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Die nüchterne Sicht des letzten Mannes

Alltag in der Kreisklasse 4 Teil 26

Schiefe Seitenlinien und Traumtore, Bierbäuche und Modellathleten. Eine Saison verbringen wir in und mit der KREISKLASSE 4 und berichten über den Fußball, der in Verbindung mit Bratwurst und Bier jeden Cent Eintrittsgeld wert ist. Heute: Großgründlach und die Schießbude der Liga.

Benedict Ott unterlag mit seinen Sportfreunden im Derby gegen Boxdorf.

 / © Stefan Hippel

Bereits in der 47. Minute sieht dann eigentlich alles aus wie immer. Der Torhüter der Sportfreunde Großgründlach liegt am Boden und der Ball hinter ihm im Netz. An diesem Tag ist es das 3:0 für die Gäste, für den Nachbarn aus Boxdorf, und viel Hoffnung bleibt da natürlich nicht mehr für Großgründlach. Obwohl noch fast eine ganze Halbzeit zu spielen ist. Aber die Sportfreunde sind ja ein großer Favorit auf den Abstieg aus der Kreisklasse, von 0:3-Rückständen erholen sie sich eher selten. Auch die jüngsten Fußballer im Verein haben anscheinend nicht mehr so viel Hoffnung, unter der Anzeigetafel halten sie schon einmal die Nummer vier bereit.

Eine Dreiviertelstunde später darf Benedict Ott dann tatsächlich angemessen uneuphorisch seinen Arbeitsplatz räumen. Ott klappt das Netz nach oben und macht es mit zwei Schlössern an den Pfosten fest – das Großgründlacher Tor, es ist jetzt im Wortsinne verriegelt, nur eben mal wieder zu spät. „Ach, am Ende ist es doch egal, ob man 0:1 oder 0:7 verliert“, sagt Ott, nachdem er sich die Handschuhe abgestreift hat: „Punkte gibt es beides Mal nicht.“ Ein 0:7 ist es diesmal zum Glück nicht geworden, im Gegenteil. Das Knoblauchsland-Derby wurde nach dem 0:3 sogar noch einmal richtig spannend.

Immer wieder hat Ott seine Vorderleute angefeuert, sie haben auf das beliebte Konzept „hoch und weit“ gesetzt und sind darüber noch zu zwei Toren gekommen. In der 50. und in der 74. Minute zieht Oliver Mennel einfach mal ab, ein Aufsetzer und ein Traumtor sorgen für den Anschluss und weil Boxdorf am Ende nur noch zu neunt auf dem Feld steht, bekommen die Gastgeber tatsächlich noch ein, zwei Halbchancen auf den Ausgleich. Als Serkan Demir nach 94 Minuten, zehn Gelben und zwei Gelb-Roten Karten abpfeift, sind die Halbchancen allerdings Halbchancen geblieben und ist der Relegationsplatz immer noch in ihrem Besitz.

„So schaut es bei uns fast immer aus“, sagt Benedict Ott wenig später beim Blick auf die Kollegen, die erschöpft und frustriert auf dem Rasen liegen, „wir fangen immer erst das Spielen an, wenn wir hinten liegen. Wir geben dann 20 Prozent mehr.“ Drei Spieltage vor Schluss trennt die Sportfreunde deshalb nun ein Punkt vom Ligaverbleib, allerdings auch nur einer vom letzten Tabellenplatz. Dass sie da unten stehen, hat vor allem damit zu tun, dass sie nicht ganz so viel Wert auf konstante Verteidigungsarbeit legen. Großgründlach ist die sogenannte Schießbude der Liga. 77 Gegentore haben sie sich im Lauf der Spielzeit schon eingefangen, die mit Abstand meisten in der Kreisklasse 4; nur der Tabellennachbar Megas Alexandros kann da noch einigermaßen mithalten.

Wie ist das so, wenn man die Schießbude der Liga hüten muss, Herr Ott? „Ich finde das nicht so schlimm“, sagt er, der es als letzter Mann gelernt hat, das Geschehen vor ihm etwas nüchterner zu betrachten. Außerdem ist dieses Spiel gegen Boxdorf für Ott ja eine Art Beförderung. In dieser Saison läuft er erst zum dritten Mal in der Kreisklasse auf, normalerweise ist der zweiten Mannschaft ein Rückhalt. Weil Stammtorhüter Thomas Nadolski nach der Saison wohl zu Johannis 83 wechselt, hat sich Trainer Jens Zitting dazu entschieden, dem potenziellen Nachfolger Spielpraxis auf etwas gehobenerem Niveau zu verschaffen. Der zahlt das mit ein, zwei guten Paraden in der Schlussphase zurück und hält die Hoffnung auf den Ausgleich so noch etwas länger am Leben.

Der Tag nach dem Samstagabend

Insgesamt lässt sich seine persönliche Bilanz in dieser Kreisklassensaison sehen. Mit ihm zwischen den Pfosten lautet das Torverhältnis 6:7, ob es besser gelaufen wäre, wenn er regelmäßig eingesetzt worden wäre, ist aber natürlich nur Spekulation.

„Wenn am Samstagabend alle in der Disse waren, dann ist es schon schwer“, sagt Ott über die Verteidigungsarbeit in den unteren Spielklassen. Vielleicht müssten sie in dieletzten Partien einfach gleich mit der Einstellung gehen, als würden sie zurückliegen. Damit ihr Torhüter nicht wieder nach 47 Minuten traurig am Boden liegt. Und vielleicht bekommt Benedict Ott im Endspurt ja noch ein paar Möglichkeiten, sich zu beweisen. Die Hoffnung auf den direkten Ligaverbleib haben sie in Großgründlach natürlich noch nicht aufgegeben.

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