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Döllfelders Saison des Lebens: Es begann mit einem Douglas-Costa-Selfie

Saison des Lebens

Jeder, der Fußball gespielt hat, kennt sie: die „Saison des Lebens“. Eine Spielzeit voller Erinnerungen an eine große Mannschaft, einen tollen Trainer, an Tore, die so niemand mehr schoss, an Spiele, die so niemals wieder gewonnen wurden. In einer Serie widmen wir uns genau diesen Geschichten und lassen diejenigen erzählen, die damals ihre „Saison des Lebens“ feierten. Diesmal: Manuel Döllfelder, heute Torhüter beim ASV Fürth, gestern international unterwegs im Uefa- Futsal-Cup.

Mit diesem Selfie begann alles: Döllfelder mit Douglas Costa und dessen Daumen.

 / © privat

„Wusstest du, dass Döllfelder schon mal mit Jahn Regensburg Futsal Champions League gespielt hat?“, schreibt Manuel Döllfelder an den Sportredakteur via Instagram. Nein, das hat er nicht gewusst, aber zuzutrauen ist diesem Fußballverrückten vieles, warum nicht auch Champions League?

Wenige Tage später schickt er Fotos per E-Mail. Neben den vielen Jubelbildern ein Selfie mit dem Bayern- Profi Douglas Costa, mit dem diese „Saison des Lebens“ von Manuel Döllfelder beginnt. „Die Begegnung hatte ich beim allerersten Training mit Jahn Regensburg“, schreibt er. Der Torhüter hatte die schlimmsten Monate seiner durchaus beachtlichen Amateurlaufbahn hinter sich. In Diensten des TSV Buch brach er sich das Sprunggelenk und musste zweimal operiert werden, das zweite Mal im Januar 2017.

Viel zu früh, wie er heute sagt, warf er nach drei Monaten die Krücken in die Ecke, weil er so fußballverrückt ist, und begann, wieder zu trainieren. Denn er hatte ein Ziel, das in Buch nicht möglich war. Also wechselte er zum SV Schwaig, wo er zwischen den zwei Trainingstagen mit dem Bezirksligisten dreimal die Woche auch in der Halle trainieren durfte: in der Futsal-Mannschaft von Jahn Regensburg.

Manuel Döllfelder (mit Bart) im Kreis der Futsal-Mannschaft von Jahn Regensburg auf dem Frankfurter Flughafen.

 / © privat

Dorthin gelotst hat ihn ein alter Bekannter, den er beim Landesauswahl-Turnier 2014 kennengelernt hatte. Lucas Kruel ist einer der besten Futsalspieler Deutschlands und Jugendfreund von: Douglas Costa. Das Selfie entstand bei einem Trainingsbesuch des Stars bei seinem Kumpel. „Verrückt“, schreibt Döllfelder, „du kommst rein in die Kabine, sagst servus. Dann hockt er da hinten in der Ecke und ich denk mir: okay.“ Und wenn eine Geschichte schon einmal so los geht, kann es nur spektakulär weitergehen.

Drei Spiele, drei Siege

2017 ist Jahn Regensburg deutscher Futsal-Meister geworden und war damit für den damaligen Uefa-Futsal-Cup qualifiziert, „das höchste, was du spielen kannst“, erzählt Döllfelder nun am Telefon. Ein Jahr später hieß der Wettbewerb Futsal-Champions-League. Doch auf den Namen kommt es dem heute 29-Jährigen nicht an. Er sagt: „Die Reise nach Schweden war das Spannendste in meinem Fußballerleben.“ Fünf Tage dauerte die erste Runde, die in der Stadt Uddevalla unweit von Göteborg stattfand. „Vor dem Abflug haben wir in Regensburg übernachtet, dann früh mit dem Bus nach Frankfurt, um beim DFB vorstellig zu werden“, erzählt Döllfelder, als wäre es gestern gewesen. Leider kann man übers Telefon die leuchtenden Augen nicht sehen, aber man hört auch drei Jahre danach noch die Euphorie in seiner Stimme.

Der DFB habe extra zwei Lufthansa-Schalter am Flughafen für die Mannschaft reserviert, in Schweden stellte der gastgebende IFK Uddevalla Hotel und Verpflegung – zum Dank klauten die Deutschen ihnen die Punkte. Der Jahn gewann mit Döllfelder im Tor alle drei Spiele: gegen die Meister aus San Marino und Andorra und nach 0:1-Rückstand noch 3:1 gegen den schwedischen Titelträger.

Die Luft in der Halle brannte, „mit Rundum-Tribüne, Einlaufmusik, extra Eingang zur Halle für die Spieler, mit allem Drum und Dran“, schwärmt er noch heute. Der Jahn kam als Gruppenerster in die nächste Runde in Finnland, doch diese Reise trat der Fürther nicht mehr an, „weil es von der Arbeit her nicht geklappt hat“. Döllfelder arbeitet bei einem großen Homecare-Unternehmen, ist zuständig für den Fuhrpark und Arbeitssicherheit.

Seine eigene Sicherheit hat er für die Traumreise allerdings sträflich vernachlässigt, sein Körper habe sich gemeldet nach dem vielen Training. „Ich habe es übertrieben“, sagt er am Telefon, „meine Freundin nickt.“ Er habe damals „einfach mitgenommen, was kam“. Aber in den Monaten danach sind immer mehr Wehwehchen aufgebrochen, „der Körper war müde“. Er beendete das Kapitel Regensburg.

Doch es ist davon auszugehen, dass er es wieder so machen würde. Dafür macht ihm das vielgescholtene Futsal viel zu viel Spaß. „Ich verstehe die Kritik vieler, die lieber Hallenfußball sehen“, sagt er. Es sei nicht schön anzuschauen, „wenn das Niveau nicht passt“. Doch mit Anfang 20 beim FC Bayern Kickers unter Trainer Jasmin Halilic, „da hab’ ich’s plötzlich gecheckt. Du hast einfach viel mehr Spielsituationen“. Und ihm selbst verschaffte Futsal die Saison seines Lebens.

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