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Dittenheim und Markt Berolzheim: Zwischen Hoffnung und Skepsis

Amateurfußball in Zeiten von Corona

Corona dominiert die Gefühlswelt der Amateurfußballer. Während Dittenheim vom Aufstieg träumt, bangt man in Markt Berolzheim um das Jubiläumsfest.

Ein Bild aus besseren Tagen: Timo Schweiger (links) vom FV Dittenheim gegen Michael Böhm im Trikot der TSG 08 Roth. Fans und Spieler hoffen, dass es auf den Fußballplätzen der Region schon bald wieder um Punkte geht. Für Dittenheim wäre es sogar möglich, diese außergewöhnliche Spielzeit mit dem Landesliga-Aufstieg zu krönen.

 / © Gruber

Corona und kein Ende! Die Auswirkungen und Folgen der Pandemie sind nahezu in alle Lebensbereiche vorgedrungen. Doch inzwischen formiert sich auch Widerstand. Menschen wollen sich von dem gefährlichen Virus nicht weiter in die Knie zwingen lassen. Angestrebt wird eine Rückkehr zu den gewohnten Formen und Ritualen der Normalität.

Im Rahmen der Vernunft gilt es jedoch, Regeln zu berücksichtigen. Es bedarf Sorgfalt, Akzeptanz und Kompromissbereitschaft. Engagierte Interessenvertreter versuchen in ihren Bereichen den angestrebten Status möglich zu machen. So hoffen viele Amateurfußballer in Bayern auf grünes Licht von Politik, Behörden und Verbandsfunktionären zur Ausübung ihres geliebten Sports. Unter ihnen auch der Bezirksligist FV Dittenheim und die Kreisklassen-Kicker des 1. FC Markt Berolzheim-Meinheim. Beide Vereine sehen sich für den anvisierten Re-Start am Wochenende des 19./20. September gerüstet.

„Die Jungs sind heiß“, versprechen Aktive, Trainer und Verantwortliche in beiden Lagern. Dittenheim spielt in der mittelfränkischen Eliteliga oben mit, der Landesliga-Aufstieg ist kein utopisches Ziel. Daher soll nichts unversucht bleiben, das Optimum eventuell zu erreichen.

In den Reihen der „Gelb-Schwarzen“ gibt es inzwischen sogar eine „Corona-Beauftragte“. Johanna Roßmeißl fungiert üblicherweise als Beisitzerin im Vorstandsgremium, die Aktualität erfordert nun flexibles Denken und Handeln über das Kerngeschäft hinaus. „Anfangs kamen fast täglich neue Verordnungen und Hinweise zum Thema“, berichtet sie lächelnd. Ihre Aufgabe besteht darin, die einzelnen Texte aufmerksam zu studieren und danach an die Offiziellen, Trainer und Übungsleiter weiter zu geben.

Bei den Dittenheimer Frauen selbst als Aktive am Ball, kennt Roßmeißl die Mechanismen innerhalb der Vereinsstrukturen genau. Basis ihrer Arbeit ist die Umsetzung des Hygienekonzepts insbesondere während des Trainings- und Spielbetriebs. Unter anderem wird vom Bayerischen Fußballverband (BFV) vorgeschrieben, dass in der Umkleidekabine jederzeit eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen ist (außer beim Duschen). Dies sei schon etwas verwunderlich, denn bei rassigen Zweikämpfen mit direktem Körperkontakt auf dem Feld unmittelbar nach Verlassen der Kuschelzone dürfte das Ansteckungsrisiko – so Roßmeißls Einschätzung – ungleich größer sein.

Nebenbei erzielen die Verhaltenstipps im weiteren Sinn einen längst überfälligen Erziehungseffekt. Dem unappetitlichen Spucken und „Rotzen“ auf dem Platz wird in klaren Worten Einhalt geboten. Manieren? Wer sich eben beherrschen kann! Unterstützt wird die „Corona-Beauftragte“ von der FV-Führungsriege um den geschäftsführenden Vorsitzenden Klaus Jungmeier. Er glaubt eher nicht daran, dass es in knapp drei Wochen mit Liga-Partien weitergehen wird. Steigende Infektionszahlen würden schon jetzt eine gewisse Tendenz erkennen lassen. Richtungsweisend dürften ferner die Beschlüsse der bayerischen Staatsregierung in der Kabinettssitzung am Dienstag sein.

