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"Ich möchte nicht in der Haut des BFV stecken": Die Reaktionen der Trainer

Umfrage

Die moderaten Töne haben nachgelassen, auch bei den Trainern herrscht eine Stimmung, die irgendwo zwischen Ratlosigkeit und Enttäuschung angesiedelt ist. Die mangelnde Perspektive kritisiert jeder der Übungsleiter, von denen wir ein Meinungsbild der Basis eingeholt haben. Alle fragen sich, warum der Sport im Allgemeinen und speziell der Fußball nicht als Lösungsansatz verstanden wird. Dabei geht es weniger um eine exakte Definition des Zeitpunkts der Rückkehr als vielmehr um eine Perspektive: Viele Amateurfußballer fühlen sich vergessen.

Wie kann es weitergehen für Bernd Eigner und den SCE? Sicher ist: Wenn überhaupt, dann zunächst ohne Zuschauer.

 / © Zink

Alberto Mendez (Trainer TSG 08 Roth, Bezirksliga Süd, Platz 12):

© Giurdanella

 „Es ist doch so, dass wir noch gar nichts wissen. In Bayern schleppen wir die Liga vom letzten Jahr mit, was im Moment den Vorteil hat, dass wir nicht mehr so viele Spiele bis zum Saisonende haben. Das würdest du doch bis Ende Mai, Anfang Juni ganz gut durchziehen können. Würdest. Ich weiß auch nicht, warum wir nicht anfangen dürfen. Für mich ist die Faktenlage so, dass du es da mit jungen Leuten zu tun hast, die nicht die große Gefahr wären. Wenn der Frühling kommt, und da sind sich ja alle einig, wird das Geschehen wieder rückläufig sein, also könnte man ja loslegen. Die meisten haben jetzt schon einen kleinen Koller. Die Sehnsucht danach, sich wieder mal zu bewegen und was zu machen, ist groß. Ich habe kein Verständnis für Politiker, die abwarten wollen. Sie haben für mich jeglichen Kredit verspielt, machen jeden verrückt, mich auch. Mich nervt es einfach, dass mir abgesprochen wird, intelligent genug zu sein, um zu wissen, was in Ordnung ist und was nicht. Das war zu Beginn der Pandemie anders, aber inzwischen wissen wir doch alle, was wir machen dürfen und was gefährlich ist. Es handelt sich nicht um Astrophysik, es geht um ein Virus, das man jetzt seit Monaten kennt. Der Bürger ist mündig genug, um zu wissen, was er darf und was er lassen sollte. Das geht mir auf den Keks. Trainiert wird gerade nur selbstständig, und das beschränkt sich dann auf Läufe. Darüber holt man sich eine Grundfitness. Mit Fußball hat es aber nichts zu tun, wenn man die ganze Zeit nur läuft. Wer vier Monate nur läuft, macht sich außerdem die Schnellfasern kaputt. Und man spielt Fußball, weil man beim Sport nicht alleine sein will und die Gemeinschaft schätzt. Je länger man wartet, umso unwahrscheinlicher und sinnloser wird der Liga-Pokal. Ich würde mir wünschen, dass der Zickzackkurs beendet wird. Wenn wir nicht Ende April mit den Spielen anfangen, dann wird es eng.“

Norbert Frey (Trainer SpVgg Mögeldorf 2000, Kreisliga Nürnberg-Frankenhöhe, Platz 1):

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„Die Situation gefällt uns allen nicht. Aber warum sollte ich mich darüber aufregen, wenn ich nichts daran ändern kann? Auch diese Zeit geht vorbei. Ich mache mich da nicht verrückt. Ich verstehe diese Terminsetzung nicht, die Saison bis zu einem bestimmten Datum wie dem 30. Juni beenden zu müssen. Die Pandemie hat uns alle gelehrt, dass es auch anders geht und nicht daran festhalten muss, was seit Jahrzehnten schon so gemacht worden ist. Es ist Kreativität gefragt. Für mich gibt es gar keinen Grund, warum wir diese Saison nicht zu Ende spielen sollten. Es sind nicht mehr viele Spiele, unabhängig davon haben wir doch Zeit. Wenn es denn der 15. Juli ist, auch gut. Und für eine Relegation muss man keine vier Wochen brauchen. Was mich schon lange stört: In der schönsten Jahreszeit, in der kein Spiel ausfällt, können oder müssen wir sechs Wochen Vorbereitung machen. Wir machen in einer Phase Pause, wenn wegen des Wetters zu 99,9 Prozent kein Spiel ausfällt und keine Ferien sind. Wenn von der Saison A zu der Saison B mal nur zwei oder drei Wochen Pause sind, ist es heuer einfach so, weil es die Pandemie fordert. Selbst zwei, drei Wochen Verzug würde man doch in der neuen Saison wieder reinholen, ohne massenweise englische Wochen spielen zu müssen. Da würde ich mehr Flexibilität an den Tag legen wollen. Der Verband hat die theoretische Chance gegeben, jeden zweiten Tag zu spielen – diese Leute, die so etwas am grünen Tisch entscheiden, sind meilenweit weg von irgendeiner Basis. Auf so eine Idee käme kein normal denkender Fußballspieler.

