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Daniel Geißler: Komplikationen beim ganz großen Traum

Bayernliga Nord

Ex-Profi Daniel Geißler erzielt beim 2:4 gegen Ammerthal ein Tor, doch das ist ihm egal. Er will dem ATSV Erlangen helfen. Und vernünftig bleiben.

Daniel Geißler (im roten Trikot) traf gegen Ammerthal zwar zum zwischenzeitlichen 2:1. Für einen Sieg aber reichte es nicht. 

 / © Wolfgang Zink

Den schwierigsten Schritt hat Daniel Geißler hinter sich. Es war die Entscheidung gegen Fußball. Und für die Vernunft. Lange träumte der Angreifer von der großen Karriere. Er träumte nicht nur, er begann sie auch. Im Heimatland seiner Mutter probierte er sich als Profi, Geißler selbst hat auch die tschechische Staatsbürgerschaft. Es war also wie nach Hause kommen. Zumindest für eine gewisse Zeit.

„Als 16-Jähriger bin ich rüber nach Tschechien. Ich bin mit der Sprache aufgewachsen, habe viele Verwandte drüben.“ Beim Erstligisten FK Mlada Boleslav begann er in der Jugend. Zuerst wohnte er in einem Internat, dann in einer eigenen Wohnung. „Es war eine tolle Erfahrung, es hat mich weitergebracht, menschlich und fußballerisch.“ Sechs Jahre blieb Geißler in Tschechien.

Am Ende aber gab es „Komplikationen“, so nennt er es. „Ich war jung. Wenn es gut läuft, hebt man schnell ab.“ Plötzlich am Ziel zu sein, Profi-Fußballer zu sein, ist nicht leicht zu verarbeiten. Vielen jungen Spielern geht es so. „Mental ist das sehr, sehr schwer. Dann macht man Fehler.“ Und Daniel Geißler machte Fehler. Nicht nur einen und nicht nur in Tschechien.

Auch als er wieder in Deutschland war, zuerst beim ASV Fürth und dann beim ASV Vach. Schon in der Sommerpause 2018 war Bayernligist ATSV Erlangen an ihm interessiert. „Ich habe mich für Vach entschieden, doch dann gab es dort Komplikationen mit dem Trainer.“ Also wechselte er zu Jahresbeginn nach Erlangen. „Aufgrund von Verletzungen und Arbeit war es schwierig, reinzukommen.“ Mittlerweile ist Geißler 24 Jahre alt und kann alles ganz gut einschätzen. Den großen Traum hat er aufgegeben, stattdessen macht er eine Ausbildung bei der Polizei. „Ich hatte zuerst noch Angebote aus der Regionalliga, war in Amberg. Doch ich habe mich für die Ausbildung entschieden. Ich hatte es sechs Jahre mit Fußball probiert und es hat nicht geklappt.“ Das dann aufzugeben, „ist schwierig, wenn du im Profibereich gespielt hast“.

Wenn Fußball nicht an erster Stelle stehen kann, wie es eben ist, wenn man arbeitet, „tut das schon weh“. Sitzt man zum Beispiel auf der Bank, weil man nicht regelmäßig trainieren konnte, sei das nur „schwer zu akzeptieren“. Doch Geißler steht zu seiner Entscheidung, er würde „die Ausbildung nicht hinwerfen“.

Aktuell pendelt der Fußballer zwischen Fürth, wo er am Wochenende bei seinen Eltern wohnt, und seinem Ausbildungsstandort Bamberg. Ins Training nach Erlangen fährt er mit Bless Fiebig. Beim ATSV ist Geißler angekommen, die Knieprobleme sind ausgestanden, er geht ins letzte Halbjahr seiner Ausbildung. Zehn Einsätze hat der Stürmer in dieser Saison bereits, viermal hat er getroffen.

„Mir ist wichtig, dass ich der Mannschaft helfen kann, damit wir oben mitspielen.“ Wie viele Treffer er beisteuert, ist ihm egal. Sein Tor zum 2:1 am Samstag gegen die DJK Ammerthal war daher doppelt unwichtig. Am Ende reichte es auch nicht für den Sieg. Zwar gingen die Erlanger trotz Rückstand durch den Doppelschlag von Tarik Sormaz und eben Geißler in Führung, in der zweiten Halbzeit aber leistete sich der ATSV zu viele Fehler in der Abwehr.

„Wir haben den Gegner gut ausgekontert, in der zweiten Halbzeit haben sie besser gespielt“, meint der Angreifer. „Sie haben verdient die Tore gemacht.“ Trainer Shqipran Skeraj war entsprechend sauer. Er vermisste Leidenschaft bei seiner Mannschaft. „Wir kommen überragend zurück nach dem 0:1. In der zweiten Halbzeit fehlte die Bissigkeit.“ Seit vier Spielen warten die Erlanger schon auf einen Sieg. Dazu hat sich Sebastian Lindner am Oberschenkel verletzt. Die nächsten Schritte werden nicht einfacher beim ATSV.

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