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Einer überragt die Lokalprominenz: Was machen die Ex-"Klosterer" heute?

Bayernliga Nord

Von Brunnhübner bis Worst: Auf den Spuren ehemaliger Spieler des SV Seligenporten, die heute noch aktiv sind.

Viele kamen und gingen im Kloster: Wir haben die Spuren ein paar "Ehemaliger" verfolgt.

 / © Zink

Während Patrick Hobsch weiter um Einsatzzeiten beim Drittliga-Kellerkind VfB Lübeck kämpfen muss, verzeichnet sein früherer Klub im Kloster drei Abgänge im winterlichen Transferfenster. Unter dem Brennglas der coronabedingt angespannten Haushaltslage zeigt sich einmal mehr die herausgehobene Stellung eines Landkreis-Branchenführers, der an der Grenze zum professionellen Fußballbetrieb automatisch dem Risiko einer hohen personellen Fluktuation unterliegt.

Wie viele höherklassige Verbandsligisten kann der SV Seligenporten seinen Spielerbedarf nicht über den eigenen Nachwuchs abdecken, entwickelte sich dafür zur Weiterbildungsstätte für ambitionierte regionale Talente, die jedoch früher oder später für den erhofften Durchbruch weiterziehen beziehungsweise sich beruflich umorientieren. So gewann das Wechsel-Karussell seit dem Bayernliga-Durchbruch 2008 beträchtlich an Schwung, kam und ging pro Saison stets eine halbe Startelf.

Aus der naheliegenden Frage, wohin es die vielen Gesichter aus der jüngeren Vergangenheit inzwischen verschlagen hat, lässt sich zwar keine umfassende Bewertung der Personalpolitik ableiten, doch birgt der Überblick interessanten Lesestoff. Berücksichtigt in der Ehemaligen-Auswahl wurden die heute noch aktiven Stammkräfte mit den meisten Einsätzen, ausgeklammert bleibt neben dem bereits erwähnten Patrick Hobsch der erst im Herbst gen Kornburg entschwundene Marco Wiedmann.

Dominik Brunnhübner: Der heute 30-jährige Torhüter durchlief die Nachwuchs-Ausbildung des 1.FC Nürnberg, ehe er sich nach zwei Spielzeiten in dessen Zweitvertretung ab Sommer 2011 dem SV Seligenporten anschloss. Unter Trainer Karsten Wettberg verpasste der gebürtige Neuendettelsauer in vier Spielzeiten kaum eine Minute. Damit empfahl sich der 1,95-Meter-Mann für eine Anstellung bei den Würzburger Kickers, für die er 2015 zwei Drittliga-Einsätze absolvierte. 2017 kehrte er über den SC Großschwarzenlohe nach Mittelfranken zurück, peilt aktuell mit dem Bayernliga-Aspiranten SC Schwabach 04 einen neuerlichen persönlichen Aufstieg an.

Julian Schäf: In der B-Jugend vom Club nach Fürth gewechselt, brachte der Rechtsverteidiger immerhin die Erfahrung aus 15 Regionalliga-Partien fürs kleine Kleeblatt mit, als er 2012 mit 19 Jahren im Kloster anheuerte und direkt zur Stammkraft avancierte. Die Verbindung zwischen Verein und Spieler hielt stolze sechs Jahre, in denen der Bad Windsheimer über 150-mal das Seligenportener Trikot trug. Seit 2018 spielt der inzwischen 28-Jährige beim 1.SC Feucht.

Dominik Räder: Bei seinem Abschied im August 2016 wurde es emotional. „Der Verein und die Menschen, die ihn ausmachen, sind mir sehr ans Herz gewachsen“, erklärte der Defensivstratege, der sich in siebeneinhalb Jahren zum neuzeitlichen SVS-Rekordspieler und Kapitän aufschwang. Um seinem Studium Vorrang geben zu können, lief Räder, der beim SC 04 Schwabach seinen Durchbruch im Herrenbereich schaffte, bis 2018 für den bedingt geringer ambitionierten TSV im Wohnort Kornburg auf. Heute hat der 32-Jährige im Rhein-Neckar-Gebiet beim ASC Neuenheim eine neue Heimat gefunden.

Stanislaus Herzel: Geboren in Kasachstan, fand der heute 30-Jährige über den Fußball Anschluss in Deutschland. Seine Fähigkeiten auf der defensiven Außenbahn reiften in der Jugend des 1.FC Nürnberg und des Jahn Regensburg. Auf den Stationen Ingolstadt, Augsburg und erneut Regensburg sammelte der Linksverteidiger Erfahrung im professionellen Fußball, steigerte seinen Marktwert in drei Spielzeiten beim SV Seligenporten auf geschätzte 125000 Euro. In Illertissen verlängerte der mittlerweile in Pleinfeld niedergelassene Hobby-Pokerspieler seine Regionalliga-Zugehörigkeit, heuerte im Sommer 2020 beim Landesligisten Kornburg an.

Florian Jakl: Mit seinem ersten Engagement in Seligenporten ab Frühjahr 2008 hatte der in Oberasbach aufgewachsene Innenverteidiger den Traum von einer Profi-Karriere noch nicht aufgegeben. Schließlich galt er in der Bundesliga-U19 des 1.FCN als großes Talent und durfte bereits mit der ersten Formation trainieren. Nachdem Jakl jedoch auch in Fürth keine Spielpraxis erhalten hatte, überzeugte er – unterstützt von Papa Peter als Co-Trainer – beim frischgebackenen Bayernligisten aus der Oberpfalz. Nach kurzer Zeit ging es weiter nach Bayreuth, um nebenbei zu studieren. Einen bitteren Abstieg und einen USA-Aufenthalt später gab der kopfballstarke Jakl ab 2013 ein neuerliches Gastspiel im Kloster, war dem SVS in der Regionalliga für knapp zwei Jahre ein solider Abwehrturm. Dann erforderten es anhaltende Rückenprobleme, berufliche Prioritäten zu setzen. Mit der unterklassigen SpVgg Steinachgrund gelang trotzdem der Durchmarsch in die Bezirksliga. Seit Sommer 2019 lässt der 33-Jährige seine Karriere beim FC Troschenreuth ausklingen.

