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Alexander Maul: Pokalsieger- und Meister-Besieger

Portrait

Wie Alexander Maul in der Saison 2007/08 im DFB-Pokal mit Jena Geschichte geschrieben hat.

Im DFB-Pokal trafen Alexander Maul (re. im Zweikampf mit Carsten Birk) und Carl Zeiss Jena auch schon mal auf die SpVgg Greuther Fürth. Am 21. August 2004 gewannen die Greuther mit 2:1 nach Verlängerung. Besser lief es in diesem Wettbewerb für Maul und seine Jenaer Teamkollegen in der Saison 2007/08 als sie nacheinander mit dem 1. FC Nürnberg den amtierenden DFB-Pokalsieger und mit VfB Stuttgart den damaligen Deutschen Meister jeweils mit 5:4 (2:2) im Elfmeterschießen eliminierten.

 / © Sportfoto Zink/Wolfgang Zink

Auf den braunen T-Shirts mit dem Vereinsemblem des FC St. Pauli konnte man noch lange nach dem 2:1-Sieg über den FC Bayern München vom 6. Februar 2002 vom Coup des damaligen Bundesliga-Schlusslichts lesen: „Weltpokalsiegerbesieger“ stand da in weißen Lettern auf der Brust. Hätte man sich beim FC Carl Zeiss Jena in der Saison 2007/08 auf eine ähnlich Aktion eingelassen, der Platz auf den T-Shirts wäre definitiv zu knapp geworden für folgende Aufschrift: „DFB-Pokal-Sieger-sowie-Deutscher-Meister-Besieger“.

Es hätte eine überragende Saison für den Fußball-Verein aus der thüringischen Stadt werden können, wenn nicht dieses unrühmliche Ende der Saison 2007/08 gewesen wäre. Der FC Carl Zeiss musste nämlich aus der 2. Bundesliga absteigen. Dies alles passierte ausgerechnet, nachdem die Mannschaft im DFB-Pokal in Jena erst den amtierenden Pokalsieger 1. FC Nürnberg und im Anschluss den Deutschen Meister und Pokal-Finalisten VfB Stuttgart (in der Mercedes-Benz-Arena) bezwungen hatte. Jeweils 5:4 (2:2) nach Verlängerung und Elfmeterschießen. Den Traum vom Pokalfinale in Berlin beendete dann die Borussia aus Dortmund. Mit 0:3 war der Zweitligist im Halbfinale chancenlos. Da lief es für Jena überhaupt nicht gut, zumal der Zweitligist ab der 50. Minute in Unterzahl spielen mussten, weil sich Jan Simak Gelbrot abgeholt hatte.

Elfmeter zum 5:4

Teil der Jenaer Mannschaft war damals Alexander Maul. Und der erinnerte sich noch genau an die beiden Siege im Elfmeterschießen, aber auch an das bittere Aus in Dortmund. Vor allem der Erfolg zu Hause gegen den 1. FCN war etwas Besonderes für ihn. Ein Franke, der in Mitteleschenbach zu Hause ist, erzielte den letzten und entscheidenden Strafstoß. „Das war ein tolles Gefühl, unseren Fans solch einen Sieg zu schenken!“ sagte Maul. Dabei hatten diese ihren Franken-Export ohnehin schon lieb gewonnen. Alex Maul war Publikumsliebling. „Sechs Jahre war ich Teil des FC Carl Zeiss, habe alle Höhen und Tiefen von der Oberliga bis zur 2. Liga mitgemacht – ich habe dort in Jena verkörpert, was den Fans wichtig war!“ sagt er nicht ohne Stolz.

„Nur ärgerlich, dass wir unsere Form aus dem DFB-Pokal nicht mit in den Liga-Endspurt nehmen konnten!“ Der Abstieg sei damals schon bitter gewesen. Alexander Maul sagte nach dieser Saison ebenfalls „Auf Wiedersehen“. Er wechselte nach Regensburg in die 3. Liga. Auch bei den Oberpfälzern fühlte sich der Franke sofort extrem gut aufgehoben. Er blieb drei Jahre beim SSV Jahn.

„Auch Regensburg habe ich mich sehr wohl gefühlt!“ ließ Alexander Maul durchblicken. Auch dort sei er Publikumsliebling gewesen. Seine ehrliche Art, Fußball zu spielen und zu leben, komme eben bei den Fans an. Vor allem mit Mersad Selimbegovic, dem aktuellen Trainer der Jahn-Profis, pflege er noch einen engen Kontakt. Mit ihm war Alexander Maul in der Nachwuchsarbeit des SSV Jahn tätig, „unsere Familien treffen sich regelmäßig, die Kinder sind im gleichen Alter!“

Mersad Selimbegovic möchte wie einst Alexander Maul im DFB-Pokal Geschichte schreiben. In dieser Woche steigt das Viertelfinale im DFB-Pokal. Der SSV Jahn Regensburg trifft heute auf den SV Werder Bremen und könnte wie einst Jena ins Halbfinale einziehen. „Ich traue es Mersad und seiner Truppe absolut zu!“ ist Maul überzeugt. Mit einer starken Leistung haben die Regensburger ja im Achtelfinale den 1. FC Köln ausgeschaltet – „im Pokal ist schließlich vieles möglich“. Die Generalprobe klappte am Freitag in der Liga bestens (1:0 gegen Paderborn). Der Trainer fehlte jedoch wegen eines positiven Covid-19-Befundes.

Eine Saison (2016/17) und sieben Partien in der Spielzeit 2017/18 war Alexander Maul Trainer des SC 04 Schwabach in der Landesliga, ehe er von Tobias Ochsenkühn abgelöst wurde. Maul ging zurück zum SSV Jahn Regensburg und betreute fortan die A-Jugend des Zweitligisten. „Es waren keine einfachen Jahre für mich, sondern eine ganz intensive Zeit!“ erzählt der 44-jährige Ex-Profi. Er musste fast täglich zwischen dem Wohnort Mitteleschenbach, wo er eine eigene Firma führt, und Regensburg pendeln. Maul: „Das war ein Riesenspagat, den ich bewältigen musste, und der mich auch viel Kraft kostete!“

Im Corona-Jahr 2020 hat er sich dann entschieden, den Vertrag in Regensburg nicht mehr zu verlängern. „Ich gönnte mir eine Auszeit vom Fußball und kümmerte mich mehr um mein Geschäft!“ Das endgültige Aus vom Fußball sei das allerdings nicht. Wer sein ganzes Leben diesem Sport untergeordnet hat, dem juckt es sicherlich irgendwann einmal wieder, eine Aufgabe zu übernehmen.

Wie Alexander Maul im bezahlten Fußball seinen Platz gefunden hat? Er ist damals nicht den mittlerweile üblichen Weg über ein Nachwuchs-Leistungszentrum eines Bundesligisten gegangen, sondern entschied sich für die Berufsausbildung. Über die U19 der SpVgg Ansbach wechselte er in die Mannschaft der DJK Schwabach, die Bezirksoberliga spielte. Deren damaliger Trainer Harald David hatte ihn aus Ansbach weggelockt und förderte den torgefährlichen Mittelfeldspieler.

Maul wurde trotz seiner jungen Jahre Leistungsträger und konnte seine Klasse auch wenig später in höheren Ligen – TSV Neustadt/Aisch oder SG Quelle Fürth – unter Beweis stellen. Über den Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen ging es schließlich in den bezahlten Fußball mit den bereits geschilderten Highlights beim FC Carl Zeiss Jena oder Jahn Regensburg.