Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Wagner: "Wir mussten Reizpunkte setzen, um den Spielern das Alibi zu nehmen"

Alltag in der Kreisklasse 4 Teil 23

Schiefe Seitenlinien und Traumtore, Bierbäuche und Modellathleten. Eine Saison verbringen wir in und mit der Kreisklasse 4 und berichten über den Fußball, der in Verbindung mit Bratwurst und Bier jeden Cent Eintrittsgeld wert ist.

Tor? Oder doch kein Tor? Der TB Johannis (in Blau) erarbeitete sich bei BaKi viele Chancen, musste aber trotzdem bis zum Schlusspfiff zittern.

 / © Fischer

Um Dreiviertel Zwölf vermischen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des TB Johannis 88. An diesem wunderbaren Ostermontag steht Kurt Heininger in kurzer Jeans und mit einem blauen Coach-Shirt auf dem Sportplatz der Bayern Kickers, da kommt der Mann, der zuvor drei Jahre lang Trainer des TB war, an die Bande gelaufen. Vor gut einer Woche hat Peter Wagner nach drei Jahren seinen Rücktritt erklärt, ganz ohne seinen Verein kann Wagner dann aber scheinbar doch nicht.

Heininger und sein Vorgänger grüßen sich freundlich, danach sehen beide einen befreit aufspielenden TB, der sich in diesem so wichtigen Spiel sehr viele Chancen erarbeitet. Immer wieder geht ein Raunen durch die Zuschauerreihen, doch lange sieht es so aus, als würde Johannis trotz seiner Überlegenheit einfach kein Tor gelingen wollen.

Eine Viertelstunde vor Schluss scheint die zweite Mannschaft von BaKi den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen. Patrick Blankenship ist alleine durch, zielt dann aber ein paar Zentimeter rechts am Tor vorbei. Im Gegenzug zeigt ihm der eingewechselte Tom Rose, wie man es besser macht – und schießt das für alle Johanniser so erlösende 0:1. Den knappen Vorsprung bringen sie mit einer disziplinierten Leistung über die Zeit – und stellen so auch ihren ehemaligen Trainer zufrieden.

Beim 0:3 gegen Eyüp Sultan eine Woche zuvor reifte in Peter Wagner der Entschluss, nach drei Jahren beim TB einen Schlussstrich zu ziehen. Vor einem Jahr hat er schon einmal darüber nachgedacht, die Mannschaft, in der auch sein Sohn spielt, lieber jemand anderem zu überlassen, „meine Vorstellung von Fußball, von Mannschaftssport, von Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit war nicht deckungsgleich mit der von manchen Spielern“, sagt er, dann machte er aber doch weiter, auch nach dem Abstieg von der Kreisliga in die Kreisklasse.

Doch auch dort ging der Abwärtstrend des einstigen Bezirksligisten weiter, in der Rückrunde gelang dem TB bis dato nur ein Sieg, „es hat einfach nicht mehr gepasst,ich war überzeugt, dass wir etwas machen müssen“, sagt Wagner. Also hat er am Montag vor einer Woche den Verein über seinen Rücktritt informiert – und dabei auch vorsorglich klargestellt, dass der Schritt endgültig ist.

Ein kurzer Anruf genügte

„Es ist eine sehr junge Mannschaft, die noch einiges lernen muss“, findet Wagner, „der Schritt kam sicher für viele überraschend, aber wenn man das Spiel heute gesehen hat, war das ein richtiger Hallo-Wach-Effekt, der etwas gebracht hat.“ Denn viel wichtiger als seine Person ist dem TB-Urgestein, dass sein Verein die Klasse hält und sie nicht noch einen weiteren Abstieg verdauen müssen. Mit ihm, der viele Spieler schon seit der Jugend kennt, wäre dieses Ziel in Gefahr gewesen, glaubt Peter Wagner, „wir mussten andere Reizpunkte setzen, um den Spielern das Alibi wegzunehmen“.

Die Gegenwart und kurzfristige Zukunft des TB liegt nun wieder in den Händen eines Mannes, der auch zur Vergangenheit des Vereins gehört. Kurt Heininger war von 2009 bis 2013 schon einmal Trainer in Schnepfenreuth, danach hat er unter anderem den SV Poppenreuth von der A-Klasse in die Kreisliga geführt. Am Dienstagmorgen hat ihn TB-Vorstand Peter Höfler angerufen und von seinem Plan erzählt, ein paar Stunden hat Heininger schon das erste Training geleitet.

Lange musste er nicht überlegen, obwohl er momentan schon die U13 des SC Eltersdorf trainiert. Die Aufgabe beim TB reizt ihn, viel Zeit für andere Dinge als Fußball bleibt dem 61-Jährigen allerdings jetzt erst einmal nicht – weshalb er auch nur bis zum Ende dieser Saison zugesagt hat.

Mehr zum Thema