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Boxdorf vs. Großgründlach: Es knallt, brodelt und zischt

Alltag in der Kreisklasse 4 Teil 8

Schiefe Seitenlinien und Traumtore, Bierbäuche und Modell-Athleten. Eine Saison verbringen wir in und mit der Kreisklasse 4. Eine Saison lang berichten wir über den Fußball, der meilenweit entfernt ist von dem, was man heute modernen Fußball schimpft und der in Verbindung mit Bratwurst und Bier doch jeden Cent Eintrittsgeld wert ist. Heute: ein ganz und gar großartiges Derby.

Der Derbyheld in Grün: Otto Eberle bei einem von vielen Zweikämpfen.

 / © Athina Tsimplostefanaki

Da sind sie also, die Gründlacher. Haben die wirklich nicht eine weite Strecke vom eigenen Sportplatz weg und hin zu dem des ASC Boxdorf gemacht. Viele sind gekommen, es ist ja nur knapp ein Kilometer Weg, der zwischen den beiden Vereinsheimen liegt. Laut sind sie, die Gründlacher, es brodelt, es ist ja ein Derby, das Derby in der Kreisklasse 4.

Hier der ASC Boxdorf, dort die Sportfreunde aus Großgründlach, man kennt sich, man schätzt sich, aber jetzt ist 90 Minuten mal Schluss vom Kennen und Schätzen, jetzt geht es um alles. Einer fällt sofort auf beim Blick auf den Platz. Die Nummer 29. Der Gründlacher Angreifer sieht nicht so aus, als hätte er besonders gut zugehört, als der Ernährungsberater seinen Vortrag bei den Sportfreunden gehalten hat. Er sieht aber eben auch aus, wie ein Angreifer in der Kreisklasse aussehen darf.

Dass man sich aber von solchen Oberflächlichkeiten im Fußball nicht beeindrucken lassen sollte, das zeigt Otto Eberle, so heißt die Nummer 29, dann in den 90 Minuten eines Derbys, das ganz und gar großartig wird. Dank ihm wird das so großartig, dank einer Boxdorfer Mannschaft, die - weil Absteiger aus der Kreisliga - als Favorit in diese Partie geht. Es werden 90 Minuten, in denen man manchmal wegsehen muss, so viel bekommt das Auge da zu tun. Ein bisschen Ruhe, die sich die Spieler auf dem Rasen zu keiner Zeit gönnen.

Beide Mannschaften sind sehr durchschnittlich in die Spielzeit gestartet, beide treiben sich im Tabellenmittelfeld herum, beide wollen das in diesem Derby ändern. Es gelingt nur den Gründlachern, die nach einer halben Stunde in Rückstand geraten, weil Oliver Ell die Boxdorfer in Führung schießt. Otto Eberle, der Gründlacher Angreifer, sieht es mit jenem Missmut, mit dem er sich in dieses Spiel gestürzt hat. Keine zwei Minuten vergehen, schon ist Eberle mittendrin in einem Zweikampf mit der ebenfalls nicht zimperlichen Defensive der Boxdorfer. Es kracht oft an diesem Nachmittag, oft ist Eberle beteiligt.

Dass er es auch anders kann, zeigt Eberle aber ebenfalls von Beginn an. Gar nicht so selten streichelt er den Ball, ist dank seiner unerwarteten Schnelligkeit fast immer da, wo er sein muss als Angreifer. Boxdorf spielt besser, aber die Gründlacher kämpfen - und Eberle kanalisiert seinen Missmut. Aber erst einmal trifft Sven Skribulja zum Ausgleich. Kurz vor der Pause dann: Lärm beim Gründlacher Anhang, Eberle trifft stramm zur Pausenführung. Es folgt: ein Boxdorfer Sturmlauf im zweiten Durchgang. Es ist eine Welle, der sich die Gründlacher entgegenstellen müssen, die Verteidiger, der tapfere Torwart Thomas Nadolski. Manchmal zerbrechen sie unter der Wucht. Per Elfmeter gleicht Sven Riese aus. Jetzt scheint alles seinen Lauf zu nehmen und Boxdorf einem ungefährdeten Sieg entgegenzuspielen.

Aber dann schnappt sich wieder Eberle den Ball, bringt nur ein Schüsschen zustande, aber der Torwart ist trotzdem überwunden. 3:2 für die Gründlacher. Wieder die Boxdorfer Welle, wieder ein Elfmeter und wieder trifft Riese zum Ausgleich. 80 Minuten sind da vorbei und man denkt sich, dass es jetzt mal gut ist.

„War cool heute“

Nur Otto Eberle denkt sich das nicht, nimmt sich den Ball, tanzt die Boxdorfer aus, schießt, es zischt - 4:3. Draußen bricht die Hölle los, drinnen bleiben die Gründlacher ruhig und überstehen die drei Minuten bis zum Abpfiff. Draußen trinken sie das Bier schon aus Maßkrügen, sogar gemeinsam mit den Boxdorfern - und auf dem Platz feiern sie Eberle, für den es das erste Derby in Boxdorf war.

Vom TSV Johannis ist er vor einem Jahr nach Großgründlach gewechselt - und hat vor dem Wechsel, das erzählt er so nebenbei, den Gründlachern noch drei eingeschenkt. Jetzt ist er der Held der Sportfreunde. „War cool heute“, sagt Eberle, der von den Feierlichkeiten noch etwas aus der Puste ist. „Ich bin ein körperbetonter Spieler“, sagt er auch noch, und dass „heute viel geklappt hat“. Jetzt packt er seine Sachen zusammen. Feiern im Vereinsheim? Nein, sagt Eberle. „Meine Frau wartet daheim, vielleicht trinke ich mit der noch ein Bier.“ Dann geht er, der Derbyheld.

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