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ASN Pfeil Phönix: Bis zum Tor eine Spitzenmannschaft

Alltag in der Kreisklasse 4 Teil 6

Schiefe Seitenlinien und Traumtore, Bierbäuche und Modell-Athleten. Eine Saison verbringen wir in und mit der Kreisklasse 4. Eine Saison lang berichten wir über den Fußball, der meilenweit entfernt ist von dem, was man heute modernen Fußball schimpft und der in Verbindung mit Bratwurst und Bier doch jeden Cent Eintrittsgeld wert ist. Heute: eine Trainerdiskussion.

Sinnlose Verrenkung: Auch diese Gelegenheit lassen die Assen (hellblau) ungenutzt.

 / © Matejka

Fünf Minuten sind in der Begegnung zwischen dem ASN Pfeil und dem Turnerbund aus Johannis absolviert, da ahnt man, warum die Assen nach sieben Spielen mit nur zwei Toren und auch nur drei Punkten Vorletzter sind in der Kreisklasse. Ein öffnender Pass, ein Stürmer, der alleine auf den Torwart zurennt - und scheitert. Wie so oft schon in dieser Saison. Anders ist diesmal: Adrian Elbracht, der Torwart des Turnerbunds bleibt verletzt am Boden liegen, seine Mitspieler lassen sofort den Krankenwagen rufen. 25 Minuten dauert es, bis die Sanitäter dann da sind. 25 Minuten, in denen sich ein Mann rührend und professionell um Elbracht kümmert. Die Auflösung: Der Mann ist Elbrachts Vater und Leitender Oberarzt in einem Erlanger Krankenhaus. Die perfekte Erstversorgung also für Elbracht, schöne Geschichte - nur sprechen will sein Vater am Tag danach lieber nicht mit der Zeitung.

Bei den Assen ist das ganz ähnlich, wirklich sprechen mag keiner über ein Spiel, in dem sie nach 17 Minuten tatsächlich in Führung gehen, das dritte Saisontor am achten Spieltag. Sie haben danach und davor weitere Chancen zu weiteren Treffern, scheitern aber immer wieder kläglich. Es folgen also: ein Torwartfehler vor dem 1:1, ein Traumschuss zum 1:2, weitere vergebene Möglichkeiten und die siebte Niederlage in Folge. Sie bräuchten jetzt eigentlich auch einen sportlichen Erstversorger an diesem Nürnberger Fußball-Traditionsstandort. Es findet sich aber keiner, der ihre Krankheit behandelt, einer, der etwas tut gegen die Chancenverwertung, die eigentlich nicht existent ist in dieser Mannschaft.

Wolfgang Diehm, der Trainer, böte sich dafür eigentlich perfekt an. Er hat die Assen letztes Jahr beinahe noch zum Aufstieg dirigiert. Jetzt muss er den Fehlstart moderieren - und vor allem lieber nicht darüber sprechen. Nur so viel sagt er: „Das Spiel war ein Spiegelbild unserer Saison. Wir belohnen uns einfach nicht.“ Also ein Anruf bei Klaus Wanderer. Der erste Vorstand spricht, auch wenn es ihm angesichts der misslichen Lage nicht viel Spaß macht. „Eigentlich“, sagt Wanderer, „wollten wir in dieser Saison oben angreifen. Wir sind ja eigentlich besser als in der vergangenen Saison, haben uns eigentlich noch einmal verstärkt.“ Eigentlich. Es fällt noch ein paarmal, dieses Wort. Eigentlich wollen sie keine Trainer-Diskussion führen an der Marienbergstraße. Aber natürlich kommt so eine Diskussion auf nach so einem Fehlstart in eine Spielzeit, die vielleicht die Rückkehr in die Kreisliga hätte bringen sollen. Am Dienstagabend haben sie sich deshalb zu einer Krisensitzung getroffen: Vorstand, Mannschaft, Trainer.

Wie beim FC Bayern

„Da darf jeder was sagen, der was sagen will“, sagt Wanderer. Der verweist dann noch auf die Bundesliga, dass es bei den Bayern aus München nicht mehr läuft, das könne doch auch keiner erklären. Ganz ähnlich geht es jetzt ihnen, wenn auch acht Spielklassen tiefer. Niederlage reiht sich an Niederlage, das Selbstvertrauen wird immer brüchiger, die nächste Niederlage kommt zwangsläufig. „Meistens ist dann irgendwann der Trainer schuld“, sagt Wanderer.

Er sagt aber auch, dass es „stimmt zwischen Mannschaft und Trainer“ und dass „der Trainer ein gutes Training macht“. Nur die Tore, die machen sie halt nicht. Deshalb sind sie jetzt in Abstiegsgefahr. „Den wollen wir mit aller Macht vermeiden“, sagt Wanderer. Mit aller Macht? Das heißt ja dann doch irgendwann, dass man den austauscht, der am einfachsten auszutauschen ist. Meistens ist irgendwann der Trainer schuld? Auch bei den Assen? „Im Moment ist eine Trainerentlassung kein Thema“, sagt Wanderer. Er sagt aber auch: „Nächste Woche kann das schon wieder anders ausschauen.“

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