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Deutenbach: Für kein Geld der Welt

Bezirksliga Süd

Punktprämien? Gibt es beim STV Deutenbach nicht. Umgehört bei einem Verein, der in der Bezirksliga Süd recht zufrieden mit sich wirkt.

Elf Freunde müsst ihr sein: Das gilt für den STV Deutenbach nicht nur im Erfolgsfall.

 / © Alexander Schlirf/ Zink

Der Begriff Klassenkampf wäre überspitzt. Aber dieser 4:1-Sieg über den SV Raitersaich schmeckte dem STV Deutenbach schon ein bisschen besser als gegen andere Teams in dieser Bezirksliga Süd. Der Gegner hatte erst im Sommer mit den Röder-Brüdern zwei ehemalige Bayern- und Regionalligaspieler angelockt. Nach Deutenbach wären sie wohl eher nicht gekommen.

Der Grund liegt nicht nur darin, dass sie mit Arno Zeilmann seit vielen Jahren einen Trainer haben, der wie Topf auf Deckel passt, sondern auch am fehlenden finanziellen Anreiz. „Anders als alle unsere Gegner in der Bezirksliga zahlen wir keine Punktprämien. Wir haben noch nie etwas bezahlt und das trägt uns auch“, sagt Zeilmann. Der 45-Jährige, der im echten Leben Ingenieur ist, hat sich im Lauf der Jahre einen Kader zusammengestellt, „den wir peu à peu verstärkt haben, über Freunde, Brüder und unser Netzwerk“. Zwei Brüderpaare und vier Cousins haben Zeilmann und sein Co-Trainer Andreas Falk in den 22-Mann-Kader gelotst – die beiden haben einst gemeinsam beim TSV Falkenheim in Nürnberg gekickt, auch Torjäger Emmanuele Romeo kommt aus diesem Verein. Über ihn sagt Zeilmann: „Er macht die Stimmung – und die gute Stimmung zeichnet uns aus.“ Das kann auch Lucas Leigeber unterschreiben. Der Mittelfeldspieler ist derzeit verletzt, aber dass er seine Mitspieler am Spielfeldrand unterstützt, ist Ehrensache. Zumal im Bezirksliga-Derby, von denen es ja nur zwei gibt in der Süd-Division: gegen Raitersaich und gegen den ASV Zirndorf.

Grundsätzlich sei das schon die Spielklasse, in der sie sich wohlfühlen, doch Leigeber ist sich sicher: „Wenn alle im Kader mal fit wären, würde schon was gehen nach oben.“ Emmanuele „Rome“ Romeo pflichtet ihm bei, deutet aber auf die Bierflasche in der Hand Leigebers: „Wir haben mit Ernährung nicht viel am Hut, da steckt aber viel Potenzial drin.“ Doch der Zusammenhalt komme auch nicht von ungefähr, die Samstage gehören oft der Mannschaft, vereinzelt trifft man sich auch darüber hinaus auf ein Bier.

Und als hätten sie sich abgesprochen, unterstreicht Stadionsprecher Helmut „Hellers“ Porsch diese Aussage nach dem 4:1 von Luca Schott zum Endstand. Bevor er zum Mikrofon greift, sagt er in Richtung des Reporters: „Das passt, wir steigen nicht ab. Nach dem Spiel wird der Grill angeschmissen.“ „Hellers“ ist 59 und war früher selbst Spieler des STV in der B-Klasse, „ein Mittelstürmer-Typ wie Rome, aber der ist eine Klasse besser, athletischer“.

Als Edelfan blieb er den Deutenbachern erhalten, bis ihn vor zwei Jahren die Spieler fragten, ob er sich nicht noch mehr einbringen wolle. Seither ist er der „Mann für alles“, was bedeutet: Er stellt Äpfel, Bananen und Riegel in die Kabine oder vor dem Spiel füttert er die WhatsApp-Gruppe mit motivierenden Sprüchen. Leigeber charakterisiert ihn so: „Er ist aweng verrückt – und solche brauchen wir.“ In diesen Tagen wählen sie einen neuen Abteilungsleiter, Ex-Spieler Daniel Bergmann gibt den Posten nach über zwei Jahren wohl ab. Angst, dass sich keiner finden werde, hat Leigeber nicht. Er selbst fühle sich mit seinen 23 Jahren nicht berufen, denn: „Da ist immer einer da, der sich bereit erklärt. Aber irgendwann kann ich mir das schon vorstellen.“

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