Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Bezirksoberliga: Erinnerungen an eine Liga, die beim BFV durchs Raster fiel

24 Jahre war die BOL eine der attraktivsten Ligen im Amateurfußball

Für 24 Jahre sorgte die Bezirksoberliga für Begeisterung bei den Fußball-Fans. 2012 war Schluss. Der Bayerische Fußball-Verband entschied sich für eine Reform der Ligen und schaffte die BOL ab.

Die BOL hatte einige rassige Derbys auf Lager, wie hier das Spiel der SC 04 Schwabach gegen den TSV Kornburg. 2012 wurde die Spielklasse aufgelöst.

 / © Sportfoto Zink

Wenn von der Bezirksoberliga Mittelfranken die Rede ist, dann bekommen viele, die sich an diese „guten, alten Zeiten“ erinnern, leuchtende Augen. „Die beste Liga, die es je gab!“ „Da waren Derbys an der Tagesordnung!“ So oder ähnlich lauten die Kommentare der Fußball-Fans noch immer. Um so erstaunlicher, dass die Erfolgsgeschichte der Spielklassen-Ebene, die zur Saison 1988/89 aus der Taufe gehoben worden war, nur 24 Spielzeiten lang währte. Nach der Saison 2011/12 war Schluss mit lustig für die mittelfränkische „Elite-Liga“, wie sie damals sehr häufig und gerne genannt worden war.

Was inzwischen bleibt, sind die Erinnerungen an die Geschichten von damals. Beispielsweise daran, als sich TSV 04 (später SC 04) und DJK nicht nur bei Stadtmeisterschaften heiße und spannende Kämpfe lieferten. Nur einmal in der Geschichte des Schwabacher Fußballs landeten die „kleinen DJKler“ von der Huttersbühlstraße vor dem großen Rivalen. Das war in der Saison 1990/91, als die DJK Zwölfter und der Rivale BOL-Dreizehnter wurde.

Meist Landes- oder Bayernliga

Das war aber wirklich eine Ausnahme, ansonsten waren die „Nullvierer“ stets erfolgreicher - in der Regel spielte das Team von der Wiesenstraße (später als SC 04 Nördlinger Straße) eine oder gar zwei Klassen höher in der Landes- oder Bayernliga. Da durften sich die DJKler schon eher als Teil dieser BOL fühlen. 15 Jahre lange gehörten sie dieser Spielklasse. Das ist unerreicht. FV Wendelstein und TSV Weißenburg rangieren mit jeweils 14 Jahren BOL aber nicht weit dahinter. Beinahe wäre auch die DJK bei 14 Jahren BOL hängen geblieben, allerdings zogen die Schwabacher in der Saison 2004/05 in der Relegation gegen den TSV Roth im Elfmeterschießen den Kopf gerade noch aus der Schlinge. Über 1.000 Zuschauer verfolgten das Spiel auf dem Platz des TSV Spalt.

Das Zuschauerinteresse war damals natürlich noch anders als in unserer heutigen Zeit, wo doch mehr die Bundesliga-Übertragungen den Amateurklubs in die Quere kommen. Erinnert sei unter anderem an legendäre Spiele um den BOL-Aufstieg 1988/89 zwischen den Zweiten der Bezirksligen Süd (DJK Schwabach) und Nord (FV Wendelstein), das die DJK klar mit 3:0 für sich entschied. 2.000 Fans tummelten sich dafür auf dem Katzwanger Sportgelände.

Dreikampf 1991/92

Apropos TSV Katzwang 05: Der zählte fünf Jahre lang zu den Teams der Bezirksoberliga. Unvergessen die Spielzeit 1991/92, als sich die „Nullfünfer“ einen bis zuletzt spannenden Dreikampf mit dem TSV 04 Schwabach und der DJK Schwabach um die beiden ersten Plätze lieferten. Mit 44:24 Punkte holten sich die von Horst König gecoachten „Nullvierer“ Titel und Aufstieg in die Landesliga, und starteten danach quasi durch bis in die Bayernliga (Aufstieg 1998/99). Über die Relegation durfte dann auch der TSV Katzwang nach oben in die Landesliga Mitte und musste nach der Spielzeit 1995/96 wieder zurück in die Bezirksoberliga, wo man gleich weiter durchgereicht wurde. Heute kicken die „Nullfünfer“ in der Kreisklasse.

