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Ahmet Aydin: Ein loyaler Glücksgriff

Nürnbergs liebste Liga Teil 11

In Fürth hätte Ahmet Aydin fast den Sprung in den Profifußball geschafft, später spielte er in der zweiten türkischen Liga. Mit 33 Jahren ist er jetzt bei Bayern Kickers – und sammelt an der Seite von Saim Kök erste Erfahrungen als Trainer.

„Er ist eine große Bereicherung“, sagt Saim Kök, der Trainer des FC Bayern Kickers (links), über seinen derzeit verletzten Assistenten Ahmet Aydin (rechts).

 / © Zink

Wenn Saim Kök über seinen neuen Assistenten spricht, dann gerät er beinahe ins Schwärmen. „Ahmet ist meine absolute Vertrauensperson im Verein“, sagt der Trainer des FC Bayern Kickers. Schon im Sommer, als dieser Ahmet, Nachname Aydin, nach Kleinreuth wechselte, sprach Kök nur in wärmsten Worten über seinen bekanntesten Zugang nach dem Abstieg. „Er ist eine große Bereicherung als Co-Trainer. Auf und neben dem Platz muss man ihn als Glücksgriff bezeichnen.“ Wer mit so viel Lob bedacht wird, muss scheinbar sehr vieles sehr gut machen. Ahmet Aydin hat am Montagvormittag genug Zeit um über sich, Glücksgriffe und Vertrauen zu sprechen, schließlich hat er sich im September beim Spiel gegen Burggrafenhof das Kreuzband gerissen, wurde erst vor zwei Wochen operiert und sitzt jetzt an diesem schönen Herbsttag daheim.

Also, Herr Aydin, warum sind Sie ein Glücksgriff? „Ich bin loyal, ehrlich und direkt“, sagt Ahmet Aydin dazu, „wenn ich einen Fehler sehe, dann sage ich das demjenigen auch ins Gesicht. Selbst wenn es wehtut.“ Weh tat Saim Kök das allerdings bislang nicht, ganz im Gegenteil. Er ist froh und glücklich, nach dem Abstieg einerseits einen Führungsspieler, andererseits aber auch einen Menschen dazugewonnen zu haben, der genauso tickt wie er, einen, der die gleiche Leidenschaft für den Fußball hat.

Dabei deutete noch vor einigen Jahren nichts darauf hin, dass Ahmet Aydin im Herbst 2019 ein verletzter Spielertrainer in der Kreisliga sein würde. Als „Kind aus einer Arbeiterfamilie“ kickte der junge Ahmet einst auf den Straßen Nürnbergs und wurde dort von seinem ersten Trainer entdeckt. Von diesem bekam er seine ersten Fußballschuhe, mit denen er dann beim ATV Nürnberg in der D-Jugend zum ersten Mal im Verein spielte. „Ich war gleich bei den Älteren und haben gegen Leute gekickt, die zwei Köpfe größer waren“, erinnert sich Aydin. Danach ging er zum ESV Rangierbahnhof, die Gegner hießen Club und Kleeblatt, „mit 18 wollte ich dann in die Landesliga“, doch ein Wechsel zum ASV Zirndorf scheiterte. Also ging er zu Dergahspor, bis ihn in Reiner Geyer wieder ein Trainer entdeckte. Nur war der für die zweite Mannschaft der Spielvereinigung Greuther Fürth zuständig.

Ahmet Aydin bekam einen Jahresvertrag, spielte mit bekannten Namen wie Sercan Sararer, Nicolai Müller und Edgar Prib zusammen. In einem Testspiel gegen die Profis schoss er sogar ein Tor, plötzlich war der Straßenkicker aus Nürnberg in den Medien, er sei doch einer „für Möhlmann“, Vorname Benno, den damaligen Trainer der Profis. „Sie wollten mir dann einen Dreijahresvertrag geben, aber mein Berater wollte nur einen kürzeren, damit ich schneller nach oben komme“, erinnert sich Ahmet Aydin.

Es war keine gute Entscheidung, das weiß er heute. Nach einer langwierigen Verletzung fasste er nie mehr wirklich Fuß und wurde mit 22 aussortiert – weil er zu alt war. Doch dann rief ihn die große Welt des Profifußballs doch: Bei Göztepe, einem heutigen Erstligisten, der damals noch ein Zweitligist war, unterschrieb er einen Dreijahresvertrag, spielte fast immer – verabschiedete sich aber schon nach neun Monaten wieder. „Es ist alles etwas komisch gelaufen“, so Aydin. „Wenn ich heute daran zurückdenke, hätte ich es einfach durchziehen sollen.“ Also ging er zurück nach Deutschland, spielte für Neumarkt, Lauf, begann eine Ausbildung, „ich wollte etwas anderes machen, denn Fußball ist ein dreckiges Geschäft“, sagt Aydin. Ganz lassen konnte er aber nicht von diesem Sport, der ihm ein so abwechslungsreiches Leben beschert hat. Bei Cagrispor übernahm er nach Turgay Karalis Abgang zusammen mit Okcan Tekdemir als spielender Co-Trainer – und war plötzlich Kollege von Saim Kök.

Inzwischen trägt Ahmet Aydin das Wappen der Bayern Kickers auf der Brust, für ein paar Monate noch nur an der Seitenlinie. Ob er jemals wieder Fußball spielen wird, das will er entscheiden, wenn die Reha abgeschlossen ist. Seinen Körper will er jedenfalls nicht kaputtmachen, nur um noch ein oder zwei Jahre dranzuhängen. „Ich werde bald 34“, sagte Aydin. „Ich brauche mein Knie noch mein ganzes Leben lang.“

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