Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Brucker Dreikönigsturnier: Alles an einem Tag

Dreikönigsturnier Bruck

Der ATSV Erlangen gewinnt das 28. Brucker Dreikönigsturnier. Das hatte wieder einmal alles: Überraschungen in der Vorrunde, packende K.o.-Duelle, strauchelnde Favoriten, rührselige Fans, viele Tore und fleißige Helfer, ohne die das alles nicht möglich wäre. Fünf Geschichten von einem fußballverrückten Tag.

Vater und Sohn: Fußball-Abteilungsleiter Jörg Markert (links oben) jubelt gemeinsam mit seinem Sohn Lucas (rechts daneben) und dem Wanderpokal. 

 / © Zink

Der Fluch ist besiegt

Sie hatten es versucht, natürlich, immer wieder. Doch alleine in den vergangenen vier Jahren war der ATSV Erlangen immer in der Zwischenrunde gescheitert. Diesmal aber, das war schnell klar, ließen sich die Bayernliga-Fußballer nicht aufhalten. Im Finale rangen sie die tapfer kämpfenden Tennenloher mit 3:2 nieder, Zoran Maksimovic und Hakim Graine per Doppelschlag sicherten den Pokal, den wenig später einer in die Höhe hob, der die Schmach der Vorjahre nur als Zuschauer erlebt hatte. Lucas Markert, gerade erst der A-Jugend entwachsen, in der Liga aber schon Leistungsträger, spielte tatsächlich sein erstes Dreikönigsturnier.

Und das, obwohl er eigentlich andere Dinge im Kopf haben könnte. In einer Woche darf das Erlanger Talent probeweise mit der Spielvereinigung Unterhaching ins Trainingslager, einige Einheiten hat der 19-Jährige schon beim Drittligisten absolviert. Es könnte der Sprung ins Profi-Geschäft sein. „Am Anfang konnte ich das gar nicht realisieren“, sagt Markert. „Jetzt bin ich mir dessen bewusst, ich muss alles geben.“ Er hätte seine Knochen gestern also auch auf der Tribüne schonen können, auf dem Plan stand eigentlich ein lockerer Lauf. „Aber es macht viel mehr Spaß hier mitzuspielen“, sagt Lucas Markert, dessen Papa Jörg Fußball-Abteilungsleiter beim ATSV ist und in der Emmy-Noether-Halle auf den Rängen mitgefiebert hat. „Es ist ein geiles Publikum, eine mega Kulisse“, sagt der Sohn. „Wir haben als Mannschaft überragend gespielt. Der Schlüssel war das Spiel gegen die Spieli. Davor haben wir nicht so gut gespielt.“ Tatsächlich ging der ATSV nur als Gruppenzweiter in die K.o.-Phase. „Doch ich habe schon Sonntag gesagt, dass wir das Turnier gewinnen“, meint Lucas Markert.

Es war der zweite Turniersieg nach 1997. Shqipran Skeraj hat ihn diesmal nur als Trainer erlebt, anders als sonst stand er nicht auf dem Feld. Dennoch ist der 34-Jährige zufrieden. „Nach der Vorrunde haben wir eine andere Leistung gezeigt. Im Großen und Ganzen war es verdient. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das Turnier gewinnen wollen.“ Diesmal hat es geklappt. Wenn auch mit Glück.

Futsal oder Fußball

Drin war der Ball, von der Latte knallte er deutlich ins Netz. Die Frage war nur: wann. In letzter Sekunde hatte Adem Selmani abgezogen, verzweifelt vor dem Ausscheiden im Halbfinale gegen den ATSV. Die fürchterliche Sirene, der Abpfiff, war da schon ertönt. Trotzdem erhitzte die Szene die Gemüter, die Spieler rannten auf den Schiedsrichter und die Zeitnehmer zu, kletterten auf die Tribüne, wüteten. Es war ein Moment voller Emotionen, es brodelte und kochte. Nur langsam schafften es Betreuer und Unparteiische, das Wirrwarr auf dem Feld aufzulösen.

Schlauer war dann immer noch keiner. Die Sirene war zwar ertönt. Doch gab es da nicht diese Regel wie beim Basketball, dass der Treffer noch zählte, solange der Schuss innerhalb der Zeit losging? Es war der wohl einzige Moment an diesem Tag, an dem sich die Gastgeber wünschten, ein Futsal-Turnier auszutragen. Denn hier hätte Selmanis Schuss gezählt. In den klassischen Hallenfußball- Regeln hingegen sieht das ganz anders aus: Tor ist, wenn der Ball innerhalb der Spielzeit im Tor ist. Und keine Millisekunde später.

