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Junioren-Bundesligen: Die Mehrheit will den Saisonabbruch

U17- und U19-Bundesliga

Am Wochenende steigt noch einmal ein Testspiel, dann ist Schluss für die U17- und U19-Junioren der SpVgg Greuther Fürth.

Tobias Gitschier (re.) ist derzeit auf mehreren Ebenen gefordert.

 / © Sportfoto Zink

Tobias Gitschier braucht niemand etwas über das Thema Corona zu erzählen. Der 34-Jährige ist nicht nur Fußballtrainer der U 17-Junioren der SpVgg Greuther Fürth und Familienvater, sondern hauptberuflich noch Lehrer. Er pendelt seit Wochen zwischen Schule, Homeoffice und Trainingsplatz. Morgens in die Schule, den Abiturjahrgang auf das Finale einstimmen, mittags nach Hause, um im Homeoffice weiter zu unterrichten, abends Training, und spät am Abend den nächsten Schultag vorbereiten: Tobias Gitschier wird aktuell nicht langweilig. „Gerade zahnt meine kleine Tochter, die Mama war heute beim Doktor, ich hatte beide Kinder zu Hause und musste zeitgleich Unterricht geben. Das war spannend“, erzählt Gitschier beim Anruf der FN.

Zwei statt vier Stunden Präsenzunterricht pro Woche hat er momentan Zeit, um den Abiturienten den Stoff für die Abschlussprüfung zu vermitteln. Am Lehrplan wurde nichts gekürzt, es obliegt dem Lehrer in der Vorbereitung auf das Abitur, die richtigen Schwerpunkte bei den Inhalten zu setzen. Fast gleich verhält es sich auf dem Trainingsplatz. Zwar darf die U17 auf Grund der Zugehörigkeit zu einem Profiklub und der Junioren-Bundesliga seit Mitte Januar wieder trainieren, zu einem Testspiel hat es bislang aber nicht gereicht. Einen größeren Spielverderber als Corona gibt es nicht. Doch Gitschier ist weit davon entfernt, sich zu beschweren.

Zwei statt vier Stunden Präsenzunterricht pro Woche hat er momentan Zeit, um den Abiturienten den Stoff für die Abschlussprüfung zu vermitteln. Am Lehrplan wurde nichts gekürzt, es obliegt dem Lehrer in der Vorbereitung auf das Abitur, die richtigen Schwerpunkte bei den Inhalten zu setzen. Fast gleich verhält es sich auf dem Trainingsplatz. Zwar darf die U17 auf Grund der Zugehörigkeit zu einem Profiklub und der Junioren-Bundesliga seit Mitte Januar wieder trainieren, zu einem Testspiel hat es bislang aber nicht gereicht. Einen größeren Spielverderber als Corona gibt es nicht. Doch Gitschier ist weit davon entfernt, sich zu beschweren.

Denn im Gegensatz zu gefühlt fast allen anderen Vereinen in der Region genießt er das Privileg, seine Jungs auf dem Platz trainieren zu dürfen und nicht nur ausschließlich über Online-Plattformen Inhalte zu vermitteln. Den Spielbetrieb in der Jugendbundesliga kann er für diese Saison allerdings abhaken. In einer ersten Abstimmung votierten 51 Prozent der teilnehmenden Vereine noch für eine Fortsetzung der laufenden Saison, diese Woche erfolgte die Rolle rückwärts. In einer zweiten Abstimmung waren diesmal 70 Prozent für einen vorzeitigen Saisonabbruch. In der U19 verlief das Votum gleich: erst pro, dann contra Fortsetzung des Ligabetriebs.

Das Ergebnis ist erklärbar. Nicht in allen der drei U17-Staffeln sind die teilnehmenden Vereine ausnahmslos „Profiklubs“. So spielen in der Staffel West unter anderem Vereine wie die SG Unterrath, der SV Lippstadt, Hennef 05, Rot-Weiss Essen oder Fortuna Köln. In der Staffel Süd/ Südwest, in der die SpVgg antritt, sind mit den Stuttgarter Kickers und dem FSV Frankfurt ebenfalls zwei Amateurvereine vertreten. Sie alle haben im Gegensatz zur SpVgg bisweilen Trainingsverbot, der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung liegt nahe. Momentan weiß wahrscheinlich niemand, was richtig oder falsch ist. Ob im Sport oder im privaten Umfeld. Es gibt kein Patentrezept. „Ich habe in meinem privaten Umfeld Menschen durch Corona verloren, war letztes Jahr selbst positiv, aber ohne große Symptome. In der Schule habe ich jeden Tag Kontakt mit vielen Schülern in der Abschlussklasse. Aber irgendwie muss es weitergehen“, sagt Gitschier.

Kein richtiges Scouting

In Fürth versucht man aus der Not eine Tugend zu machen. Da es nicht möglich ist, Gastspieler einzuladen oder richtiges Scouting zu betreiben, fokussiert sich der U17-Coach neben seiner Mannschaft auf die U16. „Die Kaderplanung ist schwierig. Wir hatten jetzt regelmäßig Spieler aus der U16 im Training dabei, um sie auf das höhere Niveau vorzubereiten und zu schauen, ob sie mithalten können.“ Parallel stehen Gespräche mit Eltern und Beratern für die Spieler an, die in der kommenden Saison in die U17 oder die U19 vorrücken könnten. Vertragsverlängerung oder Abschied? „Ich bin zwischen den Stunden als Lehrer, Trainer oder Vater immer am Handy“, sagt Gitschier. Was Entscheidungen abgeht, ist er mit sich im Reinen: „Den aktuellen U17-Jahrgang kann ich gut bewerten und ohne Probleme eine Einschätzung abgeben.“

Diese Woche musste der Nachwuchs aus der U16 allerdings pausieren. In der Hoffnung, nach der ersten Abstimmung doch noch die Saison zu Ende spielen zu können, wurden Testspiele vereinbart. „Wir spielen am Samstag in Unterhaching, und das geht nur mit dem für die U17 gemeldeten Ligakader. Und der war dann auch diese Woche im Training zusammen“, berichtet er. Zweimal wurden er und sein Team getestet, bevor es die Freigabe für die Fahrt nach Oberbayern gab. Es wird das einzige Spiel bleiben. Die Jungs aus dem NLZ dürfen natürlich auch mit. Sie machen seit Wochen Homeschooling, sogar das Essen wird aufs Zimmer gebracht, die Gemeinschaftsräume sind geschlossen. Weil sich die SpVgg entschlossen hat, von Montag bis Donnerstag zu trainieren, können die Jungs übers Wochenende nach Hause zur Familie fahren.

„Hätten wir Spielbetrieb, wäre das gar nicht möglich“, sagt Gitschier. „Das würde dann nur mit einem triftigen Grund gehen, und bei der Rückkehr wäre ein negativer Test verpflichtend.“ Hunderte von Seiten an Auflagen, Verordnungen und Vorschlägen hat der U17-Coach in den vergangenen Monaten gelesen – in der Schule als Lehrer, im Verein als Trainer und zu Hause als Papa. Ein Ende ist nicht in Sicht. Und egal ob bei der SpVgg, beim Dorfklub, in der Schule oder in der Kita – für Gitschier steht über allem: „Am meisten leiden momentan die Kinder. Und das müssen wir schnellstmöglich ändern.“

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