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Vatanspor: Ein ganzer Verein träumt

Nürnbergs liebste Liga Teil 14

Nach dem Aufstieg in die Kreisliga könnte bei Vatanspor auch dank des Trainers am Ende der Saison schon die nächste Versetzung anstehen.

Der „Dreieraufbau von hinten heraus“ hat mal wieder gut funktioniert, Vatanspor darf auch gegen den Post SV jubeln.

 / © Weigert

Wer denkt, dass man als Trainer in der Kreisliga halt zweimal in der Woche einen Ball auf den Ascheplatz schmeißt, das dann Training nennt, und am Sonntagnachmittag die elf nüchternsten Spieler aufstellt, der sollte sich vielleicht nicht mit Ahmet Dönmez unterhalten. Der trainiert seit dieser Saison einen dieser Kreisligisten: Vatanspor ist als Aufsteiger in diese Saison gestartet und bekam am ersten Spieltag gleich einmal das, was man ligenunabhägig Abreibung nennt. 2:5 hieß es am ersten Spieltag beim Post SV. „Da waren wir mit dem Kopf noch nicht dabei“, sagte damals ein wenig später Mehmet Menekse, der Kapitän.

Inzwischen ist der Kopf eigentlich immer dabei, wenn Vatanspor Fußball spielt. Als Tabellenzweiter gehen sie in das Rückspiel gegen die Post, die die Vorrunde ebenfalls dazu genutzt hatte, sich zu einer Spitzenmannschaft der Liga zu machen. So sieht das dann auch aus auf dem Stadion- Nebenplatz am Sonntagnachmittag, es entwickelt sich eine Partie, wie man sie in der Kreisliga selten sieht, was Tempo und Spielkunst betrifft. Die besseren Künstler kommen am Ende von Vatanspor, 2:0 (1:0) heißt es bei Abpfiff, Dimitrios Fotiadis und Deniz Arici erzielen die Tore. „Wir und auch die Post stehen nicht umsonst da oben in der Tabelle“, sagt hinterher Ahmet Dönmez. Ärgern will er sich nur über die ersten 15 Minuten, als die Gastgeber viele Chancen auslassen.

Diese Phase meint Dönmez auch, als er nach der Partie im Spielerkreis sagt, „dass wir uns nur selbst wehtun können“. Weil sie das nicht vorhaben, könnte am Ende der Spielzeit natürlich der nächste Aufstieg stehen, wenngleich Mögeldorf bislang den stabilsten Eindruck macht in dieser Liga. Bei Vatanspor wollen sie erst einmal den zweiten Platz sichern, dann könnten sie immerhin in der Relegation versuchen, in die Bezirksliga zu klettern. Angst müssten sie vor der neuen Umgebung nicht haben, sagt Dönmez: „Ich schaue viele Bezirksliga- und Landesligaspiele – das nimmt sich zu unserem Spiel nicht viel, sowohl spielerisch als auch körperlich. Wir können hier auch in der 90. Minute noch ins Gegenpressing gehen.“ Abgesehen davon, dass man nicht so recht weiß, was der Unterschied zwischen Pressing und Gegenpressing genau sein soll, merkt man Dönmez an, dass er ein ehrgeiziger Trainer ist in der Kreisliga. Die 90 Minuten kommentiert er zum Beispiel fast durchgängig und lautstark. Muss so sein, sagt er: „Ich habe Spieler, die eine Aktion machen und dann dem Pass hinterherträumen.“ Er weckt sie aus ihren Träumen und bringt so den ganzen Verein zum Träumen.

Dönmez ist auch Co-Trainer der U15 der Spielvereinigung Greuther Fürth. Dort, sagt er, lässt es sich oft leichter arbeiten. „Der Schwamm ist bei den Jugendlichen noch nicht so voll“, sagt er, „die Ablenkung durch Alltagssorgen ist noch nicht so groß.“

Videos aus der Premier League

Einen Unterschied in seiner Arbeit macht er dennoch nicht, auch seinen Kreisligaspielern schickt er Videosequenzen aus der Premier League aufs Handy, damit sie noch einmal sehen, welche Laufwege er sich von ihnen wünscht. „Ich lege viel Wert auf Ausbildung“, sagt Dönmez und freut sich, dass gegen die Post „der Dreieraufbau von hinten heraus“ so gut funktioniert hat. Überfordert, glaubt er, seien seine Spieler damit nicht. Der Erfolg, den sie gemeinsam haben, bestätigt ihn in diesem Glauben. Sie sind mit einer recht neu zusammengestellten Mannschaft in diese Liga gestartet, jung ist das Team auch – und von Dönmez akribisch geplant. Zum Beispiel hat er darauf geachtet, dass nicht zu viele Schichtarbeiter in der Mannschaft stehen, weil die eben doch mal ein Training verpassen und Training, sagt Dönmez, ist ihm wichtig. Manchmal schauen in diesem Training jetzt Spieler vorbei, die schon in der Landesliga gespielt haben, aber sehen möchten, was dieser Dönmez so anders macht. „Die können dann bei uns das Tempo nicht mithalten“, sagt Dönmez und schaut sehr zufrieden aus.

In der Winterpause, sagt er, wollen sie das Gesicht der Mannschaft noch einmal leicht verändern. Noch besser, heißt das, wollen sie werden. Das dürfte dann schwierig werden für jene Kreisliga-Trainer, die ihnen nur die elf Spieler entgegenstellen, die den Samstagabend einigermaßen unbeschadet überstanden haben.

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