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Fabian Eberle: "Es wird immer schwerer, sich zu motivieren"

Regionalliga

Wie erlebt ein Fußballer die momentane Zwangspause? Toptorjäger Fabian Eberle über Lauftraining, fehlenden Anreiz ohne Spiele und viel Zeit für die Familie.

Fabian Eberle hofft darauf, dass er möglichst bald wieder mit seinen Jungs vom VfB Eichstätt in der Regionalliga Bayern spielen und jubeln kann.

 / © Sportfoto Zink

Verbandsfunktionäre, Vereinsvorstände, Spielleiter und Trainer: Viele von ihnen sind in den vergangenen Tagen zu Wort gekommen in der Diskussion darüber, wie es im Amateurfußball weitergehen könnte. Weniger gefragt war bislang die Sicht derjenigen, die sicher am meisten von der aktuellen Corona-Zwangspause betroffen sind, nämlich die Spieler. Das soll sich an dieser Stelle ändern, denn wir haben ein ausführliches Gespräch mit Fabian Eberle geführt. Der in Weißenburg lebende Torjäger des Regionalligisten VfB Eichstätt zählt zu den absoluten Topfußballern der Region und erklärt im Interview, wie er die derzeit schwierige Lage sieht, wie er damit umgeht und was das Ganze mit der kleinen Ida zu tun hat.

Herr Eberle, können Sie auf Anhieb noch den Tabellenstand des VfB Eichstätt sagen?

Puh, so genau eigentlich nicht! Ich denke, wir stehen auf Rang sechs, aber ich schaue mir momentan natürlich nicht jeden Tag die Tabelle an (lacht).

Der sechste Rang stimmt schon mal. Der VfB hat derzeit 36 Punkte, nach oben zum zweiten Rang fehlen acht Zähler, nach unten sind es 14 Punkte Polster auf Platz 15, sprich zur Relegation. In welche Richtung wird es für Sie und die Eichstätter gehen, wenn die Saison wiederaufgenommen wird?

Falls es weitergeht, wollen wir den Blick sicherlich nach oben richten, wobei es nicht unbedingt wieder der zweite Platz wie in der vergangenen Saison sein muss. Nach dem großen Umbruch im vergangenen Sommer haben wir bislang eine sehr gute Saison gespielt, wir haben viele Dinge weiterentwickelt und deshalb sollte es auch unser Ziel sein, weiter nach oben zu schauen.

Wie sehen Sie als Spieler die Entscheidungen und Diskussionen um Abbruch beziehungsweise Fortsetzung der Saison 2019/20?

Erst mal möchte ich derzeit nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken, denn eine absolut faire Lösung gibt es einfach nicht. Ich hätte die Saison eher abgebrochen und damit einen Cut gemacht.

Am ersten März-Wochenende waren Sie nach der Vorbereitung noch gegen Buchbach am Ball (2:2), dann wurde ab Mitte März der Spiel- und Trainingsbetrieb komplett ausgesetzt. Wie haben Sie die Wochen seither erlebt?

Das war schon ein großer Umbruch. Von heute auf morgen ging es von ganz wenig Zeit für die Familie auf ganz viel Zeit mit der Familie. Ich bin ehrlich gesagt schon sehr froh, dass ich viel bei meinen beiden Mädels sein kann. Ich kann unsere Kleine viel beim Aufwachsen sehen. Das alles ist definitiv etwas sehr Positives an der Sache, denn sonst wäre zwischen Schule in Dinkelsbühl und Fußball in Eichstätt kaum Zeit geblieben. Was ich schon sehr vermisse, sind aber meine Schüler und auch die Jungs beim VfB.

Stichwort Schule: Wie läuft es hier für Sie?

Ich unterrichte dieses Jahr an der Mittelschule in Dinkelsbühl und habe die Klassenleitung bei einer fünften Klasse, hier läuft seit Wochen alles digital. Seit dieser Woche bin ich zumindest in einer Abschlussklasse, die ich in Sport habe, wieder vor Ort – hier geht es derzeit allerdings nur um Theorie und Prüfungsvorbereitung.

Wie sieht neben Beruf und Familie das Trainingspensum des Fußballers Fabian Eberle aus?

