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Seidel: "Ich wollte einfach möglichst alles aufsaugen"

Alltag in der Kreisklasse 4 Teil 17

Schiefe Seitenlinien und Traumtore, Bierbäuche und Modellathleten. Eine Saison verbringen wir in und mit der Kreisklasse 4. Eine Saison lang berichten wir über den Fußball, der meilenweit entfernt ist von dem, was man heute modernen Fußball schimpft und der in Verbindung mit Bratwurst und Bier doch jeden Cent Eintrittsgeld wert ist. Heute: eine harte Landung im neuen Fußballjahr.

„Es war klar, dass es nur über den Kampf geht“: Manuel Seidel (links) hatte zum Auftakt sichtlich wenig Spaß, das gilt aber auch für Florian Schöner vom TB Johannis.

 / © Sportfoto Zink

Es dauert 20 Minuten, bis man auch hört, wie unzufrieden Manuel Seidel ist. Wäre der 26 Jahre alte Offensivspieler des TSV Buch ein Skispringer, er hätte sich über den enormen Rückenwind wohl gefreut. So aber läuft er dem Ball hinterher, die kräftige Windböe, die gerade einmal quer über die Felder von Schnepfenreuth bläst, beschleunigt den Ball mehr als sie Seidel beschleunigen kann – und so versandet auch dieser Angriff, im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine Stunde nach seinem lauten Frustschrei wird Seidel sagen, dass es „von Anfang an klar“ war, „dass es heute nur über Kampf geht“, eine „Katastrophe“ seien die Bedingungen gewesen, bei denen die Kreisklasse 4 mit dem Nachholspiel zwischen dem Turnerbund Johannis 88 und der zweiten Mannschaft des TSV Buch ins Fußballjahr 2019 startete. Die schönen Rasenplätze des TB jedenfalls sollten an diesem Samstagnachmittag unberührt bleiben, stattdessen sah die Kreisklasse zum Auftakt so aus, wie man sich die Kreisklasse eben vorstellt: Der Ball holperte über den Sandplatz, der starke Wind, wegen dem einen Tag später sogar ein Zweitligaspiel in Fürth abgesagt werden sollte, behinderte beide Mannschaften gleichermaßen im Spielaufbau – die technisch sonst so starken Bucher kamen jedenfalls kaum zurecht mit den Bedingungen, in die Pause gingen sie trotzdem mit einem 1:0, weil Tim Schindler mit ordentlich Rückenwind einen umstrittenen Handelfmeter verwandelte.

Aus der Kabine kam Manuel Seidel dann als Ersatzspieler und musste sich fortan auf der Bank vom Wind anblasen lassen. Das war einigermaßen überraschend, schließlich war Seidel im bisherigen Saisonverlauf einer der auffälligsten, wenn nicht der auffälligste Spieler der Bucher gewesen. Sein Trainer Jörg Awerkow lobte ihn in der Hinserie ausdrücklich, auch im Verein blieben seine guten Leistungen nicht unentdeckt.

Und so war Manuel Seidels Winter ein bisschen härter als der vieler anderer Spieler in der Kreisklasse. Als Lohn durfte er, genauso wie Angreifer Axel Ottmann, die Vorbereitung der Bucher Landesliga-Mannschaft mitmachen. Wochenlang lief er also fleißig seine Kilometer, dokumentierte das für Trainer Manuel Bergmüller – bis ihm sein Körper zeigte, dass das alles ein bisschen viel auf einmal war. „Ich war natürlich ehrgeizig und habe alles gegeben, weil ich die Chance bekommen habe“, sagt Seidel. Dann merkte er aber, „dass ich die letzten Jahre immer nur in der Kreisklasse gekickt habe“, der Sprung drei Ligen nach oben war schlichtweg zu groß. Statt zwei-, trainierte er den Winter über viermal, doch schon nach einigen Wochen musste er immer wieder kürzertreten, die Diagnose: Knochenhautentzündung am Schienbein.

Ausgleich in der 95. Minute

Dennoch fuhr er mit der ersten Mannschaft auch ins Trainingslager an den Gardasee, wenngleich er da schon wusste, dass er in der Rückrunde weiterhin ein Kreisklassen- und kein Landesligaspieler sein würde. „Vom Tempo her ist das ein riesiger Unterschied, mit dem ich einfach noch nicht klargekommen bin“, sagt er, „ich wollte dann einfach möglichst alles aufsaugen, was man lernt.“ Mit sich selbst hat er ausgemacht, dass er bis zum Sommer weiterhin alles gibt für seine, die zweite Mannschaft des TSV – und gleichzeitig weiter daran arbeitet, den Abstand zum Rest der Landesliga-Mannschaft weiter zu verkürzen. Einmal wird er zusätzlich zu den zwei Einheiten „oben“ mittrainieren, Priorität hat allerdings der Aufstieg in die Kreisliga. „Das wäre für Buch sehr wichtig, damit der Sprung nicht mehr so groß ist“, findet Seidel.

Doch wie schwer es noch werden wird mit dem Aufstieg, das merken sie an diesem so ekligen Samstagnachmittag. In der fünften Minute der Nachspielzeit darf Manuel Seidel noch einmal auf den Platz, den Ball wird er nicht mehr berühren – und sich stattdessen noch einmal ärgern. Johannis’ Felix Stiegler köpft einen letzten Freistoß zum 1:1 ins Tor. „Nicht clever genug verteidigt“ hätten sie, sagt Seidel wenig später, „jetzt haben wir leider nur zwei statt vier Punkte Vorsprung auf den Zweiten.“

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