Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Juri Judt: „Der Alex war in jungen Jahren schon der bessere Kicker“

Wiedersehen zweier D-Jugend-Spieler des Kleeblatt

Neben dem spannenden Abstiegskampf schreibt die Nürnberger Kreisliga auch schöne Geschichten. Zum Beispiel die von Alexander Eberlein und Juri Judt – zwei ehemaligen Profis, die sich nach vielen Jahren in der großen Fußballwelt mal wieder auf dem Sportplatz getroffen haben.

Alexander Eberlein (weiß) und Juri Judt kennen sich schon seit ihrer Zeit in der D-Jugend bei der SpVgg Greuther Fürth.

 / © Sportfoto Zink

Die Vergangenheit erkennt man vor allem in den Details der Gegenwart. Daran, wie der Ball quer über den Boxdorfer Sportplatz zu Alexander Eberlein fliegt – und der ihn dann so perfekt annimmt als hätte er seinen Schuh mit Sekundenkleber eingeschmiert. So etwas gelingt sonst nur einem anderen der 21 Menschen, die sich gerade in brütender Hitze um drei Punkte streiten. Nach 90 Minuten geht Juri Judt in seinem schwarzen Trikot glücklich vom Platz, sein SV Burggrafenhof gewinnt diesen sommerlichen Kick am vorletzten Spieltag der Kreisliga mit 6:4. Ein paar Minuten später haben beide Spielertrainer mit ihrer Mannschaft noch kurz über den abwechslungsreichen Nachmittag gesprochen. Dann haben die zwei ehemaligen Profifußballer Zeit für eine gedankliche Reise in die Vergangenheit, in die schöne Zeit in der Jugend beim Fürther Kleeblatt.

„Der Alex war besser“

Mit elf, zwölf Jahren haben sie sich in der D2-Jugend der Spielvereinigung kennengelernt, Juri Judt kam zu dieser Zeit von den Bayern Kickers nach Fürth und spielte fortan unter anderem mit Alexander Eberlein. Nach diesem einen gemeinsamen Jahr aber trennten sich ihre Wege wieder. „Der Alex war in jungen Jahren schon der bessere Kicker“, sagt Judt heute. Eberlein, Jahrgang 1988, trainierte damals immer bei den größeren Jungs mit – was später aufgrund der Regularien nicht mehr möglich war. Und so ging der zwei Jahre ältere Juri Judt seinen Weg, der ihn nach vielen Jahren in die 2. Bundesliga führte, alleine weiter. Nach zwei Spielzeiten im Kleeblatt-Trikot ging er nach Nürnberg, später spielte er für das aufkommende Leipziger Projekt, den FC Saarbrücken und Rot Weiß Erfurt. Eberlein dagegen wechselte schon in der Jugend zum TSV 1860 nach München, spielte später für den SV Sandhausen und Wacker Burghausen, wo er insgesamt 164-mal in der 3. Liga ran durfte. Vor vier Jahren entschied er sich aber für die Familie – und gegen die Karriere als Profifußballer.

Mit Mitte 20. Seit drei Jahren trainiert er seinen Jugendverein in Boxdorf, für den er weiterhin auch Fußball spielt. Im vergangenen Jahr ist der ASC, auch wegen Eberleins Erfahrung, in die Kreisliga aufgestiegen – dorthin, wo sich an einem heißen Junitag die Wege von Eberlein und Judt wieder kreuzen. „Ich habe mich damit abgefunden, aber heute war es schon extrem“, sagt Juri Judt, wenn man ihn auf die kleinen Details anspricht, die beide von ihren Mitspielern unterscheiden. „Aber ich wusste, worauf ich mich einlasse, als ich die Mannschaft im Winter übernommen habe.“ Nach einem halben Jahr in der Kreisliga bereut der 31-Jährige jedenfalls nichts, er wollte einfach nur Spaß haben, entspannt Fußball spielen – und sich nebenbei für das Leben nach der Karriere wappnen.

„Es ist schöner bei der Familie“

Alexander Eberlein, der das schon seit vier Jahren tut, sagt, „dass man sich schon ein bisschen anpasst, aber es wäre ja schlimm, wenn es nicht mehr auffallen würde, dass wir mal höher gespielt haben“. Dann lachen beide gemeinsam und schwelgen ein bisschen in Erinnerungen. Dem Leben im Rampenlicht trauern sie ausdrücklich nicht hinterher, „im Fußball gibt es viele Schattenseiten, die viele nicht sehen“, sagt Eberlein. „Man muss auf vieles verzichten.“ Beide genießen das neue Leben als Familienväter mit ihren Kindern, dass sie nicht mehr ständig durchs Land reisen müssen und den Kindern morgens ein Frühstück machen dürfen. Dass sie im Juni noch Fußball spielen, wo ihre ehemaligen Kollegen am Strand liegen? „Dann fahre ich eben in den Urlaub, wenn die wieder in die Vorbereitung einsteigen“, sagt Juri Judt und lacht. „Es ist definitiv schöner bei der Familie.“

Mehr zum Thema