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Vatanspor: Taktikdiskussionen am Grill

Nürnbergs liebste Liga Teil 2

Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten ist Aufsteiger Vatanspor in der Kreisliga angekommen. Gegen Mitaufsteiger TuSpo Nürnberg gab es am Sonntag ein sehenswertes 4:3 zu bejubeln.

Der Ball ist im Netz und wieder wissen alle Beteiligten nicht so recht, warum eigentlich. Am Ende geht Vatanspor (weiße Trikots) als Sieger vom Platz.

 / © Stefan Hippel

Nach 45 Minuten manifestieren sich die Anlaufschwierigkeiten von Vatanspor dann auch am Grill. Kurz nachdem Schiedsrichter Lukas Gerhäuser am Sonntag die erste Halbzeit mit einem energischen Pfiff beendet hat und die Spieler in die schattigen Kabinen eilen, würden die Gastgeber auf dem Stadionnebenplatz gerne Köfte an einige Besucher verkaufen, doch dieser Versuch scheitert bereits im Ansatz. Und gleicht damit ein wenig den Angriffsbemühungen der besten Fußballer des Vereins. Phasenweise sind sechs gestandene Männer damit beschäftigt, das Feuer unter den Hackfleischbällchen anzufachen. Vergeblich. Es wird wild diskutiert über die richtige Taktik - am Grill und nebenan in der Kabine.

Am Ende wird dann doch noch alles gut. Pünktlich mit Beginn der zweiten Hälfte sind die Köfte fertig und weitere 45 Minuten später hat Vatanspor dann auch das erste Spiel in der Kreisliga gewonnen - wenn auch unter kuriosen Umständen.

Der erste Auftritt nach dem Aufstieg ist ihnen noch gründlich misslungen: 2:5 gegen den Post SV. Anlaufschwierigkeiten eben, sagt Kapitän Mehmet Menekse nicht, aber so darf man ihn wohl verstehen, wenn er zurückblickt: "Da waren wir mit dem Kopf nicht dabei." Eine Woche später ist das beim 4:3-Sieg gegen Mitaufsteiger TuSpo Nürnberg ganz offensichtlich immer noch das Problem. Nachdem Vatanspor dank Dimitrios Fotiadis nach 21 Minuten in Führung gegangen ist, lassen sie den schönen Sommertag einfach mal Sommertag sein. Die Dominanz auf dem Feld wird viel zu selten in Form echter Torchancen zugespitzt, in die Kabine gehen sie mit einer 1:0-Führung, die ihnen anscheinend beruhigendes Polster genug ist.

Eine Einstellung, die von den Gästen nach dem Seitenwechsel sehr bald bestraft wird. Nach 54 Minuten gleicht Michele Rendina das Spiel aus, nach 63 Minuten geht Tuspo durch den Treffer von Konrad Frank sogar in Führung, die Partie ist gedreht, allerdings nicht zum letzten Mal an diesem Tag.

Im Mannschaftskreis fasst Meneske den Spielverlauf später so zusammen: "Einsnull, dann Einszwei auf die Fresse. Wir haben heute gesehen, was Kreisliga bedeutet." Als er sich noch ein wenig später aus dem Mannschaftskreis herausgeschält hat, sagt er: "Wir waren etwas platt, aber wir haben nie aufgegeben. Alle sind mit dem Herzen dabei."

Wieder ein kleines Wunder

Was Kreisliga bedeutet, das lernen bei Vatanspor ja einige gerade erst. Wobei sie sich in der Sommerpause auch mit Fußballern verstärkt haben, die sogar schon höhere Spielklassen kennengelernt haben. Engin Kalender zum Beispiel, der am Sonntag sein Potenzial allerdings nur selten ausspielen kann. "Wir sind eine komplett neue Mannschaft", sagt Menekse fast ein bisschen entschuldigend. Sieben Spieler fehlten zuletzt noch, weil sie verletzt oder im Urlaub waren. Wie stark der Aufsteiger wirklich ist, wird man vielleicht erst in ein paar Wochen wissen.

Am Sonntag reicht zunächst einmal die aktuelle Besetzung, um die ersten Punkte einzufahren. In der 67. Minute ist es wieder Fotiadis, der die Begegnung zum 2:2 ausgleicht und sich der Verdacht aufdrängt, dass das Momentum wechseln könnte. Marc Schüller widerlegt diesen Eindruck und bringt TuSpo noch einmal in Führung, wobei es vor allem Vatanspor ist, das nach einer Ecke kollektiv schlecht aussieht (77.). "Individuelle Fehler", sagt Menekse nicht nur über diesen Gegentreffer. Zum Glück haben sie an diesem Tag diesbezüglich einen gleichwertigen Gegner.

In der Vorsaison hatten sich beide Mannschaften lange um den direkten Aufstieg in Nürnbergs liebste Liga gestritten. Als am vorletzten Spieltag das direkte Aufeinandertreffen anstand, schien der Streit nach den ersten 45 Minuten entschieden. 3:0 führte TuSpo da, bis Interimstrainer Ilker Koc die Mannschaft daran erinnerte, dass dieser Sport immer wieder zumindest für kleine Wunder gut ist. Vatanspor drehte die Partie noch und blickte sich anschließend nicht mehr um.

Am Sonntag wiederholte sich das. Saif Greco, in der 74. Minute eingewechselt, erzielt erst per Kopf das 3:3 (83.) und zwei Minuten später sogar noch den Siegtreffer. Die Anlaufschwierigkeiten sind überwunden.

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