Bei der DJK Schwabach, inzwischen ebenfalls Kreisklasse, musste man sich bis zum Ende der Saison 1997/98 gedulden, um als BOL-Vizemeister (hinter Uehlfeld) ebenfalls über die Relegation aufzusteigen. Das erste Relegationsspiel gegen TuS Landshut-Berg ging zwar mit 0:4 verloren, aber die DJK bekam eine zweite Chance gegen den TV Glück Auf Wackersdorf. Das Spiel ging auf dem Platz des FC Altdorf ins Elfmeterschießen. Hier siegte Schwabach mit 4:1. Ein Jahr blieb die DJK in der Landesliga, postwendend ging es zurück in die BOL. Dort übernahm Stefan Krick die Mannschaft und schaffte trotz düsterer Prognosen problemlos den Klassenerhalt.

BOL-Fußball wurde nicht nur erfolgreich in Schwabach oder Katzwang gespielt. Auch der FV Wendelstein startete nach der bitteren Niederlage im Entscheidungsspiel in Katzwang gegen die von Reiner Kraus betreute DJK durch. Unter Coach Ralph Affeldt gelang ein Jahr später der BOL-Aufstieg. Es ging zwar sofort wieder runter, in der Saison 1994/95 kehrte der FV ins Bezirksoberhaus zurück und war fortan Stammgast in der Spitzengruppe. Der Aufstieg in die Landesliga schien nurmehr eine Frage der Zeit. Dann kam Gerhard Zuber. Ein Trainer der „ersten Stunde“ in der BOL.

Sieben Jahre lang coachte Zuber die „Rangers“, dann weitere sieben die Süder - und nun sieben Jahre lang beim FV Wendelstein? Denkste! Zuber hatte die Rechnung ohne seinen damaligen Präsidenten gemacht. Punktgleich mit dem FSV Erlangen-Bruck beendeten die Wendelsteiner die BOL-Saison 2001/02. Entscheidungsspiel. Und weil auch dieses keinen Sieger gefunden hatte, traf man sich zu einem zweiten Entscheidungsspiel beim ASV Zirndorf. Der FV gewann mit 4:2 und war plötzlich Landesligist. Alles gut? Für Gerhard Zuber nicht, dessen Tage waren in Wendelstein trotz des Aufstiegs-Coups gezählt. Mit dem Bayernliga erfahrenen Norbert Kettlitz, der beim SC 04 Schwabach keinen Vertrag mehr erhalten hatte, hatte Wendelsteins Präsident Gérard Monin „seinen Mann“ gefunden.

Speer, SCG und TSV Kornburg

Traditionsvereine verschwanden nach und nach von der Fußball-Landkarte der Bezirksoberliga. Andere kamen hinzu. So zum Beispiel der TSV Wendelstein, der zwischen 2001/02 und 2004/05 vier Spielzeiten am Stück der mittelfränkischen Elite-Liga zugeordnet werden durfte. Inzwischen ist auch der TSV Geschichte, lebt aber als FC in der Fußball-Welt weiter und zählt zur Bezirksliga. Trainer ist Andreas Speer, auch ein „Kind der Bezirksoberliga“. Aber nicht als Trainer machte er von sich reden, sondern als exzellenter Torhüter des TSV Altenfurt, der DJK Schwabach oder des ASV Neumarkt, um drei seiner Stationen zu nennen. Auch SC Großschwarzenlohe und TSV Kornburg durften in den letzten Jahren noch BOL-Luft schnuppern.

Mehr zum Thema

SC 04 Schwabach: Auch Jakob Söder bleibt

Der SC 04 Schwabach kann auch mit Jakob Söder für die kommende Saison planen. Der Mittelfeldakteur hat seinen Vertrag beim Tabellendritten der Landesliga Nordost verlängert.