In den ersten Wochen hatten wir von unserem Trainer Markus Mattes einen Trainingsplan, wie wir uns fit halten sollen. Inzwischen sieht der Coach das aber nicht mehr ein, weil völlig unklar ist, wie und wann es weitergeht. So entscheiden wir letztlich selber, was und wie viel wir machen. Ich gehe im Normalfall drei- bis viermal pro Woche zum Laufen. Wir alle versuchen die Grundfitness zu erhalten. Wenn es wieder losgeht, brauchen wir als Mannschaft aber sicherlich eine komplette Vorbereitung.

Wie schwer fällt es, sich in dieser Situation ohne Mannschaftstraining und ohne Spiele zu motivieren?

Es gibt solche und solche Tage, grundsätzlich wird es aber immer schwerer, sich zu motivieren. Aktuell fehlen einfach der Anreiz und das Ziel, dass man Woche für Woche mit 100 oder besser gesagt 110 Prozent auf den Platz gehen kann. Für einen Regionalligaspieler ist es dennoch selbstverständlich, sich fit zu halten, das Soziale mit den Jungs aus der Mannschaft fehlt mir aber schon sehr.

Sie sind inzwischen 31 Jahre alt und haben sicherlich nicht mehr unbegrenzte Jahre als Fußballer vor sich. Fühlen Sie sich da durch die Zwangspause ein Stück weit Ihrer Laufbahn „beraubt“?

Ganz ehrlich: Nein! Ich durfte als Fußballer bislang schon so viel erleben und hatte keine größeren Verletzungen. Da gibt es auch jetzt nichts zu klagen, zumal es sich um eine Ausnahmesituation handelt, die jeden angeht. Ich selber fühle mich sehr fit und kann mir gut vorstellen, dass noch das eine oder andere Jahr in der Regionalliga folgen wird. Ich habe da also keine Angst.

Sie haben die vielen Erlebnisse angesprochen. Was waren rückblickend für Sie bislang die Highlights Ihrer Laufbahn?

Ich möchte weder die alten Zeiten in Solnhofen noch die aktuelle Phase in Eichstätt missen. Die Zeit in Solnhofen bei meinem Heimatverein, der TSG, war echt cool. Es ist nicht selbstverständlich, dass man mit seinen Kumpels zusammen solche Erfolge feiern kann, zweimal aufsteigt und dann auch mehrere Jahre Bezirksliga spielt. Eichstätt ist für mich inzwischen zur zweiten Heimat geworden. Es war dort ein Wahnsinns-Einstieg, gleich im ersten Jahr Bayernliga-Meister und Torschützenkönig zu werden und in die Regionalliga aufzusteigen. Letztes Jahr dann die Vizemeisterschaft in der Regionalliga und Start im DFB-Pokal mit dem Spiel gegen den Bundesligisten Hertha BSC – ich denke, mehr kann man nicht erwarten oder sich als Amateurfußballer erträumen. Ich weiß gar nicht, wie man das noch toppen sollte. Auch die vielen Angebote anderer Vereine und aus dem Profibereich in den vergangenen Jahren waren für mich Bestätigung meiner intensiven Arbeit.

Die Eberles sind bekanntlich ein richtige Fußballfamilie. Ihr Vater Jörg war eine der Säulen bei der TSG Solnhofen, ebenso wie Sie und Ihr älterer Bruder Tobias, der momentan noch Spielertrainer in Kattenhochstatt ist. Ihr jüngerer Bruder Leo spielt in der Jugend beim TSV 1860 Weißenburg und steht auf dem Sprung zum 1. FC Nürnberg. Ohne Fußball hat sich für alle bestimmt viel verändert?

Das stimmt: Wie die ganze Gesellschaft so hat das Virus auch unsere Familie total ausgebremst. Es ist schon schwierig, wenn man den näheren Kontakt zu den Eltern beziehungsweise Großeltern abbrechen muss. Ungeachtet dessen tut es meiner Mama aber sicherlich ganz gut, wenn sie am Wochenende eine Zeit lang mal nicht mit ihren Jungs auf fünf Sportplätzen unterwegs ist (lacht). Meine Eltern schauen bei unseren Spielen regelmäßig zu, haben inzwischen einen guten Mittelweg gefunden und versuchen vor allem meinen kleinen Bruder zu unterstützen. Das Gleiche gilt für Tobi und mich, soweit es möglich ist. Und wir alle freuen uns drauf, wenn irgendwann mal wieder der Ball rollt.

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