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Harald Schuster vom SC Stirn: Mit 40 noch Top-Torjäger

A-Klasse West

Vom Abwehrspieler zum Stürmer, vom jungen Kicker zum Routinier: Harald Schuster vom SC Stirn ist auch im gesetzteren Fußballer-Alter noch in der Torjägerliste der A-Klasse West weit vorne. Nach dieser Saison will er etwas kürzer treten.

Früher beim TSV und beim TSV 1860 Weißenburg, inzwischen seit 2004 beim SC Stirn, zählt Harald Schuster zu den herausragenden Stürmern in der Region. Vom Stirner Sport-Club schwärmt der "Oldie" und spricht von einer "unbeschreiblichen Gemeinschaft".

 / © Uwe Mühling

Als Harald Schuster angefangen hat, war im Fußball noch vieles anders als heute. Die Gehälter waren schmaler, die Frisuren wilder und man konnte sogar Profifußballer werden, ohne ein Tattoo auf dem Unterarm zu tragen. Es war die Zeit eines Klaus Augenthaler, Karlheinz Förster oder Jürgen Kohler – technisch eher limitierte Spieler, aber körperlich überaus robuste Abräumer vor dem eigenen Tor.

Sie bekleideten Positionen, die im modernen Fußball praktisch ausgestorben sind: Libero und Vorstopper. "So hat es auch bei mir angefangen", erzählt Schuster. "In der Jugend war ich lange Zeit entweder Libero oder Vorstopper." Der Mann, der Ende der 1980er-Jahre als kleiner Junge die gegnerischen Angreifer am Toreschießen hindern sollte, ist heute 40 Jahre alt. Und längst ist er selbst einer, der für Nervosität in der Viererkette des Gegners sorgt. In der laufenden Saison hat er für seinen SC Stirn in der Fußball-A-Klasse West 20 Tore geschossen. In nur 16 Spielen. Nicht ungewöhnlich für ihn.

In der A-Jugend beim damaligen TSV Weißenburg durfte er endlich weg von der Vorstopper-Position. Weil im Angriff Personalmangel herrschte, schickte ihn der Trainer als Stürmer aufs Feld. Harald Schuster, den die meisten einfach "Harry" rufen spielte sich prompt fest auf seiner neuen Position und erzielte gleich mal 30 Treffer in seiner Premierensaison als Angreifer.

Rund 50 BOL-Spiele beim TSV Weißenburg

Im Männerbereich musste Schuster sich trotzdem erst mit Einsätzen in der zweiten Mannschaft des TSV begnügen. Erst nach und nach durfte er immer häufiger für die "Erste" auflaufen, die damals in der Bezirksoberliga (BOL) spielte. "Ich denke, ich habe etwa 50 Spiele in der BOL gemacht. Manchmal habe ich sogar am Samstag eine Halbzeit für die erste Mannschaft gespielt und am Sonntag nochmal für die zweite." Zum Stammspieler in der BOL hat er es aber nicht ganz gebracht, weil er als Maschinenbaumechaniker schon früh mit dem Schichtdienst begonnen hat. Feste Trainingszeiten waren dadurch schwer einzuhalten. Auch die Familie beanspruchte Zeit, der Hausbau sowieso. 2004 hatten die Schusters ihr Eigenheim in Stirn fertiggestellt – Schuster nutzte den Umzug zu einem Vereinswechsel. Seither ist er für den SC Stirn am Ball.

"Der Sport-Club ist damals gerade in die A-Klasse abgestiegen. In meiner ersten Saison dort haben wir direkt den Wiederaufstieg geschafft", berichtet der Stürmer. Bis zum erneuten Abstieg 2018 blieb das Team in der Kreisklasse. Aus dem jungen Talent Harald Schuster ist inzwischen ein erfahrener Spieler geworden. Der auch noch nach seinem 40. Geburtstag die Torschützenliste in der A-Klasse anführt.

Wie schafft man es, in fortgeschrittenem Alter immer noch so gut zu sein? Ganz genau weiß Schuster das auch nicht, "Torgeilheit, den unbedingten Willen, das Tor zu machen", das braucht man dafür auf jeden Fall, ist er sich sicher. Manches muss einem gegeben sein, glaubt Schuster.

"Diesen Instinkt, den kann man nicht lernen." Und man muss damit klarkommen, dass der Druck, Tore zu schießen, letztlich immer auf dem Stürmer lastet. "Wenn du die Tore dann nicht machst, macht sie wahrscheinlich keiner", sagt Schuster, der sich selbst als "Allrounder" ohne ausgeprägte Schwächen und Stärken bezeichnet. Vom Torinstinkt mal abgesehen. Nur der Schnellste sei er halt nicht mehr.

"Ich fühle mich schon ein bisschen wie ein Dinosaurier", sagt er lachend. "Aber ich bin ja schon froh, wenn die Gegner nicht Opa zu mir sagen." Das traut sich dann aber doch keiner. Niemand will Schuster, das Torungeheuer, unnötig reizen. Die laufende Spielzeit soll seine letzte Saison sein. Danach will er zwar nicht ganz aufhören mit dem Fußball, aber eben einen Schritt zurück ins zweite Glied machen. Wenn Not am Mann ist, wird er weiterhin da sein, sofern die Fitness stimmt. "Wenn ich spiele, will ich der Mannschaft auch helfen können. Ich will nicht nur Statist sein." Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein, findet er. Die jungen Spieler haben es verdient, dass die Alten den Weg freimachen.

Beim SC Stirn haben sie inzwischen viele talentierte Spieler, die aus der A-Jugend in die erste Mannschaft aufgerückt sind. In der A-Klasse sollen sie sich entwickeln, um dann in der Kreisklasse durchstarten zu können – falls der Aufstieg gelingt.

"Natürlich wollen wir das versuchen, wir wollen oben angreifen", unterstreicht Schuster. Aktuell steht der SC in der A-Klasse West auf Relegationsplatz zwei, nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Frickenfelden. Der Traum vom Aufstieg – er könnte also wahr werden. Schuster hat daran erheblichen Anteil, obwohl er das mit dem Training nicht so eng sieht. Sein Top-Torjäger neige zur Unpünktlichkeit, hat Stirns Trainer Michael Lämmermann im Dezember mal anklingen lassen. "Meine Uhr geht eben etwas anders als seine", kommentiert Schuster trocken.

Vater, Fahrdienst, Coach

Als Vater dreier Kinder (zwei Jungs und ein Mädchen), die selbst Fußball spielen, ist er häufig auch als Fahrdienst gefragt. Und obendrein auch als Coach und Betreuer bei seinen Jungs, die im Nachwuchsbereich beim TSV 1860 Weißenburg aktiv sind. Da kann es schon mal knapp werden mit dem eigenen Trainingsbeginn.

Schuster liebt seinen Verein, die "unbeschreibliche Gemeinschaft" beim SC Stirn – und wird ihm wohl auch dann treu bleiben, wenn er längst nicht mehr selbst die Fußballschuhe schnürt. Eine Tätigkeit als Betreuer oder Sportlicher Leiter könnte er sich irgendwann vorstellen. Und an Spieltagen mit einem kühlen Bier den anderen beim Toreschießen zuzuschauen, das ebenfalls. Noch ist es aber nicht soweit. "Ich denke, meine Frau wird mich auch nächste Saison noch ab und zu ins Training schicken", sagt Harry Schuster schmunzelnd.

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