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Training auf Sparflamme: "Man wird den Kabinengestank vermissen"

Ein Stimmungsbild rund um Neumarkt und Schwabach

In kleinem Kreis dürfen die Amateurfußballer wieder trainieren. Im Raum Neumarkt weiß man noch nicht so genau, was man mit der neugewonnen Freiheit so wirklich anfangen soll. Rund um Schwabach sieht es nicht viel anders aus. Klar ist: Zeitdruck verspürt niemand.

Überlegt, wie er seine Jungs bei Laune halten kann: Marco Christ (vorne), Trainer des TSV Freystadt.

 / © Fritz-Wolfgang Etzold

Gänzlich ließ sich Fußball als ausgleichender "Baustein im Leben" in den vergangenen Wochen nicht aus dem Bewusstsein des Benedikt Thier verdrängen, befasste sich der Trainer des Landesligisten ASV Neumarkt doch zwischendurch mit den Methoden von Bundesliga-Trainer Julian Nagelsmann oder sichtete Video-Ausschnitte vergangener Spiele der eigenen Mannschaft.

Nun, da die bayerische Politik zumindest eine Wiederaufnahme des Übungsbetriebes in Aussicht gestellt hat, empfindet Thier freilich große Vorfreude, endlich "mit der Kulle am Fuß" auf den Platz zu kommen. Allein aber die Bedingungen der Rückkehr dämpfen die Erwartungen des 32-Jährigen. Unter Einhaltung des im öffentlichen Bereich inzwischen gängigen Mindestabstandes, müssen sich Kleingruppen von maximal fünf Personen mit kontaktlosen Übungsformen beschränken. Auf Kopfbälle sowie die Nutzung von Umkleiden samt Duschen ist zu verzichten. "Das wird eine spannende Angelegenheit, die einigen organisatorischen Aufwand erfordert und die Inhalte einschränkt", konstatiert Thier. Noch bevor sich das dreiköpfige Trainerteam der praktischen Herausforderung annehme, das Programm für bis zu sechs wechselnden Schichten "interessant und anspruchsvoll zu gestalten", gelte es die grundsätzlichen strategischen Vorkehrungen in der Abteilungsleitung zu besprechen.

Während manche Rasenfläche auf der am Montagvormittag noch nicht durch die Stadt freigegebenen Sportanlage erst aktuell einer Pflegekur unterzogen wurde, birgt die Belegungsaufteilung kurzfristig Sorgenpotential. Würden sämtliche Mannschaften wieder einsteigen, dürfte es eng werden. Laut Verband sind höchstens zwei Kleingruppen pro Spielhälfte zulässig, die Formationen sollen sich auf dem Gelände nicht begegnen. "Ich werde jedenfalls auf die strikte Umsetzung von Regeln pochen, um meiner Verantwortung für die Gesundheit von Spielern gerecht zu werden. Wir sollten aufpassen, gerade bei der Jugend nicht zu viel Euphorie zu entfachen", betont Thier. Mit Blick auf einen "langen Weg" bis zur anvisierten Fortsetzung des Wettkampfbetriebs im Herbst brauche jetzt ohnehin nichts überstürzt werden. Den Ehrgeiz seiner Schützlinge kitzelt Thier derweil mit konditionellen Zwischenaufgaben. Kamen im April 2000 Kilometer beim Joggen zusammen, liege der Fokus im Mai auf dem Radfahren.

"Bisschen Beschäftigungstherapie"

Frühestens am 18. Mai soll unterdessen beim TSV Freystadt wieder gekickt werden, berichtet ein ebenfalls zwiegespaltener Marco Christ. Als Trainer des abstiegsbedrohten Bezirksligisten habe er die Entwicklung "positiv aufgenommen, weil ich auch selbst heiß drauf bin und Bock habe", die Schuhe zu schnüren. Allerdings verbindet der Ex-Profi mit den auf Ballgewöhnung oder individuelle Technik-Arbeit ausgelegten Einheiten keine großen Ambitionen.

