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"Herr Bauer, schaffen wir ein ruhiges Spiel?"

Interview

Vor 50 Jahren zückte erstmals ein Bundesliga-Schiedsrichter die Rote Karte. Zum Jubiläum stellt sich ein bekannter Wiederholungstäter im Amateurfußball im Interview. Markus Bauer kassierte unter anderem beim FSV Stadeln fleißig Platzverweise. Stolz ist er darauf nicht.

Während der 90 Minuten kennt Markus Bauer (links) keine Freunde, das brachte ihm bereits den ein oder anderen Platzverweis ein.

 / © Sportfoto Zink

Herr Bauer, kennen Sie Friedel Lutz?

Nein, noch nie gehört.

Er war der erste Spieler der Bundesliga, der eine Rote Karte gezeigt bekam. Im Spiel seiner Frankfurter Eintracht gegen Braunschweig im April 1971 war ihm sein Gegenspieler auf die verletzte Achillessehne getreten. Er erzählte dem Fachblatt kicker: „Der Schmerz war so groß, dass ich ihm daraufhin in seinen Allerwertesten getreten habe.“

In den Allerwertesten habe ich noch niemandem getreten. (lacht)

Welche Art von Delikten haben Ihnen denn Ihre zahlreichen Platzverweise eingebracht?

Meistens war es Gelb-Rot wegen Meckerns und Schiedsrichter-Beleidigung oder ich habe mal einen geschubst, der einen Mitspieler gefoult hat. Mit den Zuschauern habe ich mich auch oft angelegt.

Auf wie viele Platzverweise kamen Sie pro Saison?

Das kann ich so nicht sagen. Es gab auf jeden Fall keine Saison ohne Platzverweis, und wenn es nur Gelb-Rot war. Die wildeste Phase war in Crailsheim. Wir standen da alle unter Druck, weil wir unbedingt aufsteigen mussten. Aber es hat nicht gepasst, weil Regionalliga- und Zweitligaspieler wild zusammengekauft wurden. Da bin ich aus der Reihe getanzt.

Sind Sie ein Choleriker?

Ich bin definitiv kein Choleriker, ich bin im Spiel ehrgeizig, teilweise überehrgeizig. Mir ist das aber gar nicht bewusst in dem Moment. Am Ende des Tages ist es ja auch peinlich und ich bin da überhaupt nicht stolz drauf. Ich habe höchstens mal noch in der Kabine eine Flasche in die Ecke gefeuert, aber ich bin der Letzte, der danach noch eingeschnappt ist.

Der ehemalige Kleeblatt-Trainer Janos Radoki hat vom Heidenheimer Marc Schnatterer geschwärmt wegen seiner Einstellung, selbst wegen eines verlorenen Trainingsspiels auszurasten. Muss man vielleicht so überehrgeizig sein, um ganz nach oben zu kommen?

Der Schnatterer ist ja schon ganz oben als Profi angekommen. Ich weiß nicht, ob er in der Jugend genauso war. Denn ich habe zwar mit meinem Ehrgeiz sieben Jahre beim Club in der Jugend gespielt und hatte ein Angebot von Werder Bremen, meinen Profitraum habe ich aber nicht verwirklichen können, weil ich mir durch meine Impulsivität selbst Steine in den Weg gelegt habe.

Sie sahen schon als Kind buchstäblich rot?

Das Temperament, hat mein Vater erzählt, hatte ich in der E-Jugend schon. Beim Tuspo Nürnberg war ich einer der Torjäger und habe mich geweigert, ausgewechselt zu werden. Erst im Alter bin ich ruhiger geworden, vor allem zuletzt in Stadeln, als Manni Dedaj Trainer wurde.

Doch der Ruf war bereits ruiniert, oder?

Die meisten Schiedsrichter kennen mich mit Namen. Zur Begrüßung hieß es oft: ,Herr Bauer, schaffen wir ein ruhiges Spiel?’ Bei der ersten Aktion war es dann auch schon wieder vorbei. Oder ein Schiri gab mir statt der Begrüßung nach wenigen Minuten die gelbe Karte, das war nicht immer korrekt. Da habe ich im Hinterkopf gehabt: ,Oweh, die wissen schon wieder, wer ich bin.’

Ist das ein Hemmschuh?

Ja, ist es wirklich. Wenn du nur an einen Gegner hinkommst, gibt es die Gelbe.

Bekamen Sie auf der Zehner-Position Sonderbewacher?

Eher weniger. Aber sie wussten, wie sie mich angehen mussten: dem Bauer schön auf die Füße treten, weil der nach zehn Minuten eh ausflippt. Aber ich lege Wert auf körperbetontes Spiel. Es bringt mich eher auf die Palme, wenn einer nicht seinen Körper einsetzt. Die Jugend heutzutage versucht eher, dass die Schuhe weiß bleiben, die Schienbeinschoner sitzen und die Haare passen.

Bei den eigenen Zuschauern aber, heißt es aus Stadeln, genossen Sie wegen Ihrer mitreißenden Art hohes Ansehen.

Bei denen, die Ahnung vom Fußball haben, kam ich gut an. Als wir abgestiegen sind, konnten die Fans meine Art gar nicht ab. Die wollten einen, der ackert, Tore schießt, aber den Mund hält. Da hieß es: Du musst ruhiger werden. Aber als wir wieder aufgestiegen sind, war ich der Oberking, denn ich habe in der Aufstiegssaison ja auch über zehn Tore geschossen.

Was werden Sie Ihrem Sohn Levi sagen, wenn Sie Tendenzen erkennen, dass er wird wie Sie?

Ich würde zu ihm hingehen und es ihm ein einziges Mal sagen, dass der Papa einige Chancen hat liegen lassen durch seine emotionale Art, dass man das in den Griff kriegen muss. Aber eine Mischung aus positiver Aggressivität und Emotionen ist wichtig.

Wenn Sie sich von der Fifa eine Regeländerung wünschen dürften – würden Sie die Rote Karte abschaffen und dafür Zeitstrafen einführen?

Zeitstrafen? Es käme drauf an, wie lange sie dauern. Die Rote Karte gehört aber zum Fußball. Daran sollte man schon festhalten.

Zur Person: Der selbständige Spengler und Anlagenmechaniker Markus Bauer (35) legte nach der Ausbildung in der Club-Jugend eine beachtliche Laufbahn im Amateurfußball hin. Mit Feucht und Regensburg spielte der Linksfuß in der Bayernliga, mit Crailsheim in der Oberliga Baden-Württemberg. Auf Seligenporten, Ammerthal und Schwaig folgte in den vergangenen fünf Jahren beim FSV Stadeln die längste Station. Seit 2020 steht er im Kader des SV Schwaig II in der A-Klasse und konzentriert sich aufs Familienleben mit Frau und dem kleinen Sohn Levi im neuen Haus in Hersbruck.

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