschnellen Palacios und Philipp Harlass, die mit präzisen Pässen auf die Reise geschickt wurden, die dann aber einen Haken zu viel machten, die geblockt wurden oder denen im letzten Moment die Kraft fehlte. In der 50. Minute war dann gar keine Kraft mehr gefragt. Harlass musste nach einer erneut schönen Kombination und perfekter Hereingabe von Mike Scharwath den Ball nur noch über die Linie schieben.

„Zu passiv“ hatte Rost sein Team in der ersten Hälfte erlebt, spätestens das Gegentor rüttelte die Gäste wach. Anton Makarenko erzielte nur sechs Minuten später den Ausgleich, die junge Mannschaft von Mintal war nun ganz offensichtlich schwer verunsichert. Jonas Wendlinger hielt den kleinen Club mit einem tollen Reflex im Spiel, anschließend fingen sich seine Vorderleute wieder einigermaßen, auf beiden Seiten blieben viele Möglichkeiten ungenutzt.

Mintal bleibt zurückhaltend

Harlass, Wendlinger, Kapitän Robin Heußer, der im Mittelfeld mit Übersicht den Takt vorgab, Tobias Kraulich, der den abgeklärten Innenverteidiger gab oder Ekin Celebi, der auf seiner linken Seite sehr geschmeidig zwischen Abwehr und Angriff umschaltete – Werbung in eigener Sache hatten sie am Samstag allesamt machen können.

Ob sie dem Verein demnächst aber auch auf höchster Ebene helfen dürfen, ist eine andere Frage; eine Frage, die Mintal eher zurückhaltend beantwortet: In den kommenden Wochen werde sich zeigen, ob ein paar seiner Spieler in den nächsten Monaten „oben mitmachen“ dürfen. „Lassen wir uns überraschen, wann, wer, wie viel“, sagt der Trainer der zweiten Mannschaft. Damir Canadi ist im Moment ja ausreichend damit beschäftigt, erst einmal die vielen Neuzugänge zu integrieren und eine Mannschaft zu formen, die nach dem Abstieg aus der ersten nicht auch mit der zweiten Liga überfordert ist. Dass es da noch zusätzliche Impulse aus der U 21 braucht, ist eher unwahrscheinlich.

Mehr zum Thema