Zwei wöchentliche Termine bedeuten pro Akteur wohl nicht mehr als ein Pensum von 60 Minuten. "Das wird für uns Neuland und ein bisschen wie Beschäftigungstherapie. Es geht darum, die Jungs bei Laune zu halten. Man wird den Kabinengestank vermissen", gesteht der 39-Jährige, der nach dem verhinderten Durchbruch beim Heimatverein 1. FC Nürnberg unter anderem das Trikot von Fortuna Düsseldorf trug und die aktive Laufbahn 2018 in Feucht beendete. Sowieso werde er seinen dünn besetzten Kader dann noch einmal in eine Auszeit der selbstständigen Aktivität schicken, ehe der ernste Teil einer neuerlichen Vorbereitung beginnt. Ohne sich explizit für einen Saisonabbruch auszusprechen, der seinem Antrieb widerspräche, das Rennen um den Klassenverbleib sportlich auszutragen, hegt Marco Christ dennoch Zweifel an einer Runden-Fortführung der Amateure im September.

Ähnlich skeptisch blickt Gerd Klaus, wiewohl er den Versuch unterstützt und sich selbst "über einen Aufstieg am grünen Tisch sicher weniger freuen" könnte, auf die ungewisse Lage. Im Gegensatz zu den Profis fehle es den Amateuren vielleicht sogar bis ins Frühjahr 2021 an einer Perspektive für die Rückkehr in den Regelbetrieb. Deshalb macht es aus Sicht des Bayernliga-Coaches des SV Seligenporten "wenig Sinn, jetzt schon loszulegen. So lange kannst du die Motivation nicht oben halten." Die Bewegung im Quintett sei "nicht das Wahre" und höchstens in Kombination mit Torschüssen einigermaßen erquicklich, zumal Spieler gewisse Anfahrtszeiten in Kauf nehmen und die Gemeinde ihren Segen noch geben müsste. Auf die zusätzliche Wartezeit komme es längst nicht mehr an, findet Klaus.

Baumgart kennt es aus der Schule

Vor Klaus hatte Hendrik Baumgart beim SV Seligenporten das Sagen. Nun ist er beim TSV Kornburg und geht mit der neuen Situation gelassen um: "Ich bin Lehrer und habe mich mit meinen Spielern ebenfalls mit diesen Hygieneregeln auseinanderzusetzen. Das kann man schon hinkriegen - beim TSV Kornburg habe ich es mit erwachsenen Männern zu tun. Dies sollten schon so viel Eigenverantwortung mitbringen, dass die Vorgabe des Bayerischen Fußball-Verband umzusetzen sind."

Überhaupt keinen Zeitdruck verspürt man beim SC 04 Schwabach, wie Abteilungsleiter Norbert Hammer verrät: "Die Spieler hangeln sich gerade noch von Challenge zu Challenge, welche von unseren Trainern zusammengestellt worden sind. Ins Mannschaftstraining wollen wir erst wieder ab Pfingsten einsteigen. Dann ist ja noch Zeit genug für die Vorbereitung auf die Restsaison, die ja vor dem 1. September nicht starten wird."

Auch Florian Bauer, der den SC Großschwarzenlohe anleitet, drückt nicht aufs Gas: "Wir haben ja seit der Saisonunterbrechung nie richtig mit dem Trainieren aufgehört - die Spieler haben ihre Hausaufgaben erhalten und arbeiten diese selbstständig ab. Ab 25. Mai wollen wir dann nach und nach ins Mannschaftstraining einsteigen, zunächst einmal Spaß haben und uns wieder an Passwege und Zusammenspiel gewöhnen." So richtig intensiv wird es für Bauers Mannen erst später, wie er verrät: "Für August habe ich bereits zwei, drei Testspiele ausgemacht. Ob die allerdings stattfinden werden, weiß man aktuell noch nicht."

Währenddessen blickt Bauer ein wenig über den Tellerrand hinaus und hat vor allem die Spieler im Blick: "Mir tut es schon ein wenig leid für unsere Spieler, die einfach keine Planungssicherheit haben. Was passiert denn am 1. Juli? Wie schaut die Vertragssituation aus? Mit zwei, drei Spielern, die in der neuen Saison zu uns kommen wollten, war ich in erfolgversprechenden Verhandlungen. Aber was sage ich denen? Auch für die Vereine stehen am Ende viele unbeantwortete Fragen." Daher sieht der SCG-Trainer das Weiterspielen ab 1. September kritisch: "Ich bin immer noch der Meinung, der Verband hätte besser den Cut machen sollen. Die Saison ist ja ohnehin irgendwie gelaufen. Eigentlich haben ja nur diejenigen Klubs ein Interesse, die Saison bis zum Ende fortzusetzen, die etwas zu verlieren hätten."

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