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Markus Hutflesz: "Über allem steht die Gesundheit"

Interview

Neumarkt/Jura-Kreisspielleiter Markus Hutflesz äußert sich im Interview zur Fußball-Zwangspause.

Seit gut zwei Jahren ist Markus Hutflesz Kreisspielleiter im Gebiet Neumarkt/Jura.

 / © Mühling

Ende März/Anfang April ist normalerweise die Zeit, in der es in der Bundesliga und Champions League in die entscheidende Phase geht. Zugleich nimmt der Amateurfußball wieder volle Fahrt auf. Von all dem ist aktuell aber nichts geblieben. Wie steht es dabei um die Gemütslage beim Fußballfan Markus Hutflesz?

Das ist absolut bitter, hart und grausam – auf Deutsch gesagt beschissen. Um diese Jahreszeit ohne Fußball, das ist einfach Wahnsinn. Bei vielen unserer heimischen Vereine war die Vorbereitung weitgehend abgeschlossen, alle waren heiß auf den Start. Früher als Fußballer wäre ich bei einer solchen Situation wohl durchgedreht.

Und wie geht es angesichts der Corona-Krise dem Kreisspielleiter Markus Hutflesz?

Im Prinzip genauso. Am 7. und 8. März hatten wir vom Fußballbezirk Mittelfranken noch unsere Tagung in Emsing. Damals war ein derartiges Szenario eigentlich unvorstellbar, aber es ist jetzt alles so schnell gekommen, die Ereignisse haben uns alle förmlich überrollt. Als Kreisspielleiter habe ich nun natürlich weniger zu tun als sonst um diese Zeit. Es gibt zwar schon Kontakt, und manche Vereinsvertreter rufen an, um über das Ganze zu diskutieren. Doch letztlich sind die Vereine bereits durch den Verband bestens informiert.

Stichwort Bayerischer Fußball-Verband (BFV). Wie sehen Sie dessen aktuelles Krisenmanagement?

Ich bin mit dem Krisenmanagement sehr zufrieden, da kann man nichts Negatives sagen. Der Informationsfluss ist hervorragend, zum Beispiel wurden die Ergebnisse unseres großen Webinars sofort über die diversen Kanäle veröffentlicht. Die Situation ist natürlich auch für den BFV sehr schwierig. Wir sind alle keine Ärzte oder Virologen, aber selbst für die sind Prognosen ja nicht einfach. Insgesamt ist in der aktuellen Lage der Fußball nebensächlich. Die Gesundheit muss jetzt im Vordergrund stehen. Alles ist auf Eis gelegt, wir sollten uns wirklich in allen Bereichen einschränken und gerade auch auf unsere Eltern aufpassen, wenn sie schon etwas älter sind. Wer Familie hat, der weiß gerade ganz genau, was wirklich wertvoll und wichtig ist.

Bei dem von Ihnen angesprochenen Webinar ging es auch um mögliche Szenarien für die weitere Saison 2019/20. Von Fortsetzung über Abbruch bis hin zu Playoffs steht einiges im Raum. Was halten Sie für die wahrscheinlichste Variante?

Puh, schwierige Frage! Man weiß derzeit nicht, wie und wann es weitergeht. Man muss wirklich von Tag zu Tag schauen. Wir müssen vor allem auch die staatlichen Vorgaben komplett einhalten. Dass Ende April, Anfang Mai tatsächlich wieder im Amateurbereich gespielt wird, halte ich derzeit für ein wenig utopisch, denn es bringt ja auch nichts, zu früh anzufangen. Falls es in rund vier Wochen tatsächlich wie erhofft weitergehen sollte, dann würden wir die Saison auf Kreisebene mit unseren maximal 14 Mannschaften umfassenden Ligen sicher noch hinkriegen – auch wenn die ziemlich stressig und eng werden dürfte. Es wären etliche englischen Wochen nötig. Von den Vereinen weiß ich, dass sie die Partien unter der Woche nicht so gern haben, weil oft Spieler fehlen. Viele werden sicher auch auf der Arbeit stark gefordert sein, wenn die Betriebe wieder Fahrt aufnehmen. Es bleiben also einige Fragen offen.

Ist eine Saisonverlängerung denkbar?

Das haben wir bislang noch nicht durchgespielt. Es ist noch kein Thema. Wir haben es zumindest im Hinterkopf, müssen aber bedenken, dass man in diesem Fall auch den Start in die kommende Saison hinausschieben müsste. Deshalb müssen wir „step by step“ vorgehen.

Bliebe also noch der Saisonabbruch?

Das sehe ich genauso wie der BFV als letzte Option.

Und wenn es doch so weit kommt?

Dann ist die Frage, wo man den Cut setzt. Nimmt man die Hinrunde, dann gibt es das Problem, dass noch nicht alle Spiele absolviert sind. Nimmt man die aktuellen Tabellen mit den ersten Begegnungen der Rückrunde, dann sind nicht alle Teams auf dem gleichen Stand. Falls es tatsächlich zu einem Abbruch kommt, wäre für mich die Annullierung der Saison 2019/20 die favorisierte Lösung. Wir würden dann im August im Kreis Neumarkt/Jura wieder bei Null anfangen.

Da werden natürlich nicht alle zufrieden sein, es wird immer ein Für und Wider geben.

Nehmen wir zum Beispiel die Kreisliga West: Der SV Unterreichenbach ist ja theoretisch fast schon durch. Es wäre bitter, wenn der Verein wieder nicht aufsteigen könnte, nachdem er im vergangenen Jahr in der Relegation gescheitert ist.

Das Auf und Ab kann der Kreis sicherlich auch nicht alleine entscheiden?

Nein, wir müssen schauen, wie es insgesamt geregelt wird. Wer kommt aus den Landesligen und aus den Bezirksligen herunter? Das muss von oben nach unten entschieden werden. Generell glaube ich aber, dass der Auf- und Abstieg in unseren unteren Klassen auf Kreisebene angesichts der Corona-Krise eher nebensächlich ist – auch wenn einiges dranhängt, nicht zuletzt auch die fehlenden Einnahmen aus den Heimspielen, aus Festen oder aus Turnieren.

Als früherer Aktiver und inzwischen als Funktionär sind Sie seit vielen Jahren im Amateurfußball dabei. Können Sie sich an eine ähnlich drastische Situation wie jetzt im Frühjahr 2020 erinnern?

Nein, so etwas habe ich definitiv noch nie erlebt. Und selbst Funktionäre wie unser früherer Kreisspielleiter Anton Pfahler, die schon länger dabei sind, haben so etwas noch nie erlebt. Da hatte man vielleicht nach einem harten Winter mal eine Vielzahl an Nachholspielen. Vergleichbar ist die momentane Lage höchstens mit schlimmen Unglücken wie Todesfällen innerhalb einer Mannschaft. Das hat allerdings nur einzelne Spieler und Vereine betroffen. Sie konnten das nur durch Zusammenhalt meistern. Die aktuelle Krise betrifft nun alle, und wir können das jetzt nur meistern, wenn wir alle zusammenhalten. Ich finde es gut, was etliche Vereine auch bei uns inzwischen alles als Hilfe in der Not anbieten und auf die Beine stellen – vielleicht bringt das Ganze auf diese Weise doch noch etwas Gutes für unsere Gesellschaft mit sich.

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