Bernd Eigner (Trainer SC Eltersdorf, Bayernliga, Platz 1):

© Zink

„Meine Prognose im letzten Jahr war, dass wir nach Ostern wieder mit dem Training beginnen dürfen. Ich weiß nicht, ob das aufrechtzuerhalten ist. Ich hoffe, dass wir weiterspielen können. Klar ist es bei uns so, dass wir bei einem Saisonabbruch (durch die Koeffizientenregelung, die Red.) aufsteigen würden. Aber damit beschäftige ich mich nicht. Alle warten darauf, dass man sich sportlich betätigen kann, jeder brennt, aber es ist klar, dass wir alle vernünftig bleiben müssen. Das bestehende Hygienekonzept war doch ganz gut, es wird Möglichkeiten geben. Zu Hause duschen, selbst fahren – das alles würde ich doch mitmachen. Mit dem Inzidenzwert unter 35 – tut mir leid, da können dann die einen trainieren, die anderen nicht. Das ist doch ein Quatsch, das ist Wettbewerbsverzerrung. Für die Politiker habe ich Verständnis. Man kann immer meckern, wenn man nicht in der Verantwortung ist. Man muss trotzdem etwas versuchen. Alles pauschal abzulehnen wäre nichts. Die Menschen müssen einen Silberstreif am Horizont sehen, eine Perspektive, unter welchen Voraussetzungen wir wieder kicken können. Klar wird es jetzt langsam eng. Und es gibt etwa bei uns in der Liga Mannschaften, die vier, fünf Spiele hintendran sind. Die können ja nicht ständig englische Wochen spielen. Und was machst du, wenn wir am 30. Juni mit unseren Spielen fertig sind und anderen noch fünf Spiele fehlen? Es ist nicht einfach, ich möchte nicht in der Haut des Bayerischen Fußball-Verbandes stecken. Natürlich ist es klar, was passieren kann, aber viele haben nur den Sport oder den Fußball, der mir viel gibt und dafür sorgt, dass ich nicht durchdrehe.

Manuel Bergmüller (Trainer TSV Buch, Landesliga Nordost, Platz 3):

© Zink

„Du kannst nichts planen. Klar steht der 22. März im Raum – wenn denn die Inzidenz vier Wochen unter 35 liegt. Also für Nürnberg relativ unrealistisch. Erlangen hat einen Wert von 34,7 habe ich gelesen. In Bruck darf dann jeder trainieren, und wir, gefühlt zwei Kilometer weiter, dürfen das nicht. Es ist die Frage, ob wir jetzt alle dafür büßen müssen, dass wir es mit dem Impfen nicht ganz hinbekommen haben. Ein Outdoorsport, auch in kleinen Gruppen, ist doch jetzt möglich. Vor allem steht für mich als Familienvater die Öffnung der Schulen. Selbst vier Wochen Vorbereitung reichen aktuell nicht, um in einen Wettkampfmodus zu kommen. Meine Jungs laufen sehr fleißig, ich sehe aber auch die unterschiedlichen Laufzeiten und erkenne, wie fit der eine ist und der andere nicht. Das musst du in einer Mannschaftssportart erst einmal ausgleichen. Wir haben noch sieben Spiele, das könnte klappen. Wir sind Dritter und erhalten den Traum am Leben, dass wir uns doch noch mit Schwabach um den Relegationsplatz duellieren. Aber wirklich wichtig ist nicht das Ergebnis, sondern der Bock auf Fußball. Es geht darum, sich wieder mal zu sehen, Spaß zu haben: Ball in die Mitte werfen und kicken – man merkt jeden Tag mehr, dass es den Jungs fehlt. Die Spieler fragen sich, warum sie sich jetzt auf ein Level bringen sollen, wenn wir gar nicht wissen, ob wir das brauchen werden. Es geht auch um Qual, wie Felix Magath gesagt hat: Qualität kommt von Qual, nicht von Spaß. Lauf 40 Sekunden Vollgas, anschließend 20 Sekunden Pause, und das achtmal. Da brennt die Lunge. Und wofür? Die fehlende Perspektive ist das Problem. Es wird knackig, wenn wir nicht am 22. März loslegen können. Oder wir nehmen den Dampf raus und brechen die Saison doch ab. Dann hat man Planungssicherheit. Ich möchte nicht Markus Söder heißen, das ist eine arme Sau. Aber wir Sportler haben es auch nicht leicht.“

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