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Niclas Egerer: Wohlfühloase statt NLZ

Bayernliga Nord

13 Jahre lang hat die SpVgg Greuther Fürth Niclas Egerer (22) fußballerisch ausgebildet. Er schaffte es von der F-Jugend bis in die zweite Mannschaft, doch dann war Schluss. Im Februar empfing der SC Eltersdorf den Allrounder mit offenen Armen. Sportlich ist der Wechsel aus der Regional- in die Bayernliga natürlich erstmal ein Rückschritt. Für Niclas Egerer hat das Gesamtpaket in Eltersdorf aber überzeugt. Sein Trainer Bernd Eigner schwärmt von ihm – auf und neben dem Platz.

Niclas Egerer (schwarzes Trikot) braucht keine lange Eingewöhnungsphase beim SC Eltersdorf. Gegen seine alten Kollegen der Fürther U23 zeigt er eine gute Leistung. 

 / © Zink

Nachdem der Re-Start der Fußball-Amateurligen zuletzt noch um zwei Wochen verschoben worden ist, soll es am Samstag wieder losgehen. Anfang März wurde die laufende Saison unterbrochen, nun empfängt Eltersdorf in der Bayernliga Nord den abstiegsbedrohten TSV Karlburg. Zur Generalprobe gegen die U 23 der SpVgg Greuther Fürth stand auch Neuzugang Egerer in der Startelf, der links gegen seine alten Kollegen verteidigen durfte.

Mehr Erfahrung hat Egerer bislang auf der Rechtsverteidiger-Position gesammelt. Eingesetzt werden kann er defensiv aber überall – rechts, links oder in der Mitte. Coach Eigner schätzt diese Variabilität, sagt: „Zur Not könnte ich ihn auch vorne bringen, er bringt immer seine Leistung.“ Am ehesten sieht er Egerer aber in der Innenverteidigung. Im Test gegen die Kleeblätter macht er seine Sache gut, behält die Ruhe am Ball, zeigt gute Übersicht und traut sich auch mal, den Weg mit nach vorne zu gehen. So trägt er seinen Teil zu einer überzeugenden Mannschaftsleistung der Eltersdorfer bei. Die Quecken können gegen Fürth mehr als nur mithalten, gewinnen mit 1:0, der Treffer gelingt Joshua Wisdom, einem weiteren Neuzugang, in der 76. Minute.

Dass Egerer nicht für die Gäste auf dem Platz stand, liegt an einigen Verletzungen, die der Obermichelbacher in den vergangenen zwei Jahren durchmachen musste. „Man hat mir nicht mehr das Vertrauen geschenkt“, erzählt Egerer. Außerdem wollte er im Zuge seines Studiums in International Business ein Auslandssemester machen. Eltersdorfs Trainer Eigner ließ den Kontakt nicht abreißen, als Egerer im kalifornischen San Diego war. Er hatte vorher schon beim SC mittrainiert – und überzeugt. „Nach zwei Einheiten haben wir gesehen, dass wir den Jungen irgendwie kriegen müssen“, erzählt Eigner.

Die Entscheidung für Eltersdorf sei „sehr schnell gefallen“, sagt Egerer. „Ich kannte hier schon ein paar Spieler von früher. Eltersdorf ist ein sehr familiärer Verein, jeder kennt jeden.“ Man bleibe auch nach dem Training noch zusammen in der Wirtschaft sitzen oder treffe sich außerhalb des Platzes. Und er vergleicht die beiden Vereine: „Das ist schon ein anderes Miteinander als im Nachwuchsleistungszentrum. Das Alleinstellungsmerkmal hier ist der Wohlfühlfaktor.“ Gerade deswegen hat sich Egerer schon gut eingelebt, nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz. Er soll in Zukunft eine Führungsrolle einnehmen, auch wenn er eher der ruhigere Typ ist. „Man muss nicht die ganze Zeit rumschreien. Solche Typen braucht es, das bin ich aber nicht. Ich gebe eher kurze Kommandos, bin relativ viel am Reden.“

„Jammern auf hohem Niveau“

Das höre man von außen vielleicht nicht immer, aber: „Ich habe eine relativ positive Einstellung, versuche, alle aufzubauen, zu motivieren.“ Sein Coach erwartet, dass er das Spiel „noch mehr an sich reißt“. Das sei aber „Jammern auf hohem Niveau“, gibt Eigner zu.

„Für seine 22 Jahre ist er sehr erfahren, ruhig und abgeklärt. Es gibt immer Spieler, bei denen der Puls höher geht, wenn die den Ball haben. Bei Niclas bin ich ganz ruhig, weil er so ballsicher ist und Ruhe ausstrahlt.“ Das tue dem Spiel des SCE richtig gut. Bereits jetzt schwärmt der Trainer: „Wir haben mit ihm einen Riesengriff getätigt.“ Der ehemalige Bundesliga-Profi beschreibt seinen neuen Schützling, der nebenbei als Werkstudent bei den Siemens Healthineers arbeitet, als „Bombentyp“ und „astreinen Charakter“ – und verspricht schon für den Re-Start der Liga: „Er wird mit hundertprozentiger Sicherheit in der Startelf stehen.“ Dann soll in den letzten Spielen der Aufstieg in die Regionalliga glücken. „Wir machen uns keinen Druck, wissen aber, dass wir etwas Besonderes schaffen können“, sagt Egerer.

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