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Neustädter Zweckehe muss noch einige Hürden nehmen

B-Klasse 5

Verantwortliche von TSV und FSC Franken planen eine Fusion zum Juli, brauchen aber die Zustimmung von 75 Prozent ihrer Mitglieder und einen neuen Namen.

Sportliches Tauwetter? In Neustadt möchte man dem Fußball Impulse für eine bessere Zukunft geben.

 / © Sportfoto Zink

Die Scheidung vor 30 Jahren war schmutzig, umso schöner soll nun die Wiedervereinigung werden. Die Verantwortlichen der beiden Neustädter Vereine TSV 1861 und FSC Franken planen eine Fusion, nachdem sich der heutige FSC im Jahr 1990 wegen "unüberbrückbarer Differenzen" vom TSV abgespalten hatte. Tatsächlich gibt es sogar eine weitergehende Vision für die gemeinsame Zukunft: Die Hochzeit soll dereinst in eine "Vielehe" münden.

"Vielleicht sind wir damit sogar Vorreiter", sagt Norbert Hirsch und klingt nachgerade enthusiastisch: "Ich könnte mir eine Art Neustädter Sport-Dachverband vorstellen. Mit dem TTV, mit den Schützen, mit anderen Vereinen – alle zusammen unter einem gemeinsamen Dach und mit Hauptamtlichen, die sich um das Management kümmern." Was der Vorsitzende des FSC Franken Neustadt da formuliert, muss in den Ohren der Neustädter geradezu revolutionär klingen. Denn so lange ist es noch nicht her, dass sich die verschiedenen Vereine der Stadt mehr oder weniger spinnefeind waren – abgetrennt vom TSV hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten etliche Abteilungen, und selten verlief der Abschied friedlich. Seitdem kochen beispielsweise die Judokas und die Skifahrer ihr eigenes Süppchen, tummeln sich die Handballer in zwei verschiedenen Klubs und die Lokalderbys zwischen diesen Mannschaften sind oftmals gelebte Rivalität. Und das alles soll nun wieder eins werden?

Gemach, gemach – ganz so schnell schießen die Neustädter nicht. Denn bevor über Hirschs Version überhaupt nachgedacht werden kann, sind die Mitglieder des TSV und des FSC gefragt. Jeweils 75 Prozent müssen einer Fusion ihrer beiden Vereine zustimmen, um überhaupt den ersten Schritt gehen zu können: Angesichts von 850 Mitgliedern beim TSV und weiteren 350 beim FSC ein durchaus kitzliges Unterfangen.

Um einen Abstimmungserfolg möglich zu machen, werden Sigrid Becke und Peter Dippold, das Führungsduo beim TSV, sowie Norbert Hirsch und sein Stellvertreter Peter Kreß als die Verantwortlichen beim FSC nicht müde, die Vorzüge einer "Wiederheirat" zu betonen. Der demografische Wandel, der schleichende Verlust von Mitgliedern, die Probleme, in einer Kleinstadt Sponsoren für mehrere Vereine zu finden, die zunehmend schwierige Suche nach Ehrenamtlichen, nach Trainern, nach Betreuern – all dies ließe sich in einer größeren Einheit viel besser auffangen.

"Unsere Basis wäre plötzlich eine ganz andere, unsere Verhandlungsposition mit der Stadt deutlich stärker", sagt Peter Dippold, und Peter Kreß verweist – ganz im Sinne eines selbstbewussten "Juniorpartners" – auf die jungen Kicker des FSC: "Zwölf Jugendmannschaften, das ist schon ein Pfund, mit dem man wuchern kann." Für Sigrid Becke steht vor allem ein Gedanke im Raum: "Wer will denn heute noch Verantwortung übernehmen? Es wird immer schwieriger, dafür noch jemandem zu finden, und mit dem Zusammenschluss hätten wir schlagartig eine deutlich größere Führungsmannschaft."

Kein bezahlter Fußball mehr

Tatsächlich könnten die Voraussetzungen für eine funktionierende Zweckehe – von einer Liebesheirat spricht momentan vorsichtshalber noch keiner der Beteiligten – kaum besser sein. Ein TSV ohne Fußball ist für viele Neustädter nur ein halber Verein – der Verlust der Kickersparte nagt schwer am Selbstwertgefühl des Traditionsklubs und seiner Mitglieder. Zwar will kaum jemand den am reinen Erfolg orientierten und mit viel Geld einflussreicher Sponsoren geförderten Leistungssportgedanken zurück (Peter Dippold: "Bezahlter Sport ist definitiv kein Thema mehr"), aber ein Fußballspielbetrieb auf dem Gelände an der Weißen Marter in der Amateurversion ist für Neustädter Sportfans ein Muss.

Die Vorarbeit dazu ist schließlich schon erledigt: Die Neustädter Herrenmannschaft setzt sich bereits aus Kickern der beiden (noch) getrennten Klubs zusammen und dies nach dem schmachvollen Absturz in die unterste Liga zunehmend mit Tendenz nach oben: Zwar kickt die Truppe, zuletzt mit zurückgeholten ehemaligen Eigengewächsen angereichert, immer noch ganz unten, doch zur neuen Spielzeit will man in der A-Klasse angreifen – der Aufstieg ist zum Greifen nah und "absolut machbar", sagt Hirsch. "Die Jungs leben uns vor, wie es sein muss", sagt der FSC-Chef: "Die haben den Begriff Spielgemeinschaft völlig ausgeblendet, die fühlen sich einfach als der Neustädter Fußballverein." 

Ein weiterer wichtiger Punkt, ist das vormals erwähnte Sportgelände. Während der TSV seine drei Plätze an der Weißen Marter dank städtischer Subventionen zuletzt zwar gut erhalten und sogar sanieren, aber mangels Fußballermasse nicht optimal bespielen kann, darbt der FSC mit seinem Gelände an den Aischwiesen mehr schlecht als recht dahin. Kein Flutlicht, Linien, die für jedes Spiel neu gezogen, Tore, die immer wieder neu aufgestellt werden müssen. Langer Rede, kurzer Sinn: Der FSC stellt von der G- bis zur B-Jugend zwölf Mannschaften von Jung-Kickern, der TSV stellt das Gelände und zukünftig vereint hofft man, dass der neue Verein dem talentierten und dem weniger talentierten Nachwuchs so viel Perspektive bietet, dass dieser auch im Herrenbereich noch für Neustadt die Fußballstiefel schnürt.

Ein "Eheberater" hilft

Um die angepeilte Fusion über die Bühne zu bringen, lassen sich die beiden Vereine von einem Fachmann für derartige Fusionen helfen – einer Art "Eheberater" also. Dieser klopft die finanziellen, rechtlichen und organisatorischen Belange ab, Arbeitsgruppen diskutieren die Ziele und Aufgabenverteilungen, und wenn alle Voraussetzungen geklärt sind, werden die Mitglieder befragt. Das Ziel: Die Verschmelzung zum 1. Juli, sodass man in die Fußballsaison 2021/22 bereits als neuer Verein gehen kann.

Wie das Konstrukt ab Juli heißen soll, ist übrigens noch offen. Auch hierzu sollen die Mitglieder befragt werden – Konfliktvermeidung lautet das neue Zauberwort. Im Neustädter Vereinsleben war das nicht immer selbstverständlich.

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