Biergartentournee statt Fußball?

Wie viele seiner Kollegen in umliegenden Vereinen bemängelt Jungmeier die oftmals nur schwer nachvollziehbare Verhältnismäßigkeit der vorgegebenen Maßnahmen. Einigkeit herrscht auch in der Frage, ob Amateurfußball ohne Publikum denkbar ist: „Geisterspiele machen keinen Sinn“, lautet der allgemeine Tenor.

Zuspruch kommt von prominenter Seite. BFV-Präsident Rainer Koch verweist in einem im Sportmagazin Kicker erschienenen Beitrag darauf, dass Kulturveranstaltungen im Freien mit bis zu 400 Besuchern erlaubt seien. So zum Beispiel eine Biergartentournee der oberbayerischen Kultband „La Brass Banda“ durch den gesamten Freistaat unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Markus Söder. Fußballspiele müssten indes unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Es falle ihm schwer, den grundlegenden Unterschied zu erkennen.

Wohl die meisten Klubs in den Niederungen des Fußballs sind auf Zuschauer angewiesen. Fehlende Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Speisen- und Getränkeverkauf sowie Werbeflächen auf dem Sportgelände können mittel- und langfristig nicht kompensiert werden.

Dessen sind sich auch die maßgebenden Personen beim Kreisklassisten 1. FC Markt Berolzheim-Meinheim bewusst. Vorsitzender Philipp Ersfeld, Abteilungsleiter Georg Bickel und Chefcoach Herbert „Berti“ Stützer sind guter Dinge, dass es mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 20. September klappen könnte: „Wir haben Corona-technisch alle Hausaufgaben gemacht und freuen uns darauf, dass es endlich wieder losgeht.“ Gemeint ist das aufwendige Prozedere zur Umsetzung des Hygienekonzepts. In fußballerischer Hinsicht ließen drei bisher absolvierte Testspiele durchaus noch Wünsche offen. Egal, der Hunger auf Fußball überlagert die Unsicherheiten.

Wohl nicht nur für den Aufsteiger wäre ein weiterer Aufschub des Einstiegs sehr schmerzlich. Bereits im März musste die Vorbereitungsphase wegen des Lockdowns abgebrochen werden. Wiederholt sich diese Negativ-Erfahrung, wäre es um die Moral der Truppe vermutlich geschehen. Soweit soll es aber nicht kommen. Nein, der FC will kämpfen und baldmöglichst den Grundstein zum Klassenerhalt legen. Noch dazu, weil vom 1. bis 4. Juli 2021 das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen des Traditionsvereins ins Haus steht.

Sehnsucht nach Fußball

Bis dahin fließt noch viel Wasser die Altmühl hinab, Grund zur Sorge besteht aber zweifellos. Verbreitet das Virus im Frühsommer nächsten Jahres immer noch Angst und Schrecken, könnte die Durchführung des Fests extrem gefährdet sein. „Verschieben bliebe als einzige Option“, mutmaßt Philipp Ersfeld. Diese Konstellation dürfte etliche Schwierigkeiten nach sich ziehen. Laufende Verträge, Termine und zahlreiche schon abgeschlossene Planungen müssten korrigiert werden. Als „große Zugnummer“ ist darüber hinaus der Landkreislauf mit Start und Ziel auf dem Jubelareal in Markt Berolzheim vorgesehen.

Kein Wunder, dass man positiv denkt. Die Fan-Gemeinde des sympathischen Vereins sehnt ebenso die ersten Auftritte ihrer Mannschaft herbei. Und irgendwann werden die „Blau-Weißen“ ausgelassen den nächsten Aufstieg feiern – dann hoffentlich ohne Maske und 1,5-Meter-Abstand.

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