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Diskussion über aufstiegsberechtige Reserven: Das meinen die Vereine

Umfrage

Die fußballlose Zeit, hervorgerufen durch die Corona-Pandemie, will der Spielleiter des TSV Spalt, Vanco Timov, dazu nutzen, die Diskussion über die Aufstiegsberechtigung der zweiten Fußballmannschaften neu zu entfachen: „Ich glaube, dass es ein günstiger Zeitpunkt ist, denn jetzt kann man sich ausgiebig mit der Thematik befassen und Überlegungen dazu anstellen, der Fußball ist ja in weite Ferne gerückt.“

Aufstiegsjubel ist was feines - aber soll das künftig auch Reserven möglich sein?

 / © Zink

„Ich selbst hatte die Gelegenheit, mich mit vielen Vereinsvertretern zu unterhalten, und zwar bis in die Fränkische Schweiz. Ich stieß auf große Übereinstimmung, dass die zweiten Mannschaften das Vorspiel der ersten bestreiten sollten, dies soll unterhalb den Landesligen gelten“, fasst Vanco Timov den Gedankenaustausch zusammen, „ich habe in Spalt fünf Jahre die gängige Praxis erlebt, wenn die Teams an verschiedenen Orten spielen. Es entsteht ein Riss, du benötigst mehr Personal wie Trainer und Betreuer. Das betrifft auch den Nachwuchsbereich, weil der größtenteils Praxis in der Zweiten bekommt, von da den Sprung in die Erste schaffen will. Das ist so nicht möglich.“ Für den Spielleiter ist die Trennung der Mannschaften auch Ausgangspunkt für den Spielerschwund: „Es ist schon fast ein Unding, wenn in der untersten Klasse Mannschaften mit neun Akteuren auf dem Platz stehen. Ich möchte das alles auf einer Spielleitertagung, wenn es wieder gestattet ist, diskutieren. Hierzu möchte ich aber nicht die Meinung von Herrn Dr. Rainer Koch einholen, der anderweitige Probleme zu bewältigen hat", sagt Timov.

Aus einer ganz anderen Perspektive sieht Kreisspielleiter Markus Hutflesz die aufkeimende Kritik am Stellenwert der zweiten Mannschaften: „Gerade den TSV Spalt verstehe ich überhaupt nicht, der bei mir den Antrag gestellt hat, von der Kreisklasse West in den Jura Nord wechseln zu wollen. Im Westen hatte er doch das Privileg, dass die zweite Mannschaft regelmäßig vor der ersten Mannschaft gespielt hat. Ich muss auch dazu sagen, dass ich keine Beschwerden über den jetzigen Modus habe, der fast ein Jahrzehnt besteht. Auch der Fußball hat sich im Laufe der Zeit geändert, Umstrukturierungen wurden dringend nötig. Ich glaube nicht, dass es noch so viele sogenannte Reserven geben würde, hätte die alte Regelung Bestand", sagt Hutflesz. Und was sagen die Vereine? Wir haben uns umgehört.

Die Interessenlage ist unterschiedlich

FC Wendelstein II, 2. A-Klasse Jura Nord, 32 Punkte: „Unsere zweite Mannschaft genießt einen hohen Stellenwert, sie ist sehr wichtig“, sagt Cheftrainer Andreas Speer, „ich lege viel Wert auf das Zusammengehörigkeitsgefühl. Ich verschaffe mir schon einen Überblick darüber, wer es in die Erste schaffen kann. Dies geschieht jeweils in einem Trainingsabschlussspiel. Auf der anderen Seite ist es so, dass Spieler aus der Ersten gerne einmal bei der Zweiten aushelfen. Wir stehen an zweiter Stelle und wollen alles daran setzen, dass wir in die Kreisklasse aufsteigen. Das würde dem Ansehen des Vereins zugute kommen. Dass zweite Mannschaften aufsteigen dürfen, ist für mich in Ordnung“, so Speer.

TSV Greding II, 9. A-Klasse Mitte, 20 Punkte: Der sportliche Leiter des TSV Greding, Jürgen Schmid, hat erst jetzt, seitdem er die Kicker des Schwarzachstädthens trainiert, erfahren, dass es zu Komplikationen führen kann. „Ich hatte in Freystadt das Glück, dass die Zweite immer vor der Ersten anzutreten hatte. Wir hatten hier einmal den Fall, dass ein Akteur von einem Auswärtsspiel der zweiten Mannschaft in der Pause nach Greding fahren musste, weil wir ihn gebraucht haben. Ich würde mir wünschen, dass wir zusammen unsere Partien bestreiten könnten. Vom Aufstieg ist bei uns weniger die Rede, wir schlagen uns aber gegen Vollmannschaften sehr wacker.“