Die Herren der Zeit

Die Zeit im Hallenfußball also ist entscheidend. Der Herr, der über die Zeit bestimmt, kann über Sieg oder Niederlage richten. Alles mit einem Tipp des Zeigefingers. Beim Dreikönigsturnier macht das Bernd Neudecker, der stellvertretende Vorsitzende des FSV. Als sein Verein im Halbfinale kurz vor dem Ausscheiden war, blieb er fair, es war schließlich eine ernste Sache. Ansonsten aber geht es am Tisch des Schiedsgerichts recht locker zu.

Neudecker kümmert sich um die Anzeige, die Uhr, Tore und Zeitstrafen. Er ist geprüfter Zeitnehmer, bringt also Fachkenntnis mit. Stefan Müller zählt Fouls für die Fair-Play-Wertung. Jörg Weber schreibt die Torschützen mit, macht die Durchsagen und — so wichtig — sorgt für die „letzte Musik“, die immer in den Schlussminuten eingespielt wird. Die wichtigsten Hits müssen nicht einmal bis zum Finale warten. „Es gibt Wiederholungen“, gibt Weber zu, nicht fehlen darf „We Are The Champions“ von Queen bei der Siegerehrung. „Bei den Spielen sind wir neutral“, sagt Weber. „Leichter ist es, wenn die Brucker ausgeschieden sind.“ Seit gut sieben Jahren sitzen die drei so am Dreikönigstag nebeneinander. Ehrenamtlich natürlich. Das Bier steht Ball-sicher unter dem Tisch. Zu Mittag gibt es ein Leberkäsbrötchen, frisch geliefert von einem Vereinskollegen. Aufstehen können sie schließlich nicht. Bei der Auslosung gibt es endlich die erste Pinkelpause. Weitere Aufgaben sind: die Smartphones der FSV-Fußballer behüten, Ergebnisse in Turnierhefte von Kindern nachtragen, Falschparker aufrufen. Sogar die Polizeikontrolle in der Nähe der Halle wird durchgesagt. Falls jemand doch ein Bier zu viel hatte.

Nur noch Torschützenkönig

Die Brucker Landesliga-Kicker drehten am Ende noch einmal auf, im Spiel um Platz drei ballerten sie sich den Halbfinal-Frust von der Seele. Allen voran Labeat Ferizi. In der letzten Partie schraubte er sein Tor-Konto auf zehn Treffer nach oben, niemand war diesmal auch nur annähernd so erfolgreich. Der 23-Jährige verteidigte damit die Torjäger-Kanone — als Vierter überhaupt in der Turniergeschichte.

Lieber aber wäre es ihm gewesen, seinem Team wäre das mit dem Titel auch gelungen. Nach dem ATSV-Spiel hatte Ferizi „eher gemischte Gefühle, Wut und Enttäuschung“. Wie der FSV ausgeschieden war, damit konnte sich der Angreifer nicht abfinden. „Wir hatten auch unsere Chancen.“ Die Torjäger-Kanone sei da nur ein „kleiner Trost“.

Überall Wechselspiele

Schon am Morgen waren die DJK-Fans mit ihren Bierkästen angerückt. Wie immer seit 2018 — seit die DJK eingeladen ist zum Turnier — hatte der Kreisligist viele fröhliche Anhänger dabei. Doch für die großen Überraschungen sorgten andere: Die SGS Erlangen und der FC Großdechsendorf. Sah man sich die Kicker an, erkannte man alte Bekannte. Wie zuvor im weinroten Spieli-Trikot ballerte sich Keeper Christian Manicki nun für die SGS durchs Turnier. Im Viertelfinale erzielte er zwei Tore, schoss dann allerdings im Neunmeterschießen den entscheidenden Versuch an den Pfosten.

So kam Großdechsendorf in die Runde der Top vier — allerdings mit einem doch sehr routinierten Kader aus Top-Fußballern. Ken Kishimoto zum Beispiel oder Thomas Roas standen im Aufgebot, beide vor gar nicht all zu langer Zeit noch in der Bayernliga aktiv, gegen Bezirksligist Tennenlohe im Halbfinale dennoch chancenlos. Und sogar kleine Heldentaten gab es. So trug Tim Basener von der Spieli einen am Knöchel verletzten Gegenspieler des Türk SV Erlangen auf Händen zurück zur Bank. Natürlich unter Szenenapplaus.

Mehr zum Thema

Bauernschmitt: "Man geht mit Stolz in die Halle"

Keine Veranstaltung hat mehr Tradition als das Brucker Dreikönigsturnier, Am Montag geht die inoffizielle Erlanger Stadtmeisterschaft in ihre nächste Runde. Zur Einstimmung: Ein Interview.