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Fabian Schäll: "Nur Taktikfuchs sein, bringt nichts"

Bezirksliga Süd Landesliga Nordost

Der Wechsel von Fabian Schäll vom TV Hilpoltstein zum SC Großschwarzenlohe in die Landesliga ist noch nicht allzu lange bekannt. Im Interview spricht der Spielertrainer mit Regionalliga-Erfahrung über seine Beweggründe, Ambitionen beim neuen Verein sowie Inspiration durch ehemalige Trainer und Fußball-Philosophie.

Fabian Schäll (links) zündet eine neue Stufe: Im Sommer verlässt er den TV Hilpoltstein in Richtung Landesligist SC Großschwarzenlohe.

 / © Sportfoto Zink

Herr Schäll, Ihr zukünftiger Trainer und Kollege Florian Bauer hat kürzlich gesagt, dass die Landesliga selbst für einen höherklassig erfahrenen Spieler wie Sie nicht leicht sein wird. Wie denken Sie?

Man hat mir immer den Stempel aufgedrückt als derjenige, der mal Regionalliga gespielt hat. Dann ist die Motivation vom Gegenspieler vermeintlich höher, sich zu beweisen. Ich hänge das aber nie an die große Glocke. Ich bin einer von 22 Spielern auf dem Platz. Fußball ist ein Mannschaftssport und ich will mich ins Team einbringen. Die oberen Vereine in der Landesliga haben zudem durchaus Bayernliga-Niveau.

Beim TV Hilpoltstein hält man Sie für einen besonders akribischen Trainer. Haben Sie Vorbilder?

Meine Einstellung zum Fußball bestimmen die Liebe zum Detail und der Ehrgeiz. Wenn ich mich für etwas entscheide, will ich zu 100 Prozent dahinterstehen. Die Erfahrungen in der Bayern- und Regionalliga haben dazu beigetragen. Da habe ich von Karsten Wettberg, dem König von Giesing, noch die alte Fußball-Philosophie mitbekommen. Aber vor allem hat mich Markus Mattes sportlich geprägt. Seine taktische Finesse, um gegen 1860 oder die Bayern zu bestehen, aber auch wie er eine zwischenmenschliche Beziehung zu den Spielern aufgebaut hat.

Auch bei Ihrem neuen Verein, dem SC Großschwarzenlohe, lobt man neben den spielerischen Fähigkeiten auch Ihren Charakter. Was ist als Trainer wichtiger: soziale Kompetenz oder taktisches Verständnis?

In erster Linie muss man ein Vertrauensverhältnis zu den Spielern aufbauen. Als Trainer ist es die Herausforderung, mit vielen verschiedenen Charakteren zu arbeiten. Wenn die Jungs merken, dass du ihnen ernsthaft etwas beibringen möchtest, bringt das auch den Erfolg mit sich. Wenn du dieses Verhältnis nicht aufbauen kannst, kannst du der größte Taktikfuchs sein, wirst das aber nicht vermitteln.

Wie ist das dann als Spielertrainer?

Die größte Herausforderung für meinen Kollegen Florian Grau und mich in Hilpoltstein war, als Neu- und Spielertrainer eine gewisse Distanz zu wahren. Du musst auch erstmal mit deinem eigenen Spiel klarkommen, um mit guter Leistung und Beispiel auf dem Platz voranzugehen, bevor du die Trainerrolle erfüllst.

In Hilpoltstein läuft es eigentlich gut. Ist Ihnen der Wechsel schwer gefallen?

Die Entscheidung ist mir absolut nicht leicht gefallen. Ich bin ein Freund von nachhaltigen Projekten, guter Vereinsphilosophie und familiärer Atmosphäre. Das alles ist in Hilpoltstein gegeben, weshalb wir da gemeinsam etwas Schönes aufbauen konnten. Ich konnte mit vielen jungen Spielern arbeiten und sehen, wie sie sich entwickelt haben. Ich habe alle Spieler einzeln am Telefon über meinen Entschluss informiert. Die Reaktion war verständnisvoll, was nicht selbstverständlich ist und zeigt, dass unsere Beziehung gut und freundschaftlich ist. Daran habe ich am Ende schon geknabbert.

Hat die Bekanntgabe des Abgangs von Florian Grau im März zu Ihrer Entscheidung beigetragen?

Absolut. Mit Florian habe ich bereits seit meinem ersten Herrenjahr beim SC Schwabach vor zehn Jahren zusammengespielt. Spielertrainer in der Bezirksliga hätte ich mir ohne einen Ersatz für ihn nicht zugetraut. Die Kombination aus zwei Trainern bringt viele Vorteile. Man kann akribischer arbeiten, sich Meinungen bilden und bei schwierigen Entscheidungen Dinge über zwei Personen besser vermitteln. Manchmal hat es diese Kombi von uns beiden, quasi als good cop/bad cop gebraucht. (lacht)

Wie kam es zum Kontakt mit Trainer Florian Bauer und zur Entscheidung, nach Großschwarzenlohe zu wechseln?

Den Flo kenne ich schon länger über meine Freundin, und da ist über die Jahre eine Freundschaft entstanden. Wir haben uns immer wieder ausgetauscht und ich habe von Beginn an mitbekommen, was in Großschwarzenlohe wächst und was er und Reiner Großberger in den vergangenen vier Jahren auf die Beine gestellt haben. Als Spielertrainer kann ich das einbringen, was ich in Hilpoltstein gelernt habe, aber auch meine sportliche Leistung abrufen und Erfahrung an junge Spieler weitergeben. Mir ist vor allem wichtig, dass ich der verlängerte Arm von Flo und Reiner auf dem Platz bin. Die Trainerperspektive kommt erst danach.

Ist der sportliche Anreiz, eine Liga höherklassig zu spielen, also größer, als Ihre Trainerfähigkeiten auf einem neuen Level zu erproben?

Großschwarzenlohe ist einfach ein geiles Paket. Es ist sowohl der Anreiz, wieder eine Klasse höher, mit jungen willigen Talenten zu spielen und diese zu entwickeln, aber auch die Chance auf professionelle Einblicke, die ich über Flo bekomme. Wenn wir über Fußball philosophieren, kann das bis zu vier Stunden dauern und unsere Frauen verdrehen die Augen. Auch der Ansatz, den Reiner verfolgt, er lebt Großschwarzenlohe als Herzensverein. Die beiden haben mich von Anfang an begeistert, wie sie Feuer und Flamme für ihr Projekt sind. Das sind Dinge, mit denen ich mich schon immer identifizieren konnte. Deshalb habe ich mich für Großschwarzenlohe entschieden.

Was sind Ihre Ambitionen beim SCG: Klassenerhalt oder Aufstieg?

Erstmal ist es wichtig, dass ich mich mit meinen Fähigkeiten gut in die Mannschaft einbringen kann. Dann müssen nach so einer langen Pause alle gesund bis zum Winter durchhalten. Ansonsten steht zunächst einmal der Klassenerhalt im Fokus.

Torwarttrainer Tom Raffel wechselt mit Ihnen. War da Überzeugungsarbeit notwendig?

Ich schätze Tom sehr. Er ist ein Typ mit Charisma, der offen und ehrlich kommuniziert. Er hat Florian Grau und meiner Arbeit in Hilpoltstein extrem gut getan. Ich habe mich mit Tom abgestimmt, ob wir das in Großschwarzenlohe weiterführen können. Überzeugungsarbeit war da aber keine nötig. Dann ist die Fußballer-Welt auch recht klein. Flo Bauer und Tom haben zusammen in Ansbach gespielt. Die zweite Frage von Reiner und Flo war daher auch gleich, ob wir Tom mit integrieren können. Dass er mit zum SCG geht, freut mich ungemein.

Können Sie sich noch an Ihre Anfänge in Schwabach erinnern und könnten Sie sich vorstellen, irgendwann mal wieder zurückzukehren?

Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern. Der damalige Sprung aus der Jugend in die erste Mannschaft war extrem geil, ebenso der Teamspirit und wie Jung und Alt harmoniert haben. Hätte ich mit 19 Jahren nicht die Möglichkeit gehabt, nach Seligenporten in die Bayernliga zu wechseln, wäre ich gerne geblieben. Jetzt steht aber erstmal das Projekt in Großschwarzenlohe an, das schon über mehrere Jahre gehen soll. Ich kann es auch kaum erwarten die Jungs kennen zu lernen und mit ihnen die erste Einheit zu haben.

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