 TV Hilpoltstein II, 3. A-Klasse Mitte, 30 Punkte: Die Ansetzungen der Partien der zweiten Mannschaft ist den Verantwortlichen beim TV Hilpoltstein schon ein Dorn im Auge, wie Pressesprecher Max Schuster zu berichten weiß. „Der TV Hilpoltstein möchte so oft wie möglich mit seiner Reservemannschaft vor der ersten Mannschaft spielen, da dies etliche Vorteile mit sich bringt, z.B. in der reinen Logistik rund um den Spieltag, es stärkt den Zusammenhalt der beiden Mannschaften und auch sportlich ist ein so genanntes ‚Vorspiel‘ vorteilhaft, da Spieler in beiden Teams eingesetzt werden können. Gerade junge Akteure der Zweiten Mannschaft können so durch Spielpraxis an das Leistungsniveau der Bezirksliga herangeführt werden. Uns ist bewusst, dass es nicht immer möglich ist, die Konstellation – beide Mannschaften hintereinander spielen zu lassen – zu schaffen. Der Verband versucht hier jedoch sicherlich den Interessen aller Vereine möglichst nachzukommen und die schwierigen Termin-Puzzle zum Anfang der Saison zu lösen. Wir haben hier vollstes Vertrauen an die Spielleiter und schätzen deren Arbeit. Die Rückkehr der Reserven in eine Punktspielrunde ohne Auf- oder Absteiger befürworten wir ausdrücklich nicht, da so der Anreiz in einer Zweiten Mannschaft zu spielen enorm abnimmt. Wir befinden uns mit unserer Reservemannschaft derzeit auf Platz 3 der A-Klasse Mitte, eine sehr gute Platzierung. Vielleicht ist es nach der Corona-Pause noch einmal möglich oben anzuklopfen, jedoch ist aus unserer Sicht eine Platzierung im ersten Tabellendrittel schon eine hervorragende Leistung für die junge Zweite Mannschaft, in der sich derzeit etliche Perspektivspieler befinden.“

TSV 1860 Weißenburg II, 13. Kreisliga West, 11 Punkte: Der aktuelle Tabellenführer der Bezirksliga Süd hat mit seiner zweiten Elf das Maximum ausgeschöpft, da sie nur eine Klasse unterhalb der Kategorie Bezirk angesiedelt ist. „Die Idee an sich, dass ein Aufstieg möglich ist, ist recht interessant. Die Kreisliga ist schon ein anderes Kaliber. Die Folge ist, dass wir nicht optimal dastehen, wir aber insgesamt einen großen Kader haben. Wir können uns helfen, kleinere Vereine haben da ein handfestes Problem. In Weißenburg läuft es so ab, dass die U23 nach der Ersten spielt, und zwar am Samstag, der Sonntag entfällt somit für die Junioren. So ist gewährleistet, dass alle Spieler untereinander Kontakt haben und auch mehr Zuschauer unsere Talente ansehen wollen“, weiß Chefcoach Markus Vierke

TSV Heideck II, 11. Kreisklasse Süd, 14 Punkte: Das Fachwissen von Trainer Sebastian Blab ist in Heideck äußerst gefragt. Er wechselt nahtlos, wann dies auch immer sein mag, von der zweiten zur ersten Mannschaft. Der scheidende Coach Matjaz Klampfer wird so lange bleiben, bis die Runde 2019/2020 zu Ende gespielt ist. „Ich bin mit der Zweiten aufgestiegen, es war herrlich“, plaudert Blab aus dem Nähkästchen. „Ich finde die Regelung gut, obwohl die sportlichen Schwierigkeiten absehbar waren. Wir sind in unserer Klasse die einzige zweite Mannschaft und müssen auch noch Spieler für die Erste abstellen, wenn die Leistung stimmt. Außerdem haben wir noch eine Dritte in der B-Klasse Mitte. Darauf ist unser Abteilungsleiter Jürgen Rohmer sehr stolz.“ 

DJK Allersberg II, 13. A-Klasse Nord Ost, 8 Punkte: Als im vergangenen Sommer die zweite Mannschaft der SG Allersberg die Voraussetzungen für den Aufstieg in die A-Klasse geschafft hatte, wurde erst einmal im Spielerkreis beratschlagt. Norbert Brenner, kommissarischer Abteilungsleiter, erinnert sich: „Wir haben uns überlegt, ob das überhaupt sinnvoll ist, beide Teams sind ja dann eine Klasse auseinander. Ein Verzicht kam aber dann doch nicht in Frage. Nach dem jetzigen Stand der Dinge muss ich sagen, dass es rein um den Klassenerhalt geht. Wir spüren den Unterschied zum Vorjahr gewaltig. Ich bin der Ansicht, dass wir besser platziert wären, wenn wir mehr Leistung abrufen würden.“