Pascal Worst: Als 19-jähriges Küken im Sommer 2012 aus der U19 des FC Ingolstadt geholt, drängte sich der gelernte Mittelfeldmann über seine Treffsicherheit in der zweiten Garnitur immer öfter für das Regionalliga-Aufgebot auf, trug 2015/16 trotz temporärer Ausfälle seinen Anteil zum Wiederaufstieg bei und avancierte zum Kapitän. 2017 aber entschied sich Worst für eine neue Herausforderung beim Bezirksligisten 1.FC Kalchreuth, zog schon im Winter weiter zum FSV Stadeln, wo er bis dato als spielender Co-Trainer fungiert.

Christopher Schaab: Mit 16 Jahren aus Bad Brückenau ins Nürnberger Internat gewechselt, deutete der Edeltechniker 2006/07 für den SVS bereits zu Landesliga-Zeiten sein Potenzial an, startete in der Fürther Reserve und beim FSV Erlangen-Bruck so richtig durch im mittelfränkischen Spitzenfußball. Ab 2012 brachte der Mittelfeld-Kreativkopf seine Ideen wieder im Kloster auf den Platz, verabschiedete sich drei Jahre später als Kapitän nach dem Abstieg zum Bayernliga-Konkurrenten SC Eltersdorf. Aktuell steht im Wohnort Veitsbronn das für 2020 angekündigte Comeback des 33 Jahre alten Familienvaters noch aus.

Michael Brandl: Die Vita des oberpfälzer Lokalmatadors aus Pilsach, der sein Abwehr-Handwerk in der Jugend bei der SpVgg Greuther Fürth verfeinerte, erhielt im Herrenbereich beim ASV Neumarkt den ersten Eintrag. 2009 vom SVS im Paket mit Vahan Yelegen unter Vertrag genommen, etablierte sich Brandl in fünf Jahren als feste Größe. Im besten Alter erweiterte der inzwischen 32-Jährige seinen Horizont beim FC Amberg unter dem früheren Club-Profi Timo Rost, lief danach für Pilsach und den 1.SC Feucht auf. Seit 2017 zeichnet Brandl als spielender Trainer beim TSV Meckenhausen verantwortlich, wird beim Kreisligisten indes zur neuen Saison abgelöst.

Rico Röder: Der nicht allzu hochgewachsene, dafür umso wendigere Spielmacher ist ordentlich herumgekommen in seiner Laufbahn. Im fortgeschrittenen Jugendalter beim 1.FCN gelandet, musste der gebürtige Nürnberger zunächst einen Schritt zurückgehen, um sich beim FSV Bruck und in Eltersdorf für höhere Aufgaben zu beweisen. Nachdem ein von Cousin Marco Christ vermitteltes Engagement beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden aufgrund einer Verletzung scheiterte, wusste sich Röder zwischen 2013 und 2016 in über 80 Partien für Seligenporten in Szene zu setzen. Während Christ noch ein Jahr blieb, zog es Röder über Eltersdorf in heimische Fürther Gefilde. Vom ASV Vach wechselte der 30-Jährige im Sommer 2020 als Spielertrainer-Duo mit Bruder Sammy zum Bezirksligisten Raitersaich.

Dominik Stolz: Kein Ex-Seligenportener erlangte höhere Weihen. In der Jugend beim 1.FC Nürnberg und der SpVgg Ansbach ausgebildet, blühte der 2011 in der Fürther Talentschmiede durchs Raster geflogene Windsbacher als hängende Spitze im Zusammenspiel mit Bernd Rosinger auf. Nach rund 100 Spielen und allein 18 Treffern in seiner finalen Regionalliga-Saison schlug der 1,75 Meter große Stolz 2014/15 auch in Bayreuth sofort ein, durfte deshalb in Sandhausen Zweitliga-Luft schnuppern. Die unerwartete Krönung erlebte „Stolzer“ im Trikot des luxemburgischen Meisters Düdelingen, mit dem er zweimal an der Europa League teilnahm, inklusive eines Traumtores gegen die AC Mailand 2018. Statt einer zwischenzeitlich kolportierten Rückkehr zum 1.FC Nürnberg verdingt sich der 30-Jährige seit Sommer 2020 weiter in Luxemburg beim FC Swift Hesperingen.

Florian Grau: Wie der drei Jahre jüngere Dominik Stolz im Nachwuchs des Clubs und in Ansbach geformt, legte der Mittelstürmer bis zum Wiedersehen mit dem bekannten Weggefährten eine Zwischenstation beim Bezirksoberligisten SC 04 Schwabach ein. Ab 2009 verstärkte er die Offensive des SV Seligenporten für drei Bayernliga-Jahre. In der Regionalliga-Hinrunde 2012/13 durchbrach Grau noch die Marke von 100 Spielen, schraubte seine Torstatistik aber erst beim VfB Eichstätt in die Höhe. 2019 schlüpfte der 33-Jährige, der in Hilpoltstein wohnt, in die Spielertrainerrolle beim dortigen Bezirksligisten.

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