Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk
FSV Erlangen-Bruck
SpVgg Jahn Forchheim
15.
30.
45.
60.
75.
90.

Der Kapitän nimmt in einer Fußballmannschaft eine besonders Rolle ein: Er ist verlängerter Arm des Trainers, Taktgeber, Antreiber und, wenn es auf dem Spielfeld mal hitzig werden sollte, auch Streitschlichter. Es sind viele Aufgaben, die in der neuen Saison auf den Schultern von Patrick Hagen lasten. Der 25-jährige Mittelfeldstratege wird am Sonntag (13 Uhr) erstmals in einem Punktspiel für die SpVgg Jahn Forchheim als Spielführer auflaufen - ausgerechnet beim Nachbarrivalen FSV Erlangen-Bruck.
Auch wenn in den vergangenen Wochen die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft nahezu täglich im Fernsehen übertragen wurden, fiebert Hagen dem Auftakt der Bayernliga Nord entgegen. Auch er habe viele Begegnungen der WM angeschaut, aber „ich freue mich, dass bei uns die Saison losgeht und die Vorbereitung vorbei ist“. Die hatte es in sich. Trainer Christian Springer hat seine Mannschaft hart gefordert. „Dieses Jahr sind viele neue Spieler gekommen, da mussten die konditionellen Grundlagen geschaffen werden“, sagt Hagen. Etwa die berüchtigten 400-Meter-Läufe auf der Sportinsel; jeder der Akteure musste sich total verausgaben. Zuletzt waren es kurze, schnelle Sprints über Zehn-, 20-, 30-Meter-Distanzen, wie sie in einem Fußballspiel üblich sind. Der Blick von Hagen und seinen Mannschaftskameraden richtet sich auf Erlangen-Bruck - mit Hagen als neuem Kapitän. Warum gerade er? Die Entscheidung, ihn dafür zu bestimmen, habe das Trainerteam getroffen. Ausschlaggebend sei wohl seine Erfahrung gewesen. Immerhin habe er schon einige Jahre in der Bayernliga auf dem Buckel. Ja, er werde ein Führungsspieler sein, Sprachrohr der Mannschaft und die Binde am Arm tragen — aber es gebe weitere fünf, sechs Spieler, die diese Rolle hätten übernehmen können. „Die Verantwortung ist auf mehrere Spieler verteilt. Das klappt ganz gut.“ Er werde sich in das neue Amt reinfinden. „Das ist ein ganz normaler Entwicklungsprozess“, sagt Hagen. Und wenn er mal richtig laut werden muss? „Ich hoffe, dass das nicht so oft der Fall sein wird.“ Dass er seine Konzentration aufs eigene Spiel vernachlässige und die Leistung darunter leidet, glaubt er nicht. „So schlimm ist das nicht, dass man großartig abgelenkt wird." Und wenn junge Spieler mal einen Fehler machen, dann gelte es ihnen Mut zuzusprechen.
In der vergangenen Saison legte Jahn Forchheim eine beeindruckende Vorstellung hin und schob sich Stück für Stück in der Tabelle nach vorne. Am Ende landete die Mannschaft auf einem nicht erwarteten sechsten Platz. Und kommende Saison? „Ein internes Ziel ist nicht ausgegeben worden. Ich hoffe, wir liegen im vorderen Drittel“, sagt Patrick Hagen. Doch es gebe viele Faktoren, von denen der Saisonverlauf abhänge. Hagen nennt Verletzungen oder die Leistung und Integration der Neuzugänge. Eine ähnliche Platzierung wie vergangene Saison wäre für ihn ein Erfolg. Die Stärke der Jahn-Mannschaft sei schwer einzuschätzen. Von der Breite her sei der Kader besser aufgestellt als der im letzten Jahr. Die Vorbereitungsspiele will er nicht zu hoch bewerten. „Die haben ihren eigenen Charakter.“ Jetzt müsse man die ersten Spiele abwarten, um zu sehen, wo die Mannschaft steht und einzuordnen ist. „In drei bis vier Wochen wird sich zeigen, wohin die Reise geht“, sagt der 25-jährige Industriekaufmann.
Jetzt steht erst einmal das Derby am Sonntag gegen seinen langjährigen Ex-Verein im Mittelpunkt. „Wir müssen von Beginn an 90 Minuten Gas geben“, fordert Hagen. Die richtige Einstellung sei wichtig, ebenso die Geschlossenheit. Die Gastgeber, letzte Runde auf Platz neun ins Ziel gekommen, werden in dieser prestigeträchtigen Begegnung ebenfalls alles geben, um die Punkte zu behalten. „Ein schnelles 1:0 wäre von Vorteil“, meint der Jahn-Kapitän, der weiß, dass so eine Partie „emotional“ werden kann. „Es gibt für einen Fußballer fast nichts Schöneres als ein Derby. Ich freue mich auf solche Spiele.“ Hagen wird in Erlangen wie gewohnt als Sechser auflaufen, als Scharnier zwischen Abwehr und Mittelfeld. „Meine Rolle hat sich nicht verändert. Ich werde das Spiel schnell machen und die Bälle verteilen.“ Eine Stärke von ihm, während es läuferisch und in puncto Schnelligkeit noch Luft nach oben gebe, wie Hagen selbstkritisch anmerkt. Die Stimmung sei gut. „Das war in Forchheim immer so“, betont er. Der Teamgeist spiele ein große Rolle. Gut durch die englische Woche kommen, lautet das Ziel. HANS-JOCHEN SCHAUER