Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Dieter Habermann erklärt: Statuten, Neues und Alternativen

Paragraph 93: Mittelfrankens Fußball-Boss zu den Hintergründen und Auswirkungen

Nun ist klar, wie es nach der abgebrochenen Saison 2019/2021 weitergeht. Bei der Mitgliederbefragung stimmten die Klubs im Freistaat mit großer Mehrheit für das Modell, wonach Auf- und Absteiger bei der Anwendung des Paragraphen 93 über die Quotientenregelung bestimmt werden. Wir sprachen mit Dieter Habermann, Bezirksvorsitzender Mittelfranken im Bayerischen Fußball-Verband, über die Auswirkungen des Votums.

Wirbt für neue Spielmodelle: Bezirksvorsitzender Dieter Habermann.

 / © BFV

Hallo Herr Habermann, sind auch Sie froh, dass unter diese XXL-Saison nun ein Schlussstrich gezogen ist?

Ja, auf jeden Fall. Letztlich war es wichtig und richtig, dass wir im letzten Jahr nicht abgebrochen haben. So haben wir nur eine statt zwei Spielzeiten zerschossen. Den Königsweg gab und gibt es nicht.

Hätte man diese Entscheidung nicht schon längst treffen können?

Früher war es nicht möglich, es gab vielerlei rechtliche Dinge zu beachten. Es wäre auch unmöglich gewesen, die Saison nochmals zu verlängern. Laut den DFB-Statuten muss eine Saison in allen Landesverbänden zum 30. Juni abgeschlossen sein.

War es aus Ihrer Sicht die fairste Entscheidung, Paragraph 93 in seinem ursprünglichen Sinn anzuwenden?

Fair ist das falsche Wort, weil jede Lösung Härtefälle hervorbringt. Sagen wir es so: Unter allen schlechten Lösungen war es – in meinen Augen – die beste.

Warum haben sich die Vereine aus Ihrer Sicht für diese Regelung entschieden und gegen die Option, in der es keine Absteiger gegeben hätte?

Bei den Vereinen, mit denen ich im Kontakt war, spielte die Ungewissheit eine Rolle. Wie groß oder klein werden die Ligen, wer muss bei einem verstärkten Abstieg runter? Ich persönlich würde gerne etwas Neues probieren, den Modus der Ligen reformieren, aber dagegen sträuben sich die Vereine. Man kann sich offenkundig nicht zu Alternativen durchringen. Ich werde trotzdem dafür werben.

Motto: Lieber alles beim Alten belassen?

Ja, lieber so spielen, wie es schon die letzten 60 Jahre war. Aber eines ist mir in der ganzen Diskussion ganz wichtig: Natürlich wollen wir an die frische Luft, natürlich wollen wir Fußball spielen und natürlich wollen wir lachen oder weinen mit unseren Mannschaften. Aber entscheidend ist die Gesundheit.

Wie gehen Sie mit der Kritik von Vereinen um, die nach dem Mehrheitsentscheid wegen der zweiten Stelle hinter dem Komma absteigen müssen?

Diese Betroffenheit ist doch verständlich, der Ärger nachvollziehbar. Ein Abstieg ist natürlich nie schön, aber es betrifft nicht die Mehrheit. Und: Wir können es nicht allen recht machen. Es ist Fakt, dass auch jedes andere Modell Härtefälle dieser Art hervorgebracht hätte.

Was sind die Lehren der Pandemie, die der Verband für den Spielbetrieb zieht?

Es ist gut, die Vereine mit ins Boot zu nehmen bei Entscheidungen, die den gesamten Verband und alle Klubs betreffen. Es ist doch toll, wenn 80 Prozent der stimmberechtigten Vereine an der Abstimmung teilnehmen. Der Amateurfußball lebt! Es gibt viele, die nicht nur daher-, sondern wirklich mitreden wollen und die sich in Gremien einbringen.

Darf man die Mitgliederbefragung in diesem Fall als einen Schritt in Richtung mehr Mitbestimmung für die Vereine werten?

Wo fängt man an, wo hört man auf? Schwierig. Am Verbandstag, dem höchsten Gremium, gibt es die Möglichkeit, Mitglieder in bestimmte Gremien zu wählen. Oder beim Bezirkstag 2022. Wichtig ist, Kritik nicht nur nach außen zu tragen, sondern unsere Vertreter anzusprechen. Ich kann als Bezirksvorsitzender nicht alle 618 Vereine anrufen und fragen, ob sie zufrieden sind oder wir etwas anders machen müssen.

Muss der Verband nicht grundsätzlich ein offenes Ohr haben für die Vorschläge, Wünsche und Ideen der Vereine?

Natürlich, das haben wir auch. Ein Beispiel: Im Januar war die Reform der Bezirksliga ausgearbeitet, mit den Vereinen besprochen, der Großteil war dafür. Als es dann aber 14 Tage später zur Abstimmung darüber kam, haben sich die Vereine mit 22:9 Stimmen dagegen ausgesprochen. Klar, damit müssen und können wir leben – aber letztlich können wir nur gemeinsam Neues wagen.

Der BFV hat die Möglichkeit in den Raum gestellt, Ligen anders als gewohnt einzuteilen oder einen anderen Modus zu wählen. Wie konkret ist das?

Wir wissen noch nicht, wann die Saison startet und inwieweit uns Corona auch 2021/22 einschränkt. Klar ist: Wir werden den Vereinen alternative Spielmodelle vorstellen, um den Spielbetrieb möglichst vollständig durchführen zu können. Damit etwa keine 34 Spieltage gespielt werden müssen, sondern vielleicht nur 22, bei dem man dann aber auch einen Ersten und einen Letzten hat.

Also ein Modell mit kleineren Ligen, aber Auf- und Abstiegsrunde?

Richtig, da lassen wir uns einiges einfallen. Und letztlich wird das auf den Spielgruppentagungen mit den Vereinen besprochen und ein Weg beschlossen. Das kann auch der jetzige sein, mit Hin- und Rückrunde im klassischen Stil. Nur muss jeder wissen, dass uns die Pandemie weiter begleiten wird.

Mehr zum Thema

Politik erlaubt bis zu 100 Stehplätze

Das bayerische Kabinett hat sich am Dienstag in München erneut mit der Lage in der Corona-Pandemie befasst - mit positiven Nachrichten auch für den Amateurfußball.