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Bernd Mielack und Michael Paul: Mit dem Wasserrad im Herzen

"Seelen des Vereins"

Seit 50 Jahren sind Bernd Mielack und Michael Paul mit großer Leidenschaft beim FSV Stadeln aktiv.

Drei Gesichter des FSV Stadeln: Die beiden Spielleiter Bernd Mielack (von links) und Michael Paul mit dem langjährigen Kapitän Tobias Wölfel. 

 / © Wolfgang Zink

Wenn die Anspannung langsam steigt und die Hymne „Der Stolz von Stadeln“ ertönt, dann liegen hinter Bernd Mielack und Michael Paul schon einige Stunden Arbeit. Die Blicke richten sich trotzdem auf andere: auf den Schiedsrichter, der das Spiel jeden Moment anpfeift, auf die 22 Fußballer auf dem Rasen, von denen einer womöglich noch zum Helden wird. Mielack und Paul hingegen sitzen auf der Bank, sie sind zwar da, immer verlässlich, aber stehen nie im Mittelpunkt des Geschehens.

1970 sind beide zum FSV gekommen, haben alle Jugendmannschaften durchlaufen und ihr Herz mit jedem Jahr ein bisschen mehr an ihren Verein verloren. Mielack war anfangs noch Torwart und schoss für die zweite Mannschaft später viele Tore. Paul hingegen war ein „eisenharter Verteidiger“, der das Trikot des FSV in 671 Spielen getragen und bis zu seinem Karriereende im Jahr 2004 „auf allen Positionen außer Torwart“ gespielt hat.

Als Paul noch auf dem Platz stand und den Gegnern den Ball vom Fuß grätschte, da begann für Mielack schon die Karriere nach der Karriere. Vor 33 Jahren, daran erinnert sich der heute 58-Jährige genau, saß er mit dem langjährigen Vorsitzenden Rudi Hirschmann am Biertisch. „Er hat mich gefragt, ob ich nicht als Spielleiter bei der zweiten Mannschaft anfangen will, weil ich ja eh immer da bin“, erinnert sich Mielack. „Da musste ich nicht lange überlegen.“ Also kümmerte er sich fortan um die Mannschaft, stand dort als Trainer an der Seitenlinie und dirigierte die Spieler. Wenn es etwas zu tun gab, war der ehemalige Mittelstürmer da – eine Haltung, die er sich bis heute erhalten hat. Um die zweite Mannschaft kümmern sich heute andere, Mielack ist längst zu einem nicht mehr wegzudenkenden Teil der „Ersten“ geworden – zusammen mit seinem Kumpel Michael Paul.

Gute Gespräche am Biertisch

Der wollte nach seiner aktiven Zeit eigentlich als Trainer einsteigen, „dann hat mich der Bernd aber gefragt, ob ich mir nicht vorstellen kann, zweiter Spielleiter zu werden“, erzählt der 56-Jährige. Das Ergebnis: Nach einem „guten Gespräch am Biertisch“ war Paul ebenfalls Spielleiter, seit 15 Jahren kümmern sich die beiden nun gemeinsam um die Fußballer des FSV Stadeln. Gemeinsam, ohne Hierarchie. „Wir sind so lange zusammen, zwischen uns passt kein Blatt Papier, weshalb es keinen Ersten oder Zweiten gibt“, betonen sie. Alleine sei der Job auch nicht machbar, dafür ist er zu anspruchsvoll, zu zeitaufwändig.

Das Duo hat den Anspruch, bei jedem Training der ersten Mannschaft da zu sein – in der Vorbereitung teilweise fünf Mal pro Woche. „Es gibt immer was zu tun“, so Mielack; Schuhe, Trikots, die guten Seelen des Vereins haben immer ein offenes Ohr. Und wenn es auf Reisen geht, in der Landesliga teilweise bis weit nach Oberfranken oder in die Oberpfalz, dann sorgen die zwei dafür, dass alles perfekt organisiert ist. Zwei Stunden, bevor die Spieler zum Treffpunkt kommen, sind die Spielleiter dann schon am Sportplatz, haben den Reisebus bestellt, „Getränke, Vesper, Spielklamotten, das muss alles organisiert sein“, sagt Paul. Der ganze Samstag geht dafür drauf, „manchmal auch noch der halbe Sonntag, weil man morgens länger liegen bleibt“, scherzen beide, „wir sind eben sehr gesellig beim FSV“. Mit diesem Zusammenhalt, ob auf dem Sportplatz oder im Vereinsheim, hat sich der einst kleine FSV mittlerweile zu einer guten Adresse im mittelfränkischen Amateurfußball entwickelt.

Dart mit Bauch

Mielack und Paul können viele Anekdoten erzählen, natürlich besonders von den Aufstiegen, die sie gemeinsam gefeiert haben. 2003 begann der Höhenflug des FSV, von der Kreisliga ging es immer weiter nach oben, „der erste Landesliga-Aufstieg gegen den SV 73 Süd in der Relegation 2012 war auf jeden Fall ein Highlight“, sagt Paul.

Nach dieser Saison aber soll Schluss sein, das haben beide schon länger beschlossen. „Wir haben genug für den Verein gemacht“, sagt Mielack, „jetzt sollen mal die Jüngeren ran.“ Ihrem FSV bleiben sie natürlich treu, „wir haben ja das Wasserrad im Herzen“, aber so viel Zeit wollen sie nicht mehr opfern.

Mielack ist Großvater geworden, überhaupt haben ihre Familien in all den Jahren auf viel verzichten müssen. Stattdessen wollen die beiden „ins Dart-Geschäft einsteigen“, wie Paul erzählt. „Da kann man auch mit einem Bierbauch erfolgreich sein, wie man bei der WM gesehen hat.“

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