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TuSpo-Keeper Reinwand: Zwei Flüge ins Glück

Kreisliga-Relegation

In einem spannenden Relegationsspiel gewinnt TuSpo Nürnberg nach Elfmeterschießen gegen den ESV Flügelrad und steigt in die Kreisliga auf. Torhüter Steve Reinwand wird in der Schlussphase zum umjubelten Helden.

„Mit meinen Freunden aufzusteigen, das ist überragend“: Steve Reinwand inmitten seiner Mitspieler während seines letzten Fluges am späten Sonntagnachmittag. 

 / © Sportfoto Zink

Aus den Händen seiner Mitspieler hob Steve Reinwand zum letzten Flug ab. Es war der intensivste und höchste Flug für den jungen Torhüter des TuSpo Nürnberg an diesem langen Nachmittag. Mit strahlenden Gesichtern und der letzten Kraft warfen ihn seine Mitspieler immer wieder in die Luft, ehe jeder sich noch einmal bedanken wollte bei Steve Reinwand, der ihnen diesen Aufstieg in die Kreisliga geschenkt hatte. Welcher Flug am schönsten war? Reinwand lacht, als er ein paar Minuten später erzählen soll von diesen turbulenten Minuten auf dem Sportplatz des TB Johannis in Schnepfenreuth, von diesem Relegationsspiel, in dem sich sein TuSpo mit 5:2 nach Elfmeterschießen gegen den ESV Flügelrad durchgesetzt hatte. „Der Flug beim Elfmeterschießen war schöner“, sagt Reinwand schließlich, es war ja der Flug ins Glück. „Der zweite mit der Mannschaft war aber auch okay, ich kann mit beiden leben.“

Ein Aufstieg mit allen Freunden

Der in beiden Relegationsspielen so starke Sven Weinig hatte schon den ersten Elfmeter für Flügelrad über das Fangnetz gedroschen, den zweiten von Mustafa Bilir fischte Reinwand aus der Ecke – wenig später schoss Bastian Stoessel den TuSpo mit dem vierten verwandelten Elfmeter in die Kreisliga und gab das Startsignal für eine große Party. So recht fassen konnte Steve Reinwand dieses kleine Nürnberger Fußballwunder unmittelbar nach dem Schlusspfiff noch nicht, er war mit seinem TuSpo ja erst ein Jahr zuvor aus der A-Klasse in die Kreisklasse aufgestiegen. Kreisligist? „Das hört sich schon sehr gut an“, sagte Steve Reinwand, der dort in Poppenreuth schon einmal gespielt hatte, „da war ich aber mehr oder weniger zweite Garde.“ Nach einem Jahr kehrte er zurück zu seinem TuSpo, mit dem er jetzt bald als Stammtorwart in der Kreisliga spielen darf. „Mit meinem Kindheitsverein, mit all meinen Freunden aufzusteigen, das ist natürlich überragend“, sagte er.

Als er über die vergangenen Monate sprach, da skandierten die euphorisierten TuSpo-Fans hinter der Trainerbank immer wieder seinen Namen, doch Reinwand sprach erstaunlich reflektiert in diesem Moment puren Glücks. An die Kreisliga wollten sie lange nicht denken, erinnerte er sich, „wir haben zwar nach jedem Sieg, mit jeder Woche, die wir oben in der Tabelle standen schmunzelnd gesagt: ,Kreisliga wir kommen!‘ – aber damit gerechnet haben wir lange Zeit nicht. Umso schöner ist es jetzt natürlich.“ Den direkten Aufstieg hatten sie einen Spieltag vor Schluss eigentlich schon sicher, 3:0 führten sie zur Pause gegen den engsten Verfolger Vatanspor. Dann aber verloren sie noch mit 3:4 und mussten trotz eines Sieges am letzten Spieltag gegen Frankonia in die Relegation. „Die ersten paar Tage danach war das schon ein kleiner Knicks“, so Reinwand, „wir haben viele sehr junge Leute, die das nur schwer verkraftet haben.“ Doch sie rissen sich zusammen, erinnerten sich an all die schönen Momente, an die vielen Siege in dieser Saison und erarbeiteten sich mit einem 2:0 gegen den favorisierten SSV Elektra Hellas am Mittwochabend ein entscheidendes Relegationsspiel um den Aufstieg. Reinwand war dort mit 24 Jahren der drittälteste Spieler in der Startelf, ansonsten dominierten auf dem Spielberichtsbogen die Jahrgänge 1997 und 1998.

Die fehlende Erfahrung machte sich anfangs auch bemerkbar, Flügelrad kam besser ins Spiel und erarbeitete sich einige Chancen. Sven Weinig, der den ESV am Mittwoch gegen Germania eine Runde weiter geschossen hatte, sorgte mit seinen Freistößen immer wieder für Unruhe in TuSpos Abwehr, einmal touchierte sein Schuss sogar die Latte. Nach knapp 20 Minuten wurde der TuSpo gefährlicher, ESV-Verteidiger Stefan Witkowitsch kratzte den Ball gerade noch von der Linie.

„Das Glück, das man braucht“

In der ersten Hälfte blieb dem TuSpo ein Tor noch verwehrt, nach 50 Minuten aber durften sie jubeln. Eine Ecke von Tim Kett, dem Sohn von Trainer Metin Kett, boxte sich Flügelrads Torhüter Fabian Kumpf ins eigene Tor. Doch der ESV kam schnell zurück, Kapitän Christian Hummel glich in der 53. Minute aus. In der Verlängerung schenkten sich beide Mannschaften dann nichts – bis Steve Reinwand wieder in den Mittelpunkt rückte: ESV-Stürmer Manuel Widmann lief alleine auf ihn zu, hatte den Aufstieg auf dem Fuß – doch Reinwand hielt und hatte wenig später Glück, als er schon geschlagen den Ball am eigenen Tor vorbeikullern sah. „Das war das Glück, das man auch braucht“, sagte Reinwand später.

Im Elfmeterschießen bewies die junge TuSpo-Mannschaft dann, wie nervenstark sie ist und darf als Lohn nun kommende Saison in der Kreisliga spielen. „Wir sind bereit und haben uns mit dem Durchmarsch auch einen kleinen Namen gemacht“, sagte Reinwand. Nur einen Meter weiter wartete der nächste Gratulant auf den Aufstiegshelden.

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