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Bei Abbruch: Thomas Jäger hofft auf baldigen Beginn der neuen Saison

Bezirksspielleiter im Gespräch

Ein Saisonabbruch im Amateurfußball wird immer wahrscheinlicher. In der Bezirksliga Süd wäre der TSV 1860 Weißenburg sicherer Meister. Marienstein, Freystadt und Ornbau müssten absteigen. Die Relegation würde komplett entfallen.

„Die Pandemie geht ja nicht so einfach weg“: Fußball-Bezirksspielleiter Thomas Jäger trägt Maske und macht sich viele Gedanken – auch über die aktuelle Saison hinaus.

 / © Uwe Mühling

Eigentlich hätte am vergangenen Wochenende die Fußball-Bezirksliga Süd wieder ihren Punktspielbetrieb nach langer Winterpause aufnehmen sollen. Geplant war unter anderem ein Heimspiel des TSV 1860 Weißenburg gegen den TV Hilpoltstein. Doch aus dieser sowie aus allen anderen Partien ist angesichts der Corona-Pandemie nichts geworden. Der Re-Start lässt weiter auf sich warten. Wie lange noch? Das ist derzeit völlig offen. Inzwischen ist sogar mehr als fraglich, ob die bis Ende Juni verlängerte Spielzeit 2019/2021 überhaupt noch sportlich zu Ende gebracht werden kann. Mit jeder Woche, in welcher der Amateursport verboten bleibt und der Ball nicht rollt, sinkt die Chance auf ein reguläres Saisonende. Den Ligapokal hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) aus Zeitmangel bereits gestrichen. Kommt als nächstes der Saisonabbruch der Punkterunde?

Jäger ist „eher pessimistisch“

Bezirksspielleiter Thomas Jäger ist sonst „immer Optimist“, wie er sagt. Momentan ist er aber „eher pessimistisch“ mit Blick auf das erhoffte, reguläre Saisonende. Angesichts der aktuellen Infektionszahlen – im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen kletterte die 7-Tage-Inzidenz (hier geht es zu den tagesaktuellen Werten) bspw. am Montag auf 184,7 – kann sich Jäger nicht vorstellen, „dass wir ab 3. Mai voll trainieren oder gar Fußball spielen können“. Der 3. Mai ist jene Frist, die der BFV gesetzt hat. Sollte bis dahin „kein nahezu uneingeschränkter Trainingsbetrieb“ möglich sein, wird der Verband aller Voraussicht nach den Saisonabbruch unter Einbeziehung eines Meinungsbildes aus den Vereinen einleiten. Auch für Thomas Jäger ist klar: „Solange wir nicht einmal zu einem Mannschaftstraining mit fest definierten Gruppen zurückkehren können, dürfen wir schon gar nicht von Fußballspielen träumen.“

Alles in allem mehren sich die Anzeichen, dass der Saisonabbruch – laut BFV-Präsident Rainer Koch das „allerletzte Mittel“ – zur Anwendung kommt. Die Tabellen würden dann anhand einer Quotientenregelung (Anzahl der Punkte geteilt durch die Anzahl der absolvierten Spiele) berechnet. Die entsprechende Rangfolge würde über Auf- und Abstieg entscheiden. Was wäre wenn? Diese Frage kann man angesichts des drohenden Saisonabbruchs getrost stellen. In der Bezirksliga Süd sieht die Antwort wie folgt aus: Mit 2,26 Punkten pro Spiel bliebe der TSV 1860 Weißenburg weiter souveräner Tabellenführer und dürfte in die Landesliga aufsteigen. Im Vorderfeld haben alle Teams 23 Begegnungen ausgetragen, wodurch sich ein recht klares Quotientenbild ergibt. Weißenburg liegt wie in der „normalen“ Tabelle klar vor dem FC Wendelstein (1,96), dem ASV Zirndorf, dem FV Dittenheim (beide 1,91) und dem TV Hilpoltstein (1,79).

Der TSV 1860 hätte Meisterschaft und Aufstieg lieber auf sportlichem Wege besiegelt. Sollte es nun zum Abbruch kommen, ist er aber froh über den klaren Vorsprung und auch über die positive Einschätzung vieler Liga-Konkurrenten, die in Weißenburg mit sieben Punkten Vorsprung und sieben noch ausstehenden Spielen den designierten Meister sehen. Dem schließt sich der Bezirksspielleiter an. Die Weißenburger wären nach den Worten von Thomas Jäger im Endspurt „der absolute Favorit. Sie sind von allen Teams einfach am breitesten aufgestellt“. Auch beim Blick auf die Abstiegszone gibt es in der Quotiententabelle keine Verschiebungen: Der SV Marienstein (0,39), der TSV Freystadt (0,70) und der SV Ornbau (0,91) bleiben auf den drei Abstiegsplätzen und müssten den Gang in die Kreisliga antreten. Nun lässt sich trefflich darüber spekulieren, ob Ornbau (nur 22 Partien) den Rückstand auf die SG Herrieden oder die TSG 08 Roth (je 24 Spiele mit Quotienten von 1,00 beziehungsweise 1,08) bei gleicher Anzahl der Spiele noch hätte aufholen können. Fakt ist aber, dass Ornbau angesichts der aktuellen Regelungen absteigen müsste. Relegationsplatz 13 – in beiden Tabellen von Herrieden belegt – würde wiederum den Klassenerhalt bedeuten ...

Keine Relegationsspiele

... denn die Relegation, so der Verband, würde im Falle eines Saisonabbruches komplett wegfallen. Das bedeutet nicht nur den Klassenerhalt für Herrieden, sondern auch den Verbleib des Tabellenzweiten FC Wendelstein in der Bezirksliga. Der Vizemeister bekäme ohne Relegation keine Chance auf den Landesliga-Aufstieg. „Stand jetzt, 12. April, 10.25 Uhr“, fügt Thomas Jäger hinzu. Zu diesem Zeitpunkt fand am Montag das Gespräch mit dem Weißenburger Tagblatt statt und Jäger weiß sehr wohl um die Unwägbarkeiten und steten Planänderungen in diesen Zeiten.

In dem Gespräch machte der Bezirksspielleiter auch auf einen anderen Punkt aufmerksam. Sollte es tatsächlich zum Saisonabbruch kommen, dann hofft er darauf, „dass wir die neue Saison 2021/22 so früh wie möglich beginnen können“. Sein Vorschlag: Sollten es die Corona-Auflagen zulassen, dann sollten die Vereine spätestens ab Juni „mit Vollgas“ trainieren. Anfang Juli sollte dann die neue Runde beginnen. Einerseits im Hinblick auf die mögliche Urlaubszeit im August, andererseits um auf die Corona-Entwicklung flexibel reagieren zu können. Denn eines ist für Thomas Jäger klar: „Die Pandemie geht ja nicht so einfach weg.“

Alle Auf- und Absteiger nach Quotienten:

Quotienten im Bezirk und Land

Quotienten im Kreis Nürnberg/Frankenhöhe

Quotienten im Kreis Neumarkt/Jura

Quotienten im Kreis Erlangen/Pegnitzgrund

Gegen die Anwendung der Quotienten-Regelung regt sich aber bereits Widerstand. Angeführt vom ASV Rimpar, haben sich über 50 Amateurvereine aus dem Freistaat in einem offenen Brief zu Wort gemeldet und den Verband aufgefordert, auf Absteiger nach Anwendung der Quotientenregel zu verzichten.

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