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SC Eltersdorf 2011/12: Auf der Erfolgswelle

Saison des Lebens

Jeder, der Fußball gespielt hat, kennt sie: Die "Saison des Lebens". Eine Spielzeit voller Erinnerungen an eine große Mannschaft, tolle Mitspieler, einen tollen Trainer; an Tore, die so niemand mehr schoss, an Spiele, die so niemals wieder gewonnen oder verloren wurden, an Tränen, die flossen – aus Freude oder Trauer. In einer Serie widmen wir uns genau diesen Spielzeiten und lassen diejenigen erzählen, die damals ihre "Saison des Lebens" erlebten. Diesmal: Sven Röwe und der SC Eltersdorf.

"Niemand konnte uns runterholen": Sven Röwe (links) erlebte mit dem SC Eltersdorf (hier gegen den FC Augsburg II) eine unvergessliche Saison.

 / © Sportfoto Zink

30. Juli 2011. Kurz vor 18 Uhr. Nur noch wenige Minuten, dann wird der Schiedsrichter den dritten Bayernliga-Spieltag und damit das große Derby anpfeifen. Beide Vereine stehen unter Zugzwang, sowohl Eltersdorf als auch Bruck mussten zu Saisonbeginn ein Unentschieden und eine Niederlage hinnehmen.

Draußen toben 1500 Zuschauer, drinnen im Kabinengang stehen ein Trainer und sein Ex-Spieler. Der Trainer, das ist der Brucker Gerd Klaus, der verwirrt auf die gegnerische Aufstellung blickt. Der Ex-Spieler, das ist Sven Röwe, der erst im Sommer zum Rivalen gewechselt ist, um das Team als Linksverteidiger zu verstärken. Aber was um Himmels Willen bedeutet nur diese Eltersdorfer Aufstellung? Also fragt der Coach mal bei seinem Ex-Spieler nach und der antwortet: "Lass dich überraschen!" Als Röwe sich in diesem Sommer 2011 entscheidet, nach Eltersdorf zu wechseln, ist zunächst noch gar nicht absehbar, ob er damit einen Karriereschritt nach vorne oder zurück machen wird. Landes- oder Bayernliga? Erst am letzten Spieltag erfährt Röwe: Es wird die Bayernliga. "Noch besser", denkt er und macht sich an die Arbeit. Doch vor allem die Offensive schwächelt zu Saisonbeginn, die Tore wollen nicht fallen, das Team ist noch jung und unerfahren.

Ein Derbysieg als Startschuss

Also hat der Quecken-Trainer Ludwig Preis eine Idee, ganz simpel, aber mit großer Wirkung. "Spiel doch mal auf der Zehn", sagt er seinem Neuzugang. "Dort hatte ich noch nie gespielt", erinnert sich Röwe viele Jahre später. Doch der Kniff geht auf. Als die Partie angepfiffen wird, zeigt sich die Eltersdorfer Offensive wie verwandelt. Am Ende steht es 3:0. Nicht nur ein Derbysieg, sondern auch ein Startschuss. Für den SC Eltersdorf, der als Aufsteiger eine Saison für die Geschichtsbücher spielen wird. Und für Sven Röwe, der sich schon bald einen Namen als einen der besten Offensivspieler im bayerischen Amateurfußball machen wird.

In welche Richtung die Karriere laufen soll, das ist bereits ganz früh in Röwes Leben eine entscheidende Frage. Als Jugendspieler kickt er in der Nachwuchsabteilung bei Greuther Fürth. U19-Bundesliga. Viermal pro Woche Training, lange Reisen am Wochenende. Im Grünwalder Stadion geht es gegen die Bayern. "Das war schon besonders", erzählt Röwe. "Aber mein Privatleben war damals natürlich sehr eingeschränkt." Jeder Jugendfußballer, der bei einem Profiverein spielt, kommt irgendwann an den Punkt, an dem er sich entscheiden muss: Wagt man den Sprung in den Profifußball mit allen Risiken und Nebenwirkungen, die ein harter Aufprall mit sich bringt? Oder lässt man das Hobby ein Hobby sein? In Fürth ist Röwe lange Zeit einer der besten Spieler. "Aber je älter ich wurde, umso besser wurden die anderen. Und ich wusste auch, was das für mich bedeutet." 

12. November 2011. Ein Feiertag. Es ist kurz vor 14 Uhr. Nur noch wenige Minuten, dann wird der Schiedsrichter den 20. Bayernliga-Spieltag und damit wieder einmal ein großes Derby anpfeifen. Ein Spiel, das Röwe als "eines der größten und verrücktesten Spiele" bezeichnen wird, als "ein Highlight in einer Highlight-Saison." 2000 Zuschauer warten am Brucker Sportplatz, 200 Eltersdorfer sind mit Trommeln und Fangesängen dorthin gewandert, die Partie wird mit Verspätung angepfiffen.

Beinahe im DFB-Pokal

Die Vorzeichen haben sich mittlerweile gewandelt. Trainer Ludwig Preis hat aus dem unerfahrenen Aufsteiger innerhalb weniger Monate eine heimstarke Spitzenmannschaft geformt, die auf einer emotionalen Welle beinahe bis in den DFB-Pokal schwimmt. "Wir konnten uns das selbst nicht ganz erklären", sagt Röwe. "Aber niemand konnte uns runterholen." Auch nicht der Nachbar. Eltersdorf erobert sich eine schnelle 2:0-Führung, schenkt diese aber genauso schnell wieder her. Dann folgt eine wahnsinnige Schlussphase inklusive Fehlentscheidungen, Elfmeter und einer Quecken-Offensive, die am Ende einen 5:2-Sieg herzaubert. Das kleine Eltersdorf schlägt das große Bruck und übernimmt die Rolle als Erlangens Nummer eins.

Später sitzt Sven Röwe an einem Samstagmittag auf der Coach, als ihm endgültig bewusst wird, dass er soeben einen massiven Karriereschritt nach vorne gemacht hat. Und gleichzeitig weiß er, dass es sein letzter sein wird. Ein Konkurrent hat verloren und das bedeutet: Eltersdorf wird in die Regionalliga aufsteigen. In eine Liga, in der die Welten des Profi- und Amateurfußballs aufeinanderprallen, in der sich Eltersdorf mit den Amateuren Bayern Münchens messen wird. Höher kann man nicht kommen, ohne andere Dinge aufzugeben.

Noch viele Jahre kickt Sven Röwe für Eltersdorf, dann geht die Leidenschaft langsam verloren. Kurzzeitig ist er als Spielertrainer in Tennenlohe aktiv, dann war's das aber endgültig. "Ich hatte eine schöne Karriere", sagt Röwe. "Aber mir hat das viel abverlangt. Es ist jetzt an der Zeit, mal etwas Anderes zu machen."

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