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Jonas Dirr zur "Spieli": Ein Erlanger kehrt zurück

Bezirksliga Nord

Wirklich weg war Jonas Dirr nie. Der 31-Jährige ist in Erlangen aufgewachsen, studiert an der FAU und kellnert am Erich Keller. Bald ist der Torwart auch wieder zurück auf dem Platz. Im Sommer wechselt er vom ASV Vach zur "Spieli".

Bald wieder im Erlanger Trikot: Torwart Jonas Dirr

 / © Sportfoto Zink

Den Frühschoppen-Sonntag hat sich Jonas Dirr immer freigenommen. Wirklich immer. Wenn alle Erlanger Fußballer auf dem Berg sind, wollte auch er mit seinem Team von frühmorgens an dabei sein. Die vergangenen Jahre aber hat Dirr selbst an Pfingstsonntag gearbeitet. Als Kellner am Erich Keller war er zwar trotzdem irgendwie dabei, allerdings nicht mit seinem Team.

"Der ASV Vach geht nicht auf den Berg", sagt Dirr. So hat er es immer gemerkt, dass er kein Erlanger Fußballer mehr ist, auch wenn er immer Erlanger war. "Zu der Zeit bin ich als Kellner am Erich Keller von einem Verein zum nächsten, am frühen Sonntagabend war ich bestimmt der nüchternste Fußballer am Berg."

Jonas Dirr ist in Alterlangen aufgewachsen und hat als kleiner Junge beim Büchenbacher SC angefangen. "Zum Fußball bin ich durch meinen Opa gekommen, der war Physiotherapeut der Nationalmannschaft." In der D-Jugend wechselt Dirr zur Spielvereinigung Erlangen. "Die Zeit dort hat mich am meisten geprägt", sagt er heute. Im Seniorenbereich durchlief der Torwart einige Stationen: Nach vier Jahren beim Turnverein ging er zum ATSV und schließlich zum SV Tennenlohe, ehe sich Dirr erstmals einem Klub außerhalb der Stadtgrenzen anschloss.

Kontakt auf der Bergkirchweih

Sein ehemaliger Torwarttrainer Norbert Nein sprach ihn auf der Bergkirchweih an, ob er nach Vach wechseln wolle. Der ASV hatte die Bayernliga als Ziel fest im Blick. "Ich dachte mir, wenn ich es jetzt nicht tue, dann wird es nie etwas." Also sagte Dirr zu – und stieg im Sommer 2018 mit Vach auf. "Die Mannschaft war bombig", erinnert sich der Keeper.

Ein Jahr später allerdings ging es direkt wieder zurück in die Landesliga, das entscheidende Spiel fand an der Paul-Gossen-Straße statt. "Aus Erlanger Sicht war das natürlich schön, der ATSV ist damals nicht abgestiegen, Vach musste in die Relegation", sagt Dirr. "In vier Jahren in Vach habe ich vier komplette Umbrüche im Team erlebt." Unter dem aktuellen Trainer Alexander Rambau verlor Dirr seinen Stammplatz.

Das Angebot, im Sommer zur "Spieli" zu wechseln, kam nun zur richtigen Zeit. "Sie hatten 2020 schon angefragt", sagt Dirr, der im Bezirksliga-Team den scheidenden Oliver Harnos ersetzen wird. Seinen künftigen Coach, Helmut Wolff, kennt Dirr sehr gut. "Er wollte einen neuen Mann fürs Tor, dem er vertraut und auf den er setzt, das hat sehr in meine Entscheidung hineingespielt."

Zwei weitere Zugänge sind außerdem schon bekannt: Max Kundt und Dany Liefke. Beide sind alte Bekannte im Erlanger Fußball, Kundt kommt aus der Brucker Jugend und spielte für den Baiersdorfer SV, ehe er sich dem TSV Burgfarrnbach anschloss. Liefke trug das Trikot der DJK Erlangen, zuletzt spielte er für den ATS Hof/West in der Kreisliga Nord. Dirr glaubt, dass die "Spieli" künftig wieder in der Bezirksliga angreifen kann. Und er selbst ein wichtiger Teil davon wird.

"Ich bin ein Lehrer-Typ"

Sein Plan für die kommenden zwei Jahre jedenfalls steht fest, nach seinem Examen beginnt für ihn im September das Referendariat. Als angehender Mittelschul-Lehrer sieht er gute Chancen, in der Region bleiben zu können. Den richtigen Job gefunden hat er schon, da ist er sich sicher: "Ich bin ein Lehrer-Typ, extrovertiert und erkläre gerne Dinge." Seit sieben Jahren arbeitet er zudem nebenberuflich an der VHS, als pädagogische Assistenz unterstützt er Mittelschul-Lehrkräfte.

Wäre keine Corona-Pandemie, würde Dirr auch regelmäßig im Glüxrausch hinter der Bar stehen – und eben am Berg kellnern. "Dabei haben mich schon meine Schüler gesehen, doch bei ihrem Lehrer haben sie dann eher ungern ihr Bier gekauft." Dass das alles aktuell wegfällt, hat Dirr zumindest beim Lernen für das Examen nicht geschadet.

Mit seiner Freundin bastelt er gerade außerdem an einem weiteren Projekt: "Wir bauen einen Bus um, damit wollen wir vor unserem Referendariat eine Reise machen." Wohin es geht, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Eventuell wird Dirr deshalb den Start der neuen Fußballsaison verpassen, doch auch der lässt sich aktuell nicht seriös vorhersagen. Sicher ist: Wenn Jonas Dirr das nächste mal auf den Berg geht, wird er es wieder als echter Erlanger Fußballer tun. "So den Frühschoppen-Sonntag zu erleben, das ist einfach geil." Dann im weinroten "Spieli"-